Appletree: „Du kannst nicht den einen Ast des Hip-Hop-Baums diskriminieren, weil er anders wächst, als der auf der anderen Seite.“

Seit gut 14 Jahren ist Appletree am Mic aktiv. Mal mehr – mal weniger. Nach etlichen Cyphers, Auftritten und einem Free-Mixtape kehrt der Wiener der Rapkarriere vorerst den Rücken und beschäftigt sich als Booker und Tourmanager hinter den Kulissen. Letztes Jahr trifft er Samy Deluxe, welcher nach eigenen Aussagen eine der prägendsten Personen zu Apples war. Eins kommt zum anderen – Ende vom Lied: Appletree bekommt einen Deal bei Samy und jetzt steht mit „Zwischen Stiernacken und Tiermasken“ seine erste EP über Samys KunstWerkStadt an. Wir haben mit dem Wiener über seinen außergewöhnlichen Namen, den Kontakt zu Samy, seinen Job als Booker und natürlich über seine Mucke gesprochen.

Die breite Öffentlichkeit hat bis jetzt nicht so viel von dir mitbekommen. Darum fangen wir mal mit den etwas grundsätzlichen Themen an. Erst mal frage ich mich: wie kommst du zu deinem Künstlernamen?

Appletree: Wie ich zu dem Namen komme, will ich erstmal als kleines Geheimnis behalten. Ich mache jetzt seit 13 Jahren Rap und habe mir dementsprechend mit circa 14 Jahren diesen Namen gegeben. Irgendwann hatte ich mir durch Freestyle-Battles einen Namen aufgebaut und habe mir gedacht: dann behalte ich den Namen halt. Es ist jetzt nicht der allergeilste Name der Welt, aber ich stehe dahinter und man merkt ihn sich auf jeden Fall. Ob ich das jemals aufkläre, werde ich mir gut überlegen. Ich habe letztens ein Gewinnspiel gemacht, wo die Leute sich fiktive Geschichten einfallen lassen und Vermutungen anstellen konnten wie ich zu dem Namen komme. Eigentlich hatte ich geplant bei jedem Interview eine dieser Geschichten zu erzählen, aber ich will euch Medienleute dann doch nicht zu sehr verarschen.

Ging denn eine der Antworten in die richtige Richtung?

Appletree: Nicht annähernd. Ich antworte hier und da, wenn ich privat gefragt werde, auch mit dummen Antworten und gucke wie die Leute reagieren. Ich habe auch schon gesagt, dass ich die Auflösung dazu, inklusive meinem Sextape, exklusiv an die BILD-Zeitung verkaufe.

Stand es für dich zu Debatte den Namen vor dem Comeback zu ändern?

Appletree: Ganz kurz stand das im Raum. Aber nie so ernsthaft, dass ich das wirklich in Betracht gezogen hätte.

Du hast mit 13 ein eigenes Event veranstaltet um dich als Supportact zu booken. Was genau ist die Geschichte dahinter?

Appletree: Ich wollte unbedingt im B72 spielen. Das ist so der prädestinierteste 250er-Club in Wien. Ich war halt ein No-Name und extrem jung – darum wollte mich logischerweise niemand buchen. Also habe ich mich mit Hilfe eines Bekannten einfach eingemietet, habe perVers und Herbe Mischung, die lokalen Größen zu dem Zeitpunkt, gebucht und mich selbst ins Vorprogramm gestellt. Plötzlich war die Hütte voll und ich bin mit 13 schon mit einem kleinen aber durchaus respektablen Gewinn nach Hause gegangen. Damit habe ich mir quasi meinen Job als Veranstalter und Booker geschaffen.

Ich war halt ein No-Name und extrem jung – darum wollte mich logischerweise niemand buchen. Also habe ich mich […] selbst ins Vorprogramm gestellt.

Mit 13 haben ja die wenigsten so ein Businessdenken. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Appletree: Ich war noch nie der Typ, der sich viele Bedenken gemacht hat. Ab dem Moment als ich das erste mal gespielt habe, war ich bühnengeil und habe jede Möglichkeit mitgenommen um aufzutreten. Irgendwie hatten auch die Jungs aus meiner Crew immer viel mehr Bedenken auf eine Bühne zu gehen. Der Respekt vor einem Battle war damals noch größer. Das war eine richtige Ehrensache. Es gab noch nicht mal Preisgelder oder irgendetwas. Da ging es nur um den Respekt der anderen – mir war das eigentlich immer ziemlich scheißegal. Ich habe relativ schnell meine Entschlüsse gefasst und sobald ich irgendwo meine Bühne und mein Mic bekommen hab, war ich motiviert.

Du warst ja zwischenzeitlich und bist immer noch als Booker  tätig. Bist du durch diese Aktion in deinen Job reingewachsen?

Appletree: Ich bin Großteils reingewachsen und habe auch viel Lehrgeld bezahlt. Mit 15 habe ich schon die ersten internationalen Acts ran geholt. Angefangen habe ich mit Nico Suave, dann habe ich ziemlich schnell die Cali Agents und solche Geschichten gemacht. Eine richtige Ausbildung oder einen richtigen Kurs habe ich aber nicht gemacht.

Deine Erfahrung in Sachen Battlerap hast du ja eben angesprochen. Du warst neben vielen Cyphers auch unter falschem Namen im VBT aktiv.

Appletree: Genau. Ich habe aber 2005 auch schon beim 1on1 mitgemacht und bin da Dritter geworden. Da bin ich gegen Keno von Moop Mama rausgeflogen. Bei dem Battle um den dritten Platz habe ich dann Juse Ju raus gehauen. Meine VBT-Identität möchte ich jetzt nicht laut raus posaunen, aber wenn man sich YouTube-Kommentare der letzten Zeit durchliest, kann man das schon erahnen. Wenn man da ein bisschen recherchiert, ist es nicht schwer das herauszufinden.

Meine VBT-Identität möchte ich jetzt nicht laut raus posaunen, aber wenn man sich YouTube-Kommentare der letzten Zeit durchliest, kann man das schon erahnen.

Kitzelt es dich jetzt auch noch in den Fingern mal wieder zu battlen? Kommen Live-Battles für dich in Frage?

Appletree: Das würde ich definitiv nicht ausschließen. Ich war immer schon Battle-Rapper und das ist auch das, was mich am meisten fordert. Ich glaube das merkt man auch bei dieser „Schreib meine Bars“-Geschichte. Das geht ja auch in die Battle-Freestyle-Richtung. Was ich nicht mehr machen würde, ist so ein online Battleturnier, weil da einfach zu viele Faktoren eine Rolle spielen was Bewertung angeht. Ich bin zwar kein schlechter Verlierer, aber ich kann mir schon eine objektive Meinung bilden ob ich gegen irgendjemanden zu Recht raus geflogen bin oder ob da ein Hype dahinter steht. Ich verstehe natürlich, dass die Veranstalter von solchen Battles auch Klicks generieren wollen, aber am Ende des Tages bin ich der Meinung, dass ich besser war als der Gegner gegen den ich im VBT rausgeflogen bin. Im Endeffekt vermiest das einem die Laune bei sowas mitzumachen.

Obwohl du schon mit Lakmann, Keno (Moop Mama), Fatoni und sogar Akil The MC (Jurassic 5) zusammen gearbeitet hast, kommt jetzt erst die größere Aufmerksamkeit. Warum?

Appletree: Gerade als Musiker in Österreich ist es extrem schwierig. Du hast keine vergleichbare Industrie wie in Deutschland. Das was jetzt durch Bilderbuch, Wanda, Nazar und Dame passiert, sind komplett neue Wege. Natürlich gibt es immer wieder Künstler, die den Sprung geschafft haben. Raf und Chakuza sind nach Berlin gegangen. Man muss eher den deutschen Weg gehen. Wenn du in Deutschland erfolgreich bist, schaffst du es in Österreich auch, weil du als internationaler Künstler gesehen wirst. Wenn man dann auszieht und das erste mal selber Miete und Rechnungen zahlen muss, muss man sich selber die Frage stellen wo man bleiben will. Ich habe mich damals schon wohl im Booking gefühlt, hab auch Künstlermanagement von Die Vamummtn gemacht und hab so schon ein Stückchen von dem Rockstar-Kuchen bekommen und mich schlicht und ergreifend für den sichereren Weg entschieden meine Brötchen zu verdienen und rappen wieder als Hobby zu sehen. Ich habe ja nie wirklich aufgehört, immer wieder Tracks recorded und immer wieder bisschen an Releases gearbeitet, aber nie wirklich mit dem konsequenten Gedanken an eine richtige Musiker Karriere.

Inwieweit hat es dir geholfen bzw. hilft es dir immer noch, dass du durch deinen Job schon weißt wie das Business abläuft?

Appletree: Ich merke das auf jeden Fall seitens des Labels, seitens Samy, seitens der KunstWerkStadt, dass es sicherlich angenehmer für die Jungs ist mit jemandem zu arbeiten, der weiß wie es hinter den Kulissen abläuft, als mit einem klassischen Newcomer, der zwar rappen kann, aber von Management, Booking, Verlag und Vertrieb keinen Dunst hat. Deshalb ist es vielleicht angenehmer mit mir zu arbeiten und natürlich vereinfacht mir das generell vieles, weil ich in vielen Bereichen weiß wie der Hase läuft und nicht als Musiker noch hundert mal auf die Fresse fliegen muss. Das konnte ich als Veranstalter und Booker vorher schon machen.

Seitens des Labels ist es sicherlich angenehmer mit jemandem zu arbeiten, der weiß wie es hinter den Kulissen abläuft, als mit einem klassischen Newcomer.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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