Amazon: 7+7 Facts über den Online-Giganten

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Hand aufs Herz: Wenn man heute IRGENDWAS zwischen altem Rap-Album, Sonnenbrille oder ganzer Wohnungsausstattung suchen, finden und kaufen will, landet doch der Finger, der es in die Suchzeile eingeben will, automatisch schon auf A…, worauf der Browser brav …mazon ergänzt.

Man kann, Hands down, über manche Sachen, die der weltgrößte Onlinehändler macht, absolut geteilter Meinung sein. Aber für das, was er ist, muss man ihm auch Props geben. Zeit, ein paar coole Fakten über das wohl bedeutungsschwerste Handelsunternehmen unserer Zeit aufzulisten.

  1. Name und ein falscher Versprecher

Amazon ist längst ein geflügelter Begriff, bei dem jeder weiß, was gemeint ist. Ähnlich wie bei Tempo für Taschentücher, Jeep für Geländewagen, Uhu für Kleber – wer sich näher für das Phänomen interessiert, dass ein Marken- zum Gattungsnamen wird:Das nennt sich „Generische Verselbstständigung“und ist in der Marketingbranche sowas wie die Aufnahme in den Werbungs-Olymp.

Aber hat sich schon mal jemand gefragt, warum Amazon eigentlich Amazon heißt? Nun, da gibt es zwei Entstehungsgeschichten, eine kurze (1.)und eine längere (2.) mit höherem Spaßfaktor:

  1. Jeff Bezos nahm 1995 ein Wörterbuch in die Hand. Gleich bei A stolperte er über den englischen Begriff für den Amazonas. Das gefiel ihm, weil damals Webseiten noch alphabetisch gelistet wurden (besseres Ranking) und weil es der größte Fluss der Welt war – und Bezos hatte absolut vor, der größte Buchhändler der Welt zu werden.
  2. Jeff Bezos gründete eine Garagenfirma namens AbraCadabra und ließ sich www.cadabra.com dafür registrieren. Kurz darauf telefoniert er mit seinem Anwalt für Markenrecht. Der verstand allerdings nicht Cadabra, sondern Cadaver und riet Bezos nach Aufklärung des Missverständnisses energisch davon ab, einen Namen zu nehmen, der so leicht missverstanden werden könnte. Bezos registrierte dann awake.com, browse.com, bookmall.com und relentless.com (leitet einen noch heute zu Amazon.com um). Der letzte Name gefiel ihm und seinen Freunden – bedeutet aber nicht nur unermüdlich, unaufhörlich, sondern kann auch als unbarmherzig, unerbittlich und unnachgiebig interpretiert werden. Auch nicht das Wahre für einen familienfreundlichen Online-Buchladen. Erst dann griff Bezos zum Wörterbuch.

Wahr sind beide Varianten. Welche einem besser gefällt, bleibt Geschmackssache. Allerdings darf man sich gerne mal das Logo genauer anschauen. Schon bemerkt, dass der gelbe Pfeil von a nach z führt, was ausdrücken soll, dass es da alles gibt?

  1. Dann eben Bücher

Für die jüngeren Leser von BACKSPIN dürfte Amazon eine Seite sein, die schon immer da war und auf der man auch schon immer „alles“ bekam. Stimmt aber so nicht. Da es ein bekannterer Fact ist, deshalb nur kurz angerissen:

Jeff Bezos war 1994 Vice-President im Wallstreet-Investmentunternehmen D.E. Shaw & Co. Damals begann das Internet gerade, Fahrt aufzunehmen. Und Bezos (hier zeigt sich, dass der Mann wirklich ein Visionär war) glaubte, dass damit wirklich Geld zu machen war. Er schrieb sich eine Liste von 20 Produkten auf, die seiner Meinung nach das größte Potenzial hatten.

Als er alles weggestrichen hatte, blieben Bücher übrig. Bezos kündigte an der Wallstreet, zog um nach Bellevue im Staat Washington und baute mit 300.000 Dollar, die er sich von seinen Eltern geliehen hatte, seine Garage zum Büro Slash Lagerraum um, der Rest ist Geschichte.

2018 krönte Amazon seinen Headquarter Campus durch die Eröffnung der mit 40.000 Pflanzen gefüllten Amazon Spheres. Ein weiter Weg aus Bezos Garage (fotolia.com © mariana_designer)

  1. Krasser Erfolg und Glockenschläge

Dass Bezos in der Tat recht hatte, als er auf seiner Liste Bücher übriggelassen hatte, zeigte sich bereits einen Monat nach der Geschäftseröffnung: Zu dem Zeitpunkt hatte er ein Buch (das erste war übrigens Fluid Concepts and Creative Analogies von Douglas Hofstadter) in jeden US-Bundesstaat sowie 45 weitere Länder verkauft.

Um sich selbst ein bisschen zu pushen, wurde im Headquarter eine Glocke aufgehängt. Jedes Mal, wenn Amazon etwas verkaufte, wurde sie geläutet. Schon nach kurzer Zeit musste das Ritual aus naheliegenden Gründen eingestellt werden.

  1. Nächster Halt: Moneytown

Wir spulen mal fast forward ins Hier und Heute. Da hat Amazon erst vor sehr kurzer Zeitdie Krone aufgesetzt bekommen: Wertvollstes Unternehmen der Welt. Noch vor Google, Apple und Konsorten und umgerechnet knapp 280 Milliarden Euro mächtig.

Das liegt auch daran, dass Bezos niemals satt war. Der Buchladen nahm irgendwann CDs und ähnliche Produkte auf. Es entstand der Marketplace als Plattform für Drittanbieter, AmazonBasics als Eigenmarke für Kabel, Batterien und Co. Dann gesellten sich die E-Books und der Kindle hinzu, das Fire-Tablet und natürlich der zu Prime gehörige On-Demand-Dienst, der auch seine eigenen Sachen produzieren lässt.

Es dürfe da nicht verwundern, dass Amazon, das schon so viele Sparten abdeckt, auch in der Zahlungsbranche unterwegs ist. Schon 2007 startete Amazon Payments, von dem Experten glauben, dass es bald auch in die Offline-Welt überschwappen wird, wenn große Geschäfte mitmachen.

Amazon Prime Visa nennt sich der nunmehr jüngste Streich des Unternehmens. Eine Kreditkarte sowohl für Prime- wie reguläre Kunden, die an ein gestaffeltes Punktesystem gekoppelt ist, welches wiederum in Rabatte umgeschlüsselt werden kann.

Da verwundert es irgendwie nicht, dass man neuerdings via Lightning-Wallet seine Einkäufe auch per Bitcoin zahlen kann und Amazon sich mit weiteren Finanzdiensten anschickt, zumindest in den USA traditionellen Banken ernsthaft die Show zu stehlen.

  1. Ein ziemlich unheimliches Patent

Wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten – nicht nur in bestimmten Songs von Curse. Und auf viele Menschen dürfte folgendes ziemlich schattig wirken, wenngleich andere es sicher genial fänden.

Dass hinter dem Unternehmen mittlerweile gigantische Rechenzentren und enorm fähige Algorithmen stehen, die denen von Google und Facebook kaum nachstehen dürften, ist wohl bekannt.

Weniger bekannt hingegen ist, dass der Hauptzweck dieser Algorithmen letztlich der ist, jedem Kunden etwas zu zeigen, von dem sehr wahrscheinlich ist, dass er es kaufen wird – die Empfehlungen, die wir schon auf der Startseite angezeigt bekommen, wenn wir uns einloggen, sind ein direktes Ergebnis davon.

Praktisch gar nicht bekannt ist jedoch ein Patent, das Amazon 2014 einreichte:

Method and System for Anticipatory Package Shipping

Auf Deutsch: Verfahren und System für vorausschauenden Paketversand. Zu komplex? Ein System, mit dessen Hilfe man Waren an eine bestimmte Adresse verschickt, noch bevor der, der dort wohnt, sie bestellt hat.

Ganz recht, Amazon hält ein Patent, dank dem demnächst vielleicht die Drohne (die ja auch erst vor wenigen Tagen präsentiert wurde) ein Paket vor eure Haustür legt, obwohl ihr den Inhalt noch nicht gekauft habt. Allein aufgrund der Algorithmen und dem bisherigen Einkaufsverhalten weiß der Händler, dass Ihr es trotzdem wollt oder braucht.

  1. Nicht wirklich alles

Es mag vielleicht schwer sein, es zu glauben, wenn man gerade in den tiefsten Tiefen des Marketplaces unterwegs ist und da Sachen wie „Kreativ mit Beton“ oder den „Größten Sitzsack der Welt“ angezeigt bekommt. Aber es ist eine Tatsache, dass es bei Amazon nicht alles gibt.

Konkret ist es sogar eine feste Liste:

  1. Autos (allerdings Mopeds und Roller galore)
  2. Brillen mit Stärkegläsern
  3. Immobilien
  4. Kraftstoff (Öl allerdings gibt’s)
  5. Lebende Tiere (Insekten wie Mehlwürmer ausgenommen)
  6. Schnaps (zumindest nicht von einigen US-Bundesstaaten aus)
  7. Second-Hand-Bekleidung
  8. Tabakwaren (jedoch Tabaksamen, Blättchen, Filter und wirklich alles andere)

Und, auch wenn es verwunderlich klingen mag, nicht einmal im Heimatland des liberalen Waffenbesitzes höchstselbst kann man über Amazon Schießeisen und Munition kaufen. Selbst der Verkauf von ansonsten unproblematischem Zubehör ist sehr dünn.

Nein, Haustiere verkauft Amazon nicht. Dürfte auch moralisch die bessere Wahl sein. (fotolia.com © voren1)

  1. PowerPoint-Verbote und andere Fun-Facts

Soweit zu den harten coolen Facts. Aber was wäre ein solcher Artikel, wenn es nicht auch noch eine ganze Reihe kleiner Snacks gäbe, die ebenfalls erwähnenswert sind? Schon gewusst:

  • 2004 hat Amazon PowerPoint-Präsentationen komplett aus seinen Räumen verbannt. Wer seitdem Ideen und Konzepte vorbringen will, muss eine Zusammenfassung schreiben, die vor Meetings verteilt und durchgelesen wird, bevor Fragen erlaubt sind.
  • Anfangs war Amazons Slogan „The Earth’slargestBookstore“. 1997 flatterte eine Klage von Barnes & Noble ins Haus, damals eine wirklich gigantische Buchladenkette. Man einigte sich außergerichtlich.
  • In seinen Frühtagen hatte Amazon einen kapitalen Bug: Wenn man eine negative Anzahl von Büchern bestellte, bekam man die Kaufsumme auf seine Kreditkarte gutgeschrieben, statt umgekehrt.
  • Der Kindle sollte ursprünglich Fiona heißen nach einem gleichartigen Gerät im Roman The Diamond Age.
  • 2018 wurde aus einem Vorstandspapier bekannt, dass Amazon bei DHL für 17,6 Prozent der gesamten dort auftretenden Paketmenge verantwortlich ist.
  • Intern gibt es dort eine Politik der Teamgrößen „Ifyoucan’tfeed a teamwithtwopizzas, it’stoo large“. Allerdings sind damit die ziemlich großen US-Pizzen gemeint, was sich in ungefähr zehn Leute umrechnet.

Und dann wäre da noch die Story aus dem Jahr 2006: Damals hatte Amazon schon große Verteilzentren aufgebaut. Und in dem in Kansas wunderte sich irgendwann der Schichtleiter, warum ein Mitarbeiter zwar täglich auf der Arbeit war, aber irgendwie nie ausstempelte. Irgendwann kam man dahinter, dass der Mann sich in der riesigen Halle tief unter einem Berg aus leeren Kartons und Paletten eine Höhle gebaut und mit lauter Dingen aus dem Lager eingerichtet hatte. Wochenlang lebte er da buchstäblich wie die Made im Speck.

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