Review: Ali As – „Euphoria“

Zu Beginn eine kurze Rückblende: Heute vor etwas mehr als einem Jahr veröffentlichte Ali As Amnesia – das zweite Werk in Albumlänge seiner Diskografie. Trotz der bereits zweiten Veröffentlichung genoss der Münchener 2015 so etwas wie einen Newcomer-Status. Nach seinem Debüt „Bombe“ war es lange still um ihn geworden. Dann kam „Amnesia“ und brachte dem heute 36-jährigen Chartposition 17 und eine Menge Lob aus der Rapszene ein.

Heute sind die Vorzeichen etwas andere – ob Ali As die Erwartungen erfüllen konnte, versuche ich in den folgenden Zeilen zu klären.

Ich habe vor dem ersten Hören folgendes erwartet: Reimketten, großartige Wortspiele, dazu passende Beats – einfach gute Unterhaltung. Über weite Strecken bekam man diese auch geboten. Beim durchhören einiger Anspielstationen fühlte es sich jedoch so an, als ob man diesen Entertainment-Faktor um jeden Preis aufgezwungen bekommen sollte.

Aber der Reihe nach.

Track #1. Auf „Denkmäler“ vereint Ali sofort alles, was man an ihm schätzt – cooles Storytelling gepaart mit Wortakrobatik. Mehr davon. Skippen wir vor zu Track Nummero drei. „Lass sie tanzen“ heißt das Teil, auf dem sich Ali As Unterstützung von Namika geholt hat. Zum ersten Mal raunt der Begriff „Radio-AirPlay“ durch meinen Kopf. Schon sehr poppig, oder? Ja, das ist poppig. Für meine Begriffe ein wenig zu viel des Guten. Der Song steht Namika enorm gut zu Gesicht, Ali hingegen wirkt ein wenig fremd auf dem Track.

„Was für’n Leben“ hingegen ist ein Positiv-Beispiel dafür, dass eine gesungene Hook nicht zwingend zum Pop-Pathos führen muss. Auf einem Reggae-angehauchten Beat gleiten Ali As und sein Gast Malo durch den Song und machen dabei sehr viel richtig.

Der nächste Skip führt uns zum absoluten Banger der Platte. „Farid Bang“. Wer nicht schon bei Anblick der Tracklist „Farid Bang (feat. Farid Bang)“ schmunzeln musste, kann dies beim anhören des Songs definitiv nachholen. Ein wortwitziger Ali As auf einem Trap-Brett. Ein Diss von Farid in Richtung Fler inklusive. Shots fired!

„Jetzt komm’ wir“ – Anspielstation No. 8. Pop, so weit das Auge reicht. Mit Kinderchor in der Hook und Sätzen, die ein Ali As eigentlich gar nicht nötig hat.

„Ich seh’ die Leute in der Weltgeschichte hier /
Und frage mich, warum ich selber existier’
Alle Menschen um mich jagen nach dem Sinn /
Und ich stelle mir die Frage, wer ich bin.“

Über den Titeltrack „Euphoria“ und die MoTrip-Kollaboration „Stempel im Pass“ gelangen wir langsam aber sicher ans Ende der Platte. Besonders der Titelsong – auf dem Ali As von dem Boss höchst selbst Unterstützung bekommt – hat es mir angetan. Die Rede ist natürlich von Kollegah, der auch auf diesem Song mal wieder eindrucksvoll zur Schau stellt, was er mit Worten alles anstellen kann. Die Kombo passt wunderbar und ist definitiv ein würdiger Titelsong für „Euphoria“.

„On top of the game, Kings in allen Breitengraden /
Ali As, Kollegah – Todeskombi wie ein Leichenwagen“

Kurz zusammengefasst: Ali As hat mit „Euphoria“ ein grundsolides drittes Werk abgeliefert. Es bietet einige richtig starke Tracks und eine Beatauswahl, auf die man sich verlassen kann.

Jetzt zum Aber: Vieles wirkt künstlich. Ali As ist niemand, der eine Pop-Hymne auf seinem Album braucht, oder einen nur so nach Radio-AirPlay schreienden Song wie „Lass sie tanzen“.

Hätte man die zwei, drei enorm schwachen und unpassenden Nummern von der Tracklist gestrichen, wäre mir „Euphoria“ als richtig starkes Album 2016 in Erinnerung geblieben – so ist es eher ein „okayes“ Album mit ein paar Hits.

Ali As
VÖ Datum: 01. April 2016
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Calvin ist seit 2015 teil des Teams, schafft mehr als 20 Klimmzüge am Stück und verzweifelt jedes Wochenende aufs Neue an seinen Handball-Teamkollegen. Wenn er nicht im Dauerlauf das Treppenviertel auf und ab rattert, schreibt er leidenschaftlich gerne Reviews.

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