Album der Woche: Ufo361 – „Wave“

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Diese Woche mit bespricht unser Soundcheck-Redakteur Yannick das neue Album von Ufo361.

Schnelle Fakten: 

Artists: Ufo361
Titel: Wave
Features: Data Luv, Gunna, Yung Hurn, Kontra K, Raf Camora, KC Rebell, Luciano
Produzenten: Ufo361, The Cratez, Sonus030, Sam Salam, AT Beatz, Jimmy Torrio, Özgür Bayraktar, David Kraft, Fnshrs, Wanja Janeva, X-Plosive, Yannick Geisler, A-Boom, North, Sls, Funke, Hurtboyag, Al B Smoove
Label: Stay High/Groove Attack
Release: 9.08.2019

Ufo361 – „Wave“ kaufen

 

Yannicks Erwartungshaltung: 
Ich finde Ufo361 großartig. Bis dato zwar noch keins seiner Alben durch die Bank, seine Vision, die die kreative Überflutung, den Wahnsinn irgendwie so grade beisammenhält allerdings, ist in Deutschland einzigartig. Eben die – zumindest so mein Gefühl – ging Ufo in der Produktion von „VVS“ kurzeitig abhanden. Die absurde Inszenierung des eigenen Künstlertodes bzw. die folgende kurze Pause gaben wohl die Zeit die eigene Mitte wiederzufinden. In ihrer Menge waren die sieben Vorab-Veröffentlichungen zum „Comeback-Album zwar relativ wirr, aber „Wave“ hat so einiges einzulösen. Also abwarten: 

1. Wave

So muss man ins Album einsteigen! Keine richtige Songstruktur, ein ewiger Bild Up, kurze Entladungen, eine schrammelnde Gitarre als Finale: Wirr und eben deshalb auch sehr sehr gut. Hätte ich mir als erste Single gewünscht. 

2. Richard Mille

Das ist schon eher konventioneller Sound, nur eben noch etwas dekadenter als vorher. Der kurze Reminder, dass seine Wurzeln eigentlich im Boom Bap liegen, kommt cool und „Wavy Wave“ ist ne Catchphrase. Funktioniert Live sicher gut… 

3. Shot

Fand ich zum Singlerelease fürchterlich, geht mir mittlerweile etwas besser rein. Data Luv macht das charmant, Ufo trägt den Song durch vielseitigen Stimmeinsatz. Schon Ohrwurm – aber eher einer der nervigeren. 

4. On Time

Neben Cro ist Ufo wahrscheinlich der einzige der Deutsch und Englisch derart in einen Flow bringt. Ist hier schon wieder ein Hit mit richtig viel Prunk, nicht zuletzt, weil auch Gunna on Point ist. Highlight ist der sich aufbäumende dritte Part.

5. Irina Shayk

Ein ekelhaftes Brett! Ich wünsche mir mehr Unkonventionelles und Brachiales von Ufo. Bei dieser stumpfen metallenen Snare stellen sich mir die Nackenhaare auf, die düsteren Drone-Bässe stehen ihm hervorragend. Das Video von Christoph Szulecki, ein gewaltiges „Skrrt“ und Motoren-Grölen garnieren das Ganze.

6. Next

RAP! Das Gipfeltreffen der beiden tonangebenden Rapper ihrer jungen Generation ist ein starker Representer geworden, der das, was er soll – scheppern nämlich – perfekt hinbekommt. Angenehm kurzweilig. 

7. Monster

Puuuh, ist das platt. Gesellschaftskritik steht Ufo, dessen Musik vom Kreisen um sich selbst lebt, nicht. Kontra K macht was er immer macht nur eben auf einem anderen Beat. Hätt’s nicht wirklich gebraucht, bisher der unpassendste Song im Tracklisting.

8. Warum willst du mich

Die Topline von Juice Wrld ist zwar etwas überhört, nichtsdestotrotz einer meiner liebsten Songs bisher. Der wichtigste Moment ist das gesäuselte „Ich hab’ keine Wahl außer weiterzuleben“. Natürlich mündet ein solcher Song in einem maximal dramatischen Gitarrensolo. Das ist alles super plakativ, komplett ehrlich kitschig und ich find’s großartig.

9. Lost

Geht genau so kitschig weiter. „Lost“ ist hymnisch, selbstherrlich, aber eben Gottseidank nicht zu aufdringlich. Die Synth-Bläser agieren angenehm in Background, Yung hurn fügt sich wunderbar ein, wieder ein Gitarren-Finale. Tollll!

10. 04.30

Der beste Song der Platte. Bildet mit den beiden Vorgängern quasi eine Themen-Trilogie, die den Kern von Ufos Persona, den rasant gebauten Goldenen Käfig der ihn von der „normalen“ Welt abkapselt, wunderbar abzeichnet. Gekleidet in einen sphärischen, lyrisch reduzierten Hit. 10/10 Song. 

11. Nummer

Leider ganz großer Unfall – absolut alles daran. Kann ich nix zu sagen außer „ganz schnell weiter“. 

12. Pass auf wen du liebst

Würde so wunderbar an „04.30“ anschließen und arbeitet sich an der Kluft zwischen Überfluss und Einsamkeit weiter ab. „Pass auf wen du liebst“ wirkt im Verhältnis zu anderen Songs durch das lange Intro und die eher pointierter arrangierten Drums fast sperrig. Der krasse Erfolg des Songs gibt Ufo Recht dabei, mit jüngeren Hit-Strukturen zu brechen und mir wieder etwas Hoffnung für weniger generische Playlist-Musik in 2020. 

13. Swiss Made

Leider auch vollkommen egal. Ein netter Song auf dem nächsten Berliner-Mixtape hätt’s werden können. Grade nach „Pass auf wen du liebst“ ein krasser Störer. 

14. Gib Gas

Ganz böse in die Schnauze. Ist schon verrückt, wie Luciano mit dem immer wieder selben Vokabular und maximal reduzierten Lyrics ganze Parts tragen kann. Star des Songs ist trotzdem der Beat von Sonus, AT Beatz & den Cratez.

15. Nike Leggins

Bin etwas unangenehm berührt von dem Song. Und trotzdem ist „Nike Leggins“ mit dem voreiligen, überschwänglichen aber irgendwie vergänglichen Hals über Kopf-Liebesgeständnis wichtig für den Charakter Ufo wie „Wave“ ihn präsentiert. 

16. Poseidon

Die Welt, die Ufo um „Wave“ kreisen lässt macht mir richtig Spaß. Seien es die immer wieder auftauchende Kinderstimme, das Meeresrauschen oder das Singen des auch das Cover zierende Delfins. „Poseidon“ ist eine reduzierter Interlude-Song über das bewusste Isolieren seiner selbst und leitet damit beinahe distanziert das Outro ein. 

17. Keiner da wenn du suchst

„Wave“ endet mit dem Schlüsselsong. „Keiner da wenn du suchst“ rutscht ganz tief ab, ist ungemein persönlich. Und vielleicht einer der wichtigsten Songs bisher um den umtriebenen Ufo361 zu verstehen. 

Fazit: 
„Wave“ lebt von Ambivalenz. Ist zerrissener als Ufo sich je vorher gezeigt hat. Die dekadenten Momente zelebrieren sich etwas größenwahnsinniger als auf den Vorgängern, die persönlichen sind noch distanzierter und trauriger. Ufo opfert sein Leben für seine Kunst und vertont den Prozess zum Superstar im selbst errichteten goldenen Käfig. Trotzdem krankt die Platte an zu vielen Songs und drei störenden Features. „Wave“ arbeitet weiter auf das Album hin, das seinen Charakter – der aktuell noch spannender als seine Alben ist – in elf oder zwölf Songs gießt. Das stringente, entschlackte Ufo-Album, das Magnum Opus, das er zweifelsohne in sich trägt. Bei seinem Tempo wird es vielleicht Zeit um sich auf dem Weg dahin ruhig und intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen. In der Zwischenzeit gibts aber sicherlich noch mindestens ein davon losgelöstes Mixtape, denn Stillstand ist bei Ufo aktuell undenkbar. 7/10

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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