Album der Woche: Ufo361 & Ezhel – „Lights Out“

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Dafür hört unser Autor Ömer diese Woche die erste Kollabo von Ufo361 mit dem türkischen Rapper Ezhel – „Lights Out“.

Künstler: Ufo361 & Ezhel
Titel: Lights Out
Features: –
Produzenten: Bugy, The Cratez, DJ Artz, Ezhel, Jimmy Torrio & Sonus03
Releasedate: 15.11.2019
Label: Stay High/Urban

Ömers Erwartungshaltung:

Jeder, der unser Portrait mit Ezhel gelesen hat, wusste, dass uns wohl früher oder später ein gemeinsames Release mit Ufo361 bevorstand, so groß schien der Respekt und die Bewunderung. Und dann gleich ein ganzes Album? Ich bin gespannt, wie sich Ezhels bisheriger Sound mit Ufos progressiver Trapästhetik vereinbaren lässt. Oder erwartet uns womöglich ganz neue klangliche Welten? Ich kanns kaum erwarten.

 

1. Kapat Işıklarını (dt.: Mach die Lichter aus)

Das von Bugy, Ezhel, Sonus030 und DJ Artz produzierte Instrumental kommt düster daher und bietet überraschend eine ideale Grundlage für den Sound der beiden. Im Intro erzählen Ufo und Ezhel beide auf ihre Art, welche Annehmlichkeiten sie den Ladies dank ihres neugewonnenen Wohlstandes bieten können. Geht es auf diesem Album thematisch etwa um die Herzdamen der beiden? Ich bekomme richtig Bock.

2. Schwarz & Weiss

Wo Licht fällt, gibt es auch Schatten. Leute machen Auge auf die beiden Künstler, doch das motiviert sie weiter zu machen. Das Instrumental überzeugt, die Hook von Ufo bleibt gut im Ohr – doch wieso kommt mir diese Melodie so bekannt vor..?

3. Kendini Kaybet (dt. Verliere dich selbst)

The Cratez, DJ Artz und Jimmy Torrio zaubern hier ein ideales Soundbett für die beiden Rapper um zu flexen. Ufo fliegt nach Atlanta für ein Meeting mit Offset und Ezhel stößt nach jahrelanger Arbeit mit Sake und Raki auf seinen Erfolg. Es sei gegönnt – Cheers!

4. Fallen

Auf dem vierten Track geht es erstmals ruhiger zur Sache. Cloudige Melodien schweben über dem Instrumental und doch fühlen sich die beiden Protagonisten Angesicht ihrer Selbstzweifel so, als würde sie fallen. Man hat als Hörer einen Moment durchzuatmen.

5. Lights Out

Wir scheinen weiterhin durchzuatmen zu können – bis die Drums einsetzen. Beide sind mittlerweile large genug, dass sie auch bei Dunkelheit scheinen. Viel Liebe für Ufos Kopfstimme in der Hook.

6. Yemin Olsun (dt. Schwöre)

Ezhel zeigt in seinem Verse deutlich, dass sein Fokus auf der Musik und seiner KOVL-Gang liegt. Hier ist kein Platz für unnötige Marketing Moves. Hier höre ich auch zum ersten Mal musikalische Parallelen zu Ezhels Debüt „Müptezhel“ heraus. Halbzeit und mein bisheriger Favorit der Platte.

7. Zombie

In der Nacht scheinen sich Berlin-Kreuzberg und die türkische Hauptstadt kaum zu unterscheiden – überall laufen Zombies herum. Beide Rapper berichten von gebrochenen Existenzen, die ihnen auf dem Weg Richtung Erfolg begegnet sind. Die Soloproduktion von The Cratez überzeugt und Ezhel und Ufo liefern sehr starke Parts ab. Ein weiterer Anspieltipp!

8. Bir Daha (dt. Noch einmal)

Ab sofort gibt es kein Zurück mehr für die beiden. Sie haben sich ihr Standing hart erarbeitet und möchten die Hürden nicht noch einmal erleben müssen. Jede Menge Quotables bleiben im Kopf, wenn auch die Hook mich nicht wirklich catcht.

9. Grind

Sowohl Ufo, als auch Ezhel sind mit „Stay High“ bzw „KOVL“ independent unterwegs. Diese Freiheit wollen sie auf keinem Fall verlieren, von daher hört ihr Grind niemals auf. Die Produktion von The Cratez, Sonus030, Jimmy Torrio, DJ Artz & Bugy überzeugt und liefert bei dieser ruhigen Nummer das richtige Ambiente, um den Struggle bis hierher Revue passieren zu lassen.

10. YKKE (Yung Kafa & Kücük Efendi)

Die zehnte Anspielstation und die zweite Singleauskopplung ist gleichzeitig auch eine Homage an das mysteriöse Duo Yung Kafa & Kücük Efendi. Auch der Sound ist stark von den beiden beeinflusst. Wir wissen schon seit „Summer of my Life“, dass Ezhel sich auf solchen Produktionen wohl fühlt. Wir sind im letzten Viertel des Langspielers angekommen.

11. Wir sind Kral (dt. König)

Überraschend veröffentlichten Efo und Ezhel mit „Wir sind Kral“ ihre erste Zusammenarbeit. Auf der ersten Singleauskopplung des Albums protzen die beiden und stellen Ihre Erfolge in der Musik, Finanzen und bei den Ladies in den Vordergrund. Dieser Track schafft es seit Release mich zu hypen.

12. Preis

Wer heute bei dir ist, könnte morgen nicht mehr sein. Das Outro fasst den Mindset der beiden Künstler zusammen. Der Preis für den Erfolg ist hoch, doch Ezhel und Ufo sind bereit zu zahlen, was auch immer es kosten sollte. Schöner Abschluss.

Fazit:

Ich war zugegebenermaßen bereits seit meinem Gespräch mit Ezhel voreingenommen und habe mich auf jedes kommende Projekt gefreut. Umso mehr hat es mich dann gefreut, dass gemeinsam mit Ufo ein deutsch-türkisches Album kommen sollte. Ezhel ist für mich musikalisch mit seiner Mischung aus Trap, Reggae und türkischer Volksmusik einer der interessantesten Exporte der Türkei und Ufo ist bekannt dafür, dass er immer arbeitet, um seinen Sound zu perfektionieren. Wie sollte diese Konstellation klingen? Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Auf diesem Kollaboalbum geht es nämlich nicht nur um Ufo und Ezhel, es ist eher das Ergebnis einer „Interkontinental-Supergroup“, bestehend aus Team Stay High x Team KOVL x The Cratez, die das Produktionsniveau durchgehend ganz weit oben halten. Selbst wenn das Sprichwort anders geht, diese Köche haben ein hervorragendes Mahl gezaubert. 9/10

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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