Album der Woche: The Cratez – “Nonstop”

von Vanessa (@vanyviero)

 

Künstler: The Cratez
Titel: Nonstop
Features: Bonez MC, Olexesh, Gallo Nero, Kontra K, Luciano, Nash, RAF Camora, Joshi Mizu, Edin, Ahmad Amin, Ufo361, Bausa, Miwata, Dardan, Tarek K.I.Z, Bozza, Bausa, Maxwell, Joshi Mizu
Produzenten: The Cratez
Releasedate: 28.02.2020
Label: RBK / Gold League / SME

 

Vanessas Erwartungshaltung:

Die Produzenten: Erfolgreich. Die Künstler: Groß. Die Erwartungen: Sehr hoch. The Cratez sind wohl DAS Produzenten-Duo der letzten Jahre. Seit 2017 produzieren sie mit ihrem unverwechselbaren Sound einen Hit nach dem anderen. Die mit ihnen zusammenarbeitenden Künstler sind die angesagtesten Namen der deutschen Hip-Hop-Szene. Capital Bra, Bausa, RAF Camora & Bonez MC oder Ufo361The Cratez beherrschen das Rapgame. Umso gespannter wurde nun der Sampler des Duos erwartet. Welche Künstler schaffen es auf die Platte? Wie experimentell wird der Sound des Albums? Gerade musikalisch sind hoffentlich einige Überraschungen dabei.

 

1. Honda Civic (Bonez MC)

Mit der ersten Single-Auskopplung im Herbst 2019 hauten The Cratez direkt ein Brett raus. Bei den Hörern ist der Song ebenfalls die Nummer 1 und der bis heute meistgestreamte Track des Samplers. Ferrari oder Mercedes? Fehlanzeige! In typisch selbstironischer Manier rappt Bonez MC von seinem ganzen Stolz, dem neu gekauften Honda Civic. Inhaltlich ist das eher seicht, jedoch mit einem Augenzwinkern; musikalisch einer der besten Songs des Albums. Straßenrap gepaart mit Trap Elementen –  Bonez MC & The Cratez bewegen sich gekonnt zwischen partytauglicher Hymne und chilligem Flow.

 

2. Alte Wände (Olexesh)

Wer „9MM Bang“ mag, wird „Alte Wände“ lieben. Olexesh-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten. The Cratez schaffen es immer wieder, den Künstlern ihre Musik in einem höchst individuellen und wiedererkennbaren Sound auf den Leib zu schneidern. Hut ab dafür! Die Ähnlichkeit zu anderen Olexesh-Songs nimmt jedoch ein bisschen den Wow-Effekt.

 

3. Wie Pac (Gallo Nero)

Der erste etwas ruhigere Track des Albums. Noch relativ neu im Rapgame, stellt Gallo Nero bereits Vergleiche mit dem Tod Tupacs an. Warum auch nicht? Melancholie kann nicht jeder, er kann’s. Lässiger Song mit gutem Beat, der ein wenig nachdenklich macht.

 

4. Himmel grau (Kontra K, Luciano)

Die erste Kollaboration von Luciano und Kontra K kommt tiefsinnig daher. Die beiden Berliner Rapper fragen sich, wie man vor all den düsteren Wolken und Problemen denn noch positiv sein könne. Derartige Lines kennt man vor allem von Kontra. Gemeinsam mit Luciano bietet der Song sowohl textlich als auch musikalisch, inklusive Geigen im Hintergrund, eine erfrischende Abwechslung zu den uptempo-Nummern.

 

5. Kilos (Nash)

Nash liefert mit „Kilos“ eine der Überraschungen des Albums. Flowtechnisch überzeugt er auf ganzer Linie. Die Hook ist – man kann es nicht anders sagen –  einfach geil anzuhören. Leider ähnelt sie der von Ahmad Amins „Lionel“ leider etwas zu sehr (oder auch umgekehrt). Zweimal fast den komplett gleichen Sound bei verschiedenen Künstlern hätte man sich sparen können, auch wenn der Beat fetzt.

 

6. Maschine (RAF Camora)

Ferrari, Maserati und nun Kawasaki – RAF Camora singt nicht das erste Mal über seinen Fuhrpark. Irgendwann wird man diesem Konzept dann auch mal überdrüssig, doch nicht, wenn man „Maschine“ hört. RAF besingt die Vorzüge besagter Maschine, und das die ganze Nummer lang. Doch es gibt einen Kniff: Jede einzelne der Zeilen ist doppeldeutig zu verstehen. Wenn man auf den Text achtet, kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Außerdem liefern The Cratez hier den wohl knackigsten Beat des Albums.

 

7. Hajde Brate (Joshi Mizu, Edin)

Joshi Mizu rappt die Parts, Edin ist für die Hook zuständig. Der Song bringt Sommerfeeling in den Winter und versetzt direkt an den Balkan. Nett anzuhören, aber ohne großen Wiedererkennungswert.

 

8. Lionel (Ahmad Amin)

Ahmad Amin ist wohl einer der vielversprechendsten Newcomer dieses Jahres. Er rappt über Fame und Statussymbole, aber auch über Familie und persönliche Werte. Musikalisch und vor allem raptechnisch herausragend, ist der Track einer der besten des Samplers. Mit seinen französischen Vibes und dem schnellen Tempo erinnert er dabei auch an die Songs „Vendetta“ oder „Fratello“ seines Label-Chefs RAF Camora. Ahmad wird hoffentlich noch seinen ganz eigenen Stil finden.

 

9. Schlafen (Ufo361, Bausa)

Das Ende einer gechillten Nacht, kurz vorm Schlafengehen: Hier ist der Titel Programm. Der Beat in Kombination mit Ufos Stimme ist der perfekte Einschlafsong, im positiven Sinne. The Cratez schaffen es, die beschriebene Atmosphäre direkt zum Hörer zu transportieren. Bausa und Ufo liefern wie gewohnt ab.

 

10. Payback – (Miwata)

Er könnte das Kind Ufos und Bausas sein, zumindest auf diesem Song. Miwatas Stimme auf einen chilligen Beat lädt fast schon zum Träumen ein. Reggae-Einflüsse findet man hier nicht, der Künstler zeigt mal eine etwas andere musikalische Seite.

 

11. Fiesta (Dardan)

Eine Hymne an eine Frau darf natürlich auch nicht fehlen und die liefert Dardan. Melodisch nach „Alte Wände“ und „Hadje Brate“ der dritte ähnlich klingende Song des Samplers. Dardan hat zwar schon so einige erfolgreiche Songs über Frauen vorzuweisen, dieser ist textlich jedoch wenig abwechslungsreich. Und nach elf Tracks hat man sich an dem Sound langsam sattgehört.

 

12. Abendrot (Tarek K.I.Z)

Dass Tarek K.I.Z auf „Nonstop“ vertreten ist, war eine positive Überraschung, hat er doch mit seinem Solo-Debütalbum „Golem“ gerade erst richtig abgeliefert. Die Hook und der Beat kommen im Gegensatz zur typischen Deutschrap-Manier geradezu handzahm daher. Mit den Lyrics in den Parts gibt Tarek einen enormen Einblick in seine persönlichsten Gedanken; spricht von Depressionen und der oberflächlichen Gesellschaft voller Geld und Schönheits-OPs. Hier lassen The Cratez mit einem zurückhaltenden Sound vor allem dem Text Raum. 

 

13. Jackycolakokain (Bozza)

Wie der Name schon sagt, handeln die Lyrics des Songs wie üblich von Drogen, Alkohol und Geld. Der Sound ist chillig und eindringlich zugleich. Seine Stimme hat etwas Besonderes und gibt der Hook das, was sie braucht. Geile Vocals auf einem nicen Beat. Bozza hat definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient.

 

14. Skifahren (Bausa, Maxwell, Joshi Mizu)

Mit Bausa, Maxwell und Joshi Mizu bringen The Cratez auf dieser upbeat-Nummer sogar drei Künstler zusammen, die gute Laune versprühen. Die Hook ist einprägsam, die Parts ballern. Die Lyrics folgen mal wieder dem typischen Konzept „Drogen und Frauen“. Inhaltlich nichts neues, trotzdem ein Ohrwurm mit Wiedererkennungswert.

 

 

Fazit:  

Wie man es von The Cratez gewohnt ist, sind alle Songs von vorne bis hinten durchproduziert und haben Bomben-Beats. Das Album durchzuhören, ist von musikalischer Seite aus Genuss für die Ohren. Auch die Auswahl der Künstler überzeugt. Die an der Spitze der Charts stehenden Hip-Hop-Acts liefern wie gewohnt ab. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass auch außerhalb der Hip-Hop-Szene noch nicht allzu bekannte und etablierte Rapper auf dem Album vertreten sind. Und die überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie. The Cratez schaffen es immer wieder, einen individuellen Sound für jeden Künstler zu kreieren, ohne dabei die eigene Handschrift aus den Augen zu verlieren. Die Bandbreite von eher melancholischen Songs bis hin zu fetten Nummern ist ebenfalls abgedeckt. Ein Kritikpunkt bleibt allerdings: Das wäre DIE Chance für die Produzenten gewesen, sich auszutoben. Mit zum Beispiel „Nichts als Nichts“ auf RAF Camoras „Zenit“ bewiesen The Cratez, dass sie auch anders können. Musikalische Experimente abseits des Mainstreams wären drin gewesen, wurden jedoch nicht umgesetzt. Stattdessen wählte man den sicheren Weg mit gut klingenden, aber zum Teil doch ähnlichen und wenig experimentellen Tracks. 7/10

 

 

 

 

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