Album der Woche: Ssio – “Messios”

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Dafür bespricht unsere Autorin Kira diese Woche Ssios neues Album “Messios”.

Künstler: Ssio
Titel: Messios
Features: –
Produzenten: Reaf, Maestro, Peter Fox, Ssio
Releasedate: 06.12.2019
Label: Alles oder Nix Records

 

Kiras Erwartungshaltung:

Beim Autofahren, auf Partys oder auch einfach beim entspannten Abend zuhause hat “B.U.M.SS.N” damals in 2013 eine durchaus heiße Zeit meines Deutschrapkonsums geprägt und war ständiger Begleiter. Die innovativen, sehr humorvollen Texte gestreckt mit dem AON Sound haben vorallem auch durch den Boombap viel Anklang bei mir gefunden. Drei Jahre später kam “0,9” und hat unter anderem mit dem gleichnamigen Hit extrem gut angeschlossen und konnte meine Vorfreude auf zukünftige Alben definitiv aufrecht halten. Nun ist 2019, es sind wieder drei Jahre vergangen und nach der mehrfach verschobenen Tour ist es endlich so weit: “Messios” ist am 06. Dezember erschienen. Die Singles “Hash, Hash”, “Testo E”, “Ibis Hotel” und “HULI” haben schonmal verraten: Der AON Sound iz da und hat sich “angepasst”, bzw. ist moderner geworden und wird auch bei seiner dritten Platte nicht langweilig. Ansonsten freue ich mich auf viele, dumme (lustige) Lines und viel Asozialität eingebettet in heftigen Beats.

 

1. Hash, Hash

Als ich den Teaser zur ersten Auskopplung gesehen habe, war ich auf der Arbeit und konnte nur die ersten paar Sekunden vom Beat hören. Habe danach sofort Pause gemacht, um mir den kompletten Song anzuhören. Mehrere Male. Hat mich, der Song. Starkes Intro und starke erste Single, die schonmal gut vorlegt. Xatar in der Hook ist hier übrigens das einzige “Feature”, was auf der Platte zu erwarten ist, was mich ein wenig überrascht.

 

2. Testo E

Zweiter Track, zweite Singleauskopplung, aber erste “Nuttööö”-Referenz! Und mit genau der gleichen Energie von “Hash, Hash” geht die Platte weiter. Der Song geht gut nach vorne, kriegt mich aber inhaltlich nicht so ganz wie die erste Single. Hier hätte ich gern einen Featurepart gehört, ist aber Meckern auf hohem Niveau.

 

3. HULI

Dieser Track ist typischer Alles oder Nix-Sound, also geil. Viele Lines sind mir hängenblieben. “Du bist ein labiler Pisser und kriegst ein’n Schlag wie ein Batista, Streichel’ deine Mami am Kitzler mit meinem Adidas-Slipper Nuttö, jetzt wird die Rap-Szene gefickt bis man Rapper nur noch kennt, weil es Netflix-Serien gibt” ist eine davon, die ich sehr feier. Die Hook ist ein Ohrwum des Todes und auch die “Na, na, na, na, na”-Stelle unterstreicht so schön den Humor.

 

4. Jabi

“Jabi” ist der erste – sagen wir – anstrengende Track. Geht natürlich aber auch einher mit der Ironie des Inhalts und das wiederrum sehr gut. Läuft nicht bei mir im Player, der Song hat aber seine Daseinberechtigung. Ich habibe mich natürbilich auf einen Bi-Sprabiche-Track gefreut, abiber nicht so.

 

5. Warum lügst du?

… ist ein Hit und bisher mein Liegblingstrack. Heftig catchy Hook mit sehr vielen guten Lines und dazu übrigens auch einem großartigem Video. Ssio ist genau wegen solcher Tracks einer der wenigen männlichen Rapper, die ich gerne über (oder für?) Frauen rappen höre.

 

6. Hochzeitskorso

Gefühlt ist das der immer gleiche Beat auf den Ssio in seinen vergangenen sechs Jahren rappt, aber ohne langweilig zu werden. Wird bei diesem Track wieder deutlich. Gut umgesetzt ist der Track aber in jedem Sinne, auch die Gesangshooks sind einfach passend zum Sound, zur Stimmung und glänzen neben Ssios Parts. Ich hab Bock auf’n Hochzeitskorso!

 

7. Shishabar Hit

Ich liebe ja diese krassen Übertreibungen. Der “Shishabar Hit” ist auf jeden Fall mein zweiter Lieblingstrack. Frage mich, ob Xatar sich manchmal auch ein bisschen gefrontet fühlt. Auch die Funksprüche später unterstreichen schön den billigen (guten) Humor. Zum Track passt auch gut ein Zitat von Jens Jeremies: “Das ist Schnee von morgen.”

 

8. Ibis Hotel

Hier hört man sehr schön die Asozialität, die ich bereits angesprochen und für gut befunden habe. Auch hier bin ich mir nicht sicher, ob der Track über oder für Frauen ist, ich hör ihn auf jeden Fall gerne. Auch die Asozialität ist hier schön eingebettet in einem Ohrwurm-Beat und catchy Hook. Was soll man dagegen bitte sagen?

 

9. Zizzis

Das ist der erste Track, der aus dem AON-Sound rausfällt. Sehr wahrscheinlich auch weil Peter Fox mitproduziert hat. Kam für mich überraschend, klingt aber trotzdem nicht fremd und gefällt mir. Stelle mir die Zusammenarbeit irgendwie cool vor. Textlich viel wahres dran und allgemein zeigt der Track wieder deutlich, dass Ssio sich über alle stellt. Zurecht.

 

10. An alle Lutschpastillen

“Kein Fiji-Wasser, Fiji-Wasser, Fiji-Wasser, nur Leitungswasser, Leitungswasser, Leitungswasser” – fühle ich. Der Track erdet den eben gerade noch “Ich bin der Beste”-Rapper und bringt nochmal ein bisschen Realness. Und auch, neben den ganzen Tannenbusch-Referenzen generell auf der Platte, nochmal einen guten Eindruck in seine Hood.

 

11. 1 min

Nach der dann doch etwas realeren Nummer gerade, jetzt wieder die volle Drönung Ssio-Humor. Und wieder der nächste Hit. Die diversen Gespräche versetzen einen auch noch einmal zurück in die alten Alben und ich finds schön, dass auch hier wieder ein bisschen Platz für sehr authentische Gespräche gelassen wird mit wirklich seeehr viel Identifikationsprotential!

 

12. Von Mio zu Ssio

Jetzt wissen wir warum Ssio die vorherigen Hooks von anderen singen lässt, heißt aber nicht, dass er es nicht auch könnte. Zum Ende hin gibt’s hiermit nochmal einen Banger mit Sneak-Disses und geerdeter Abgehobenheit. Mag ich.

 

13. Übertreib nicht deine Roli

 

Die Sneak-Disses, die sich in leichterer Form über die ganze Platte gezogen haben, kommen jetzt noch einmal in gaballter Form eines Tracks zum “entspannten Ausklingen lassen” am Ende von “Messios”. Wir hören ordentlich viel (wahre) Szenekritik, die dem Album nochmal kurz einen Stempel aufdrückt, den ich im Fazit nochmal genauer erläutern werde.

 

Fazit:

Ein sehr gutes Album und ein würdiger Nachfolger für “BB.U.M.SS.N” und “0,9”. Ssio und seine Produzenten haben zeitgemäß den guten, humorvollen Rap einfach mit einer Selbstverständlichkeit – die man ehrlicherweise auch erwartet hat – direkt neben den aktuell etwas anderen Trend-Sound gestellt. In Sachen Asozialität wurde ich nicht enttäuscht und bei jedem einzelnen Track sind Schmunzler dabei, wie man es bei Ssio erwartet. Die Peter Fox-Produktion “Zizzis” fällt zwar ein wenig raus was das Soundbild angeht, tut dem Album aber überhaupt nichts ab und zeigt, dass Ssio auch in anderen Produktionen, abseits von Reaf, immer noch Ssio ist. Das Album hat mit insgesamt 13 Tracks eigentlich eine perfekten Länge, zieht sich zum Schluss aber etwas. Auch wenn sie mir nur wirklich selten explizit gefehlt haben, hätte ein Feature dem ein oder anderen Track vielleicht aber auch gut getan. Nichtsdestotrotz ist Ssio einer der wenigen Rapper, denen ich gerne zuhöre, wenn sie über – oder für – Frauen rappen. Deswegen Humor 10/10,  Album: 8/10.

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1 Comment

  1. DeutschrapFranz

    13. Januar 2020 at 14:32

    Shishabar Hit ist mein persönlicher Lieblingstrack von diesem Album. Danach kommt Hash Hash. Messios von SSIO ist aber allgemein einfach überkrass.

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