Album der Woche: Lgoony – “Frost Forever”

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Diese Woche bespricht unser Autor Simon das fünfte Solo-Tape von LGoony – “Frost Forever”. 

Künstler: Lgoony
Titel: Frost Forever
Features: Money Boy, Young Kira, Juicy Gay
Produzenten: Lgoony, Sott, Mary, Asadjohn, Yung Isvvc, Young Kira, Prosp3ct, 
Label: Lichtgang

 

Simons Erwartungshaltung:

Ich muss gestehen, ein echter Lgoony-Ultra bin ich nicht. Ich verfolge ihn nicht seit Tag eins. Habe seine Releases der letzten Jahre aber mit Spannung wahrgenommen. Lgoony war für mich immer eine kritische Stimme. Jemand, der genau sagt, was ihm an der Gesellschaft oder der hiesigen Rapszene nicht passt, ohne dabei selbst in die Fettnäpfchen zu treten. Gleichzeitig war er immer jemand, der sich am momentanen Zeitgeist bewegt, häufig auch für seine Musik belächelt wird, aber immer genau das macht, worauf er Bock hat. Auf der anderen Seite steht er auch einfach für einen sehr starken Live-Act. So viel Wucht seine Songs auch haben, auf einem Lgoony Konzert knallen die Songs doppelt so hart. Von dem Tape erwarte ich daher vor allem, dass Lgoony weiterhin seine Meinung sagt; dass er sagt, was ihm nicht passt und ordentlich zeigt, wie man es besser machen kann.

1. „Demo“

Direkt die erste Single, die erschienen ist. Auf einem hart wummernden Beat von Sott macht Lgoony hier klar, dass seine Stellung in der Szene noch längst nicht feststeht. Bisher war sozusagen die Testphase. Wenn man bedenkt, was Lgoony in seiner bisherigen Karriere innerhalb der Szene schon alles bewegt hat, ist das eine interessante und vor allem gewagte Aussage. Allerdings hat er es auch schon mehr als einmal geschafft, noch einen draufzusetzen. Es ist aber vor allem auch eine Ansage zu dem, was uns vielleicht noch im Laufe des Tapes erwarten wird.

 

2. „Allein gegen Alle“

Kam auch bereits als Single, und ist einer der stärksten Songs, die Lgoony bisher gemacht hat. Hier stimmt einfach alles. Mit dem richtigen Maß an Aggressivität zeigt er, wo der Hammer hängt. Er macht klar, dass ihm niemand in seine Kunst reinreden darf und lässt sich ordentlich an Industrie und Medien aus. Zusammen mit der gekonnt eingesetzten Kopfstimme in der Hook ist „Allein gegen Alle“ die perfekte Mischung aus Ansage, Banger und Hit.

 

3. „Rihanna“

„Rihanna“ wirft die Frage auf, ob Rihanna wirklich besser ist, als Mark Forster? Ihr Impact ist natürlich um einiges Größer und sicher auch ihre Kredibilität. Im Großen und Ganzen handelt es sich hier aber um zwei Popstars, die vor allem eins mit nach Hause bringen: Geld. Musikalisch ist der Track super gemacht. Lgonny gibt einige seine hauseigenen Adlibs zum Besten, spielt mit Anspielungen auf Songs der Pop-Queen herum und hat damit alles in allem einen sehr catchigen Song gemacht. Die Thematik ist allerdings sehr schwach. Der Vergleich zu Rihanna ist ein witziger Joke, aber genau das Gegenteil davon, was Lgoony eigentlich ist: Ein neureicher Popstar. Vielleicht ist er hier auch einfach nur stark ironisch. 

 

 4. „Audemars“

Da ist sie. Die vorläufige Bewahrheitung dessen, was sich in „Rihanna“ angekündigt hat. Ein Song, der im Wesentlichen Drip und Geld behandelt. Das hat Lgoony natürlich schon immer thematisiert. Spätestens beim Ansehen des Videos ist auch klar, dass er nun komplett die Ironie-Schiene fährt und sich über solche Songs lustig macht. Das ist es dann aber leider auch: Ein Song, der sich lustig macht. Der im ersten Moment sehr witzig, aber nicht von großer Dauer ist. Der Beat von Mary passt wie angegossen. Schade also, dass Lgoony hier eher witzig ist, als noch mehr Finesse reinzubringen.

 

6. „Broke“ feat. Money Boy

Lgoony und seine ehemalige Inspirationsquelle – Glo Up Dinero Gang Mitglied und King of Swag – Money Boy treffen auf dem Song „Broke“ aufeinander. Die zwei Schlüsselfiguren des damals betitelten Cloudrap-Hypes sind wieder zusammen auf einem Track. Die Hook ist eingängig und trotzdem nicht langweilig. Wie in den vorherigen Kollabos der zwei Szenegrößen wird hier wieder ordentlich geflext und gezeigt, wer der Boss ist. Dabei besticht vor allem Money Boy mit starken Vergleichen zu Amirap und Basketball und der gewohnten Leichtigkeit seines Flows. Auch Lgoonys Part ist stabil, geht vorwärts und bezieht sich hauptsächlich auch die vorherigen Thematiken, die dann aber – vor allem in einem Song mit Money Boy – weniger fehl am Platz wirken, sondern eher ein Muss sind.

6. „Juni“

„Juni“ ist der einzige Song auf dem Mixtape, den Lgoony selbst produziert hat. Der Beat strahlt auch direkt einen ganz anderen Vibe aus, als die Vorgängersongs. Im Gegensatz zu den bisher eher harten Beats, geht es hier viel mehr um Frühlingsgefühle. Der Text ist wieder eher witzig als eine ernste Ansage und wirft einige Fragen auf: Warum ist Lgoony so glücklich? Warum kauft er sich einen Halloumi und warum kauft er ihn gerade jetzt? Der Mixtape-Charakter kommt hier auf jeden Fall zum Vorschein. So ganz schlüssig ist das nicht und ein Zusammenhang zu den vorherigen Song lässt sich auch nicht erkennen. Das ist natürlich völlig in Ordnung. Nach den Ansagen im Intro ist es aber merkwürdig, wie Lgoony von „Ich bring’ die Heat“ zu „Soße tropft, Eistee on the Rocks“ gekommen ist.

 

7. „Highlife“ feat. Young Kira

Lgoony ist ganz oben angekommen. Wobei, eigentlich war er da ja schon immer. Sein Part ist auch wirklich stark. Sowohl seine Vergleiche, als auch seine Adlibs. Allerdings erzählt er uns hier auch nichts Neues. Die Abwechslung auf dem Track kommt von Young Kira. Das Westghosts Mitglied und  Produzent von unter anderem Money Boy hat nicht nur den Beat gebaut, sondern gleich auch noch einen Part inklusive Bridge mitgeliefert. Starker Part. Starke Adlibs. Starker Song.

 

8. “1×1” feat. Juicy Gay

“1×1” ist dann wieder ein ziemlicher Stilbruch der vorherigen Tracks und bezieht sich inhaltlich eher auf die Ansagen der ersten Beiden. Lgoony ist am flexen – natürlich ein Kinderspiel für ihn – und präsentiert sich als der eigentliche Mittelpunkt des Hip-Hop-Kosmos, ohne den nichts laufen würde. Er liefert Anspielungen an alte Songs und macht sich mit Juicy Gay über Drake lustig. Mir persönlich hat der Song wieder sehr gut gefallen. Die Zwei verteilen Hiebe, ohne dass es erzwungen oder zu hochgestochen klingt.

 

9. „All in“

Der letzte Song des Tapes macht Lgoonys Standpunkt und vielleicht wichtigstes Merkmal noch einmal klar. Er geht „All in“. Lgoony lässt sich von niemandem etwas sagen. Er macht worauf er Bock hat und kümmert sich nicht darum, sollte es doch mal Verluste geben. Der Song spiegelt somit auch die Herangehensweise an das Tape wieder. Keine Zwänge. Einfach machen, worauf er Bock hat. Zum Ende gibt er uns nochmal mit, dass das nicht das Ende ist, er weiter Musik machen wird und bezieht sich damit wieder auf das Intro „Demo“.

 

Fazit:

Ich hab es schon mehrfach erwähnt: Lgoony lässt sich nicht reinreden. Er macht worauf er Bock hat. So auch hier. Ein Mixtape mit neun Songs scheint dafür auch wie geschaffen. Dennoch wird nicht klar, was Lgoony hiermit sagen oder erreichen wollte. Klar, das ist nicht das Ende und so weiter. Aber was ist es dann? Ein einfaches Geplänkel zwischendurch? So ganz wird hier nicht ganz klar, an welchen Stellen Lgoony jetzt scherzt und wo er es wirklich ernst meint. Die Mischung aus Mixtape- und Albumcharakter bringt eher Verwirrung mit sich, die daraus resultiert, dass ein roter Faden teils durchgezogen und dann wieder verworfen wird. Der Anfangs angekündigte Kampf gegen die Industrie bleibt aus und verliert sich im Verlauf des Tapes. Songs über Geld und Fame gehören natürlich seit Tag Eins zu Lgoony, langweilen allerdings, wenn sie auf fünf Songs gestreckt werden. Nach dem sehr starken Vorgängerprojekt „Lightcore“, eine für mich eher ernüchternde Fortsetzung, bei der man aber natürlich trotzdem nicht vergessen darf, Lgoony gibt keinen F***.

 

6/10

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