Album der Woche: Kasimir1441 – “Kickdown EP”

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Diese Woche geht es für unseren Autor Jan die Debüt-EP vom Berliner Newcomer Kasimir1441. 

Künstler: Kasimir1441
Titel: Kickdown
Features: Pashanim, Diloman
Produzenten: jaynbeats, Al Majeed, Angelcentral, Symtex, Basey, Bronko Bammer
Label: 1441/Chapter One 

Jans Erwartungshaltung:

Was erwartet man von einem jungen Künstler, der keine 20 Jahre alt ist und dessen bisherige Songs kaum länger als zwei Minuten dauern und nur so von Aggressivität und belanglosen bis streitbaren Texten strotzen? Naja, eigentlich genau das Gleiche nochmal.

Ich feier Kasimirs Attitüde, Stimme und Delivery, über die Texte braucht man aktuell nicht reden. Sie gehen meistens an mir vorbei, einige finde ich einfach scheiße. Aber man darf nicht vergessen, dass dieser junge Steglitzer noch keine 20 Jahre alt ist und sieht man von den Texten ab, ist Kasimir1441 ein sehr interessanter Rapper. Also auf geht’s, Kickdown!

 

1. Fixxer

Brachialer Einstieg mit geilem Beat und einem lauten und aggressiven Kasimir. Was man schnell merkt: Kasimir hat sich überhaupt nicht im Griff, betrinkt sich, dröhnt sich zu, wird aggressiv und macht dann Stress ohne Grund. Ab und an transportieren seine Kollegen von A nach B. So weit, so unspektakulär. Aber wie er es einem präsentiert, ist wirklich grandios. Schreien mit Style (wenn man es denn mag). Zeilen wie „Ich glaub’ an erster Stelle, wär es besser für mich / Ich krieg’ keine Kinder, weil ich hab’ mich selbst nicht im Griff“ zeigen mir, dass er sich durchaus im Klaren ist, dass er ein sehr wildes Leben lebt. Ein Stück weit reflektiert läuft er also schon durch die Welt.

2. Jhit

Zeilen wie „Ich hab ne Bitch, die kurz lutscht und dann geht“ finde ich scheiße und fehl am Platz. Aber ich bin auch schon ein Stück älter und ich denke, Kasimir wird in einigen Jahren auch anders über solche Lines denken. Sieht man davon ab, ist das wieder eine laute und aggressive Song-Skizze. Es wirkt alles sehr raw, gerade wenn man sich den wirklich faden Part anschaut. Aber wenn man den Song hört, passt es wieder einigermaßen. Kasimir lässt seinen Emotionen freien Lauf. Was er rappt, scheint wohl seinen Alltag abzubilden. Wenn es aktuell nicht mehr gibt als Drogen, Suff und Pöbeleien, dann ist das so. Das kann man langweilig bis scheiße finden, muss man aber nicht. „Fixxer“ hat mir aber auf jeden Fall besser gefallen als „Jhit“.

3. Hentai (feat. Pashanim)

Bei der Kollabo steigt die Erwartungshaltung natürlich relativ schnell. Doch der Track, oder wie ich es besser beschreiben würde, die Song-Skizze plätschert relativ schnell an mir vorbei. Kasimir und Pasha klären sich Mädels, Kasimir würde mit „ner Asia Bitch auch nen Hentai machen“. Was ich von so einer Line halte, könnt ihr euch denken. Neben dem Frauen klären sprechen die beiden über ihren Impact in der Szene. Das gefällt mir schon deutlich besser, der Beat ist wieder mal geil wie düster. Schade eigentlich, da wäre mehr drin gewesen. Generell kommen die Songs bisher nicht so wirklich über Skizzen hinaus, aber auch das ist kein brandneues Phänomen bei Kasimir. Die Frage ist, ob man so nachhaltig Eindruck hinterlassen kann.

4. Tek Tek

Die Flöte killt mich einfach, viel zu nice. Bisher der beste Song der EP, da die Symbiose aus Trap-Beat und Kasimirs aggressiver Attitüde für mich hier am besten zur Geltung kommt.

5. 5ramm

Tatsächlich der erste Song auf dieser EP mit zwei Parts! Der Beat ist super und schon wieder catcht mich die Delivery. Es ist wirklich DAS Alleinstellungsmerkmal Kasimirs. Ich kenne keinen, der so rappt wie der junge Berliner. Von keinem Rapper lass ich mich so gerne anschreien wie von Kasimir.

6. Sosa (feat. Diloman)

Absoluter Skip-Track. Die Hook erinnert mich an die Art von deutschem Straßenrap, den ich nicht mehr hören möchte. Das Kokain gestreckt “so wie Sosa” hat gefühlt schon jeder Rapper. Ein Glück wurden keine Fußballernamen gedroppt. Auch hier ist wieder die eine oder andere Line, die kein schönes Bild von Kasimirs Frauenbild zeichnen. Hoffentlich liegt es am Koka, dass er vom Esstisch weggezogen hat und nicht generell an seinem Mindset gegenüber Frauen. Auch dieser Song wächst nicht über eine Skizze hinaus…

7. Kickdown

Das Intro des Songs fässt Kasimir als Künstler eigentlich ziemlich gut zusammen. Er wirkt wie ein Kind, nimmt allerdings haufenweise Drogen, die ihn durchdrehen und schreien lassen und er vergnügt sich mit Frauen. Ich will mich eigentlich nicht wiederholen. Inhaltlich geht das alles zu 90 % an mir vorbei, aber dieser Song zeigt, wie viel Rap-Skill und Talent in diesem Jungen schlummern. Das ist wirklich sehr krass geflowt und gepaart mit der aggressiven Delivery wirklich einzigartig. “Kickdown” und „Tek Tek“ sind für mich mit Abstand die besten zwei Songs auf der EP.

 

Fazit:
Irgendwie ist Kasimirs Musik für mich ein innerer Konflikt. Bei jedem Song haben mir ein bis zwei Zeilen den Song ein wenig kaputt gemacht. Aber Flows, Delivery und Attitüde hauen es für mich immer wieder raus. Und Kasimir genießt, zumindest bei mir, noch ein wenig Welpenschutz. Dass er großes Potenzial hat, ist für mich unbestreitbar.

Trotzdem plätschert die EP als ganzes Projekt einigermaßen an mir vorbei. Das liegt daran, dass kaum ein Song über eine Skizze herauskommt. Die Tracks wirken alle sehr schnell produziert, das macht es zwar sehr roh, was seinen gewissen Charme hat, aber auch sehr austauschbar. Auf Dauer muss da mehr kommen, aber das Potenzial ist ja vorhanden.

Wenn diese Songskizzen als Singles gedroppt wären, würde ich sie wohl auch automatisch ein wenig anders bewerten als auf einem zusammenhängenden Projekt. Vielleicht sind meine Erwartungen aktuell einfach noch zu hoch an einen jungen Berliner, der selbst von sich sagt, sich nicht im Griff zu haben. Kriegt er sich aber ein wenig mehr in den Griff, dann wird das schon. 6

The following two tabs change content below.
Ich kann quasi nur über Musik reden...

1 Comment

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.