Album der Woche: Johnny Rakete – „Trauriger Junge mit Rauch in der Lunge“

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Als letztes Release im Juni nahm sich unser Autor Daniel Johnny Raketes Debütalbum „Trauriger Junge mit Rauch in der Lunge“ vor.

Artists: Johnny Rakete 
Titel: Trauriger Junge mit Rauch in der Lunge
Features: –
Produzenten: Hawk One
Label: Okwow
Release: 04.10.2019

Jonas‘  Erwartung; 

Nach fünf EPs freu ich mich auf den ersten Longplayer von Johnny Rakete. Produziert von Hawk One, erwarte ich mir ein Kopfnicker-Album mit leicht melancholischem Vibe und chilliger Atmosphäre, die von grünem Rauch umhüllt wird. Die einzige Singleauskopplung „1 oder 10“ entspricht schon genau dieser Vorstellung. Ich hoffe, dass sich dieser Vibe über das ganze Album hinweg erstreckt. Außerdem bin ich gespannt, ob sich seine Liebe zu Anime in den Texten widerspiegelt. 

1. 60 Leben 

 

Mit diesem Intro gibt uns der Künstler einen selbstreflektierten Blick in sein derzeitiges Leben und seiner Gefühlslage. Schon mit dem ersten Song regt Johnny zum nachdenken an und es verspricht ein Album mit düsterer Atmosphäre zu werden. 

2. Wenn Katzen streiten 

Die düstere und melancholische Stimmung bleibt bestehen. Das Thema Depression ist großer Bestandteil dieser Nummer und es erinnert mich teilweise an Lance Butters. Der Fürther Rapper führt uns noch mehr in sein Inneres und gibt uns einen intimen Einblick in seine Psyche, die von Selbstzweifel und Sorgen umgeben ist. 

3. Seit Schumi weg ist 

Jetzt verlassen wir die Psyche des Interpreten und kommen zu einem anderen Thema: Deutschrap. Johnny Rakete übt Kritik an Sellout, fehlender Realness und Rappern, „die keine MCs mehr sind“, sondern ihre Musik den Charts anpassen, um erfolgreich zu werden. Neben dieser Kritik zeigt der Battlerapper Kampfgeist und den Willen, gegen den Mainstream anzukämpfen. 

4. 1 oder 10 

Kurz vor der Halbzeit des Albums zeigt sich Johnny Rakete von seiner wohl bekanntesten Seite. Eine Hymne an die Cannabis Pflanze, die mit chilligem Beat untermalen wird und ein bisschen Leichtigkeit in die thematisch schwere LP bringt. 

5. Pech & Schwefel 

In der zweiten Hälfte angekommen, werden die inneren Dämonen des Künstlers vorgestellt. Weiterhin begleitet von einem melancholischen Beat erzählt Johnny von Gesprächen mit seinen täglichen Begleitern „Pech und Schwefel“ und wie er mit diesen Dämonen umgeht. 

6. Fancy 

Dieser Track kam für mich unerwartet, weil es sich um ein Liebeslied handelt. Obwohl solche Songs oft kitschig und unangenehm werden können, wird hier eine ehrliche und nachvollziehbare Geschichte erzählt, ohne Kitsch und Fremdscham. 

7. Einbahnstrasse 

Nach einem kurzen Ausflug in die Liebe kehren wir zurück in die Melancholie und Depression. In dieser Nummer werden Zukunfts- und Existenzängste geteilt und geben noch mehr Einblicke in die Gefühlswelt des Interpreten. 

8. Manchmal Pt. II 

„Aus Fehlern lernt man, doch aus Narben wird man schlau!“ Auf hypnotisierenden Beat gibt Johnny Rakete bei diesem Track eine Art Philosophie-Vorlesung. Durch intelligente Lyrik teilt der Rapper seine Lebensweisheiten mit deiner Hörerschaft. 

9. Restgeld 

Im Outro des Albums schwenkt der Künstler die Hip-Hop-Fahne. Er erzählt von seiner Liebe zu Freestyle-Cyphers, zu Graffiti, und zur gesamten Kultur. Ein gelungener Abschluss für sein Debutalbum. 

Fazit: 

Für mich sind Hawk One und Johnny Rakete ein Traum-Duo. Das Album hat mich durch die melancholische Atmosphäre und den selbstreflektierenden Texten in einen Trance-artigen Zustand versetzt. Der rote Faden geht durch die ganze LP und ist ein rundes Ding. Ein sehr gelungenes Debutalbum, das Lust auf ein weiteres macht! 8 Punkte

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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