Album der Woche: Hanybal – „Fleisch“

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Als letztes Release im Juni nahm sich unser Autor Daniel Hanybals drittes Album „Fleisch“ vor.

Artists: Hanybal
Titel: Fleisch
Features: Celo & Abdi, Krime, Olexesh, Prodigy, Solo439, Soliana
Produzenten: Macloud, DJ Durak, Chryziz, Semibeatz, Maxe, KD-Beatz, Niza, Season, Jimmy Torrio, Abaz, Grasser Beats, Lucry, Sott, Gee Futuristic, Freshmaker, Johnny Illstrument, Joznez
Label: Azzlackz/Universal Urban
Release: 28.06.2019

 

Daniels Erwartungshaltung:

Die erste Auskopplung „Fleisch“ habe ich mittlerweile schon gefühlte 1000 Mal gehört. Was für eine geile Nummer! Ich bin Fan der Azzlacks und vor allem Hanybal gefällt mir mit seinem einzigartigen Flow und seiner Reimstruktur sehr gut. Er vereint Straße und Humor und wirkt authentisch. Er hat mich schon oft zum Lachen gebracht und ich erwarte mir einen Hany in Höchstform: Gute Punchlines, knallende Beats, ein bisschen Politik bzw. Sozialkritik und Kifferhymnen.

1. Kein Limit

 

Einen besseren Einstieg in dieses Album kann es glaube ich nicht geben. Der Beat ist düster und Hany rappt mit aggressivem Unterton über das Leben in der Siedlung, geprägt von Gewalt und Drogen. Ich glaube, dieser Track gibt einen guten Einblick, wie es thematisch weiter gehen wird.

2. Fleisch

Bei diesem Track spüre ich die Sozialkritik, die ich bei Rappern aus dem Hause Azzlack so schätze. Der Beat ballert und der Text wirkt durchdacht und regt an, über diese Thematik nachzudenken.

3. Kriminell

Die Handlung bleibt unverändert. Erzählungen aus den schwierigen Verhältnissen Frankfurts. Der Beat bleibt düster und erzeugt eine melancholische Stimmung. Dieser Track rundet meiner Meinung nach die ersten drei Tracks gut ab. Bislang gibt das Album eine klare Struktur vor.

4. Streetlife

Dieser Song war mir auch schon vor Albumrelease bekannt, weil es dazu auch ein Video gibt. Wir bewegen uns nach wie vor auf der Straße und hören auch das erste Feature. Krime überzeugt mich mit seiner Technik und er zeigt, wieso Celo & Abdi ihn bei ihrem Label unter Vertrag genommen haben. Schöner, knallender Straßen-Track.

5. Euros

Dies ist der bisher persönlichste Track auf dem Album. Zum Teil auch selbstreflektierend, erzählt er aus seinem Leben. Die Beats und die Texte haben bislang einen schönen roten Faden.

6. Geld fließt

Diese Nummer fällt ein bisschen aus der Reihe. Ein Trap-Beat mit Hany im Flex-Modus. Für meinen Geschmack passt diese Art zu rappen nicht zu Hany. Es wirkt mir zu hektisch. Der Feature-Part von Solo439 passt auf den Track.

7. Check

Hierzu gibt es ein gutes Video in Comic-Optik, das mir sehr gut gefällt. Auch die Hook blieb mir schon beim ersten Mal hören im Ohr und ist meine erhoffte Kifferhymne. Jetzt sind wir bei der Hälfte des Albums angelangt und ich bin bis jetzt bis auf einen Track sehr angetan.

8. Not Just Words

Auf den Feature-Track mit Prodigy war ich wirklich gespannt. Mobb Deep waren ein großer Teil meiner Jugend und der Tod von Prodigy hat mich schwer getroffen. Ami-Features sehe ich meistens skeptisch, weil sie sich oft keine Mühe geben. Hier war es nicht der Fall. Ein starker Part des New-Yorker Rappers und allgemein starke Nummer! R.I.P Prodigy

9. Regen

Obwohl sich Hanybal inhaltlich immer in derselben Bubble aufhält, schafft er es, die Spannung aufrecht zu halten und es nicht langweilig werden zu lassen. Die Produktion gefällt mir richtig gut und seine Betonungen sind außergewöhnlich – positiv gemeint.

10. Schleudern

Trotz des ernsten Themas habe ich hier mehrmals lachen müssen. Die Hook klingt lustig und unterhaltsam. Es war merklich schwer, über diesen Beat zu rappen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass Celo & Abdi an manchen Stellen ein bisschen überfordert waren und Schwierigkeiten hatten, den richtigen Flow zu finden.

11. Blutverschmiert

Ich finde immer mehr gefallen daran, wie experimentierfreudig Hany mit seiner Stimme in den Hooks ist. In diesem Fall nämlich besonders. Dieses Album ist keine Anreihung von Singles…

12. Illegal

Der erste Track, der mir nicht gefällt und nicht auf’s Album passt. Die Hook von Soliana Black klingt für meinen Geschmack zu sehr nach Pop, damit kann ich nichts anfangen. Der gute Feature-Part von Olexesh kann diese Hook für mich nicht retten. Schade!

13. Wie du willst

Da ist wieder der aggressive Hany auf einem Brett als Beat. In die Fresse Rap mit ökologischer Message: „Ja, wir tun was für den Klimawandel. Wir transportier’n nicht mehr aus Niederlande“.

14. Köpfe sind gefickt

Mit diesem Outro beendet Hanybal ein großartiges Album. Mit lyrischer Versiertheit und einem hauch Sozialkritik zieht der Frankfurter einen Schlussstrich mit einer Message an Politiker: „Sagt mir mal, wen ihr verarschen wollt, Politiker? Ihr macht uns zu ’nem Sklavenvolk und eure Taschen voll.“

 

Fazit:

Im Modus Mio Zeitalter tut so ein Album gut. Es ist keine Anreihung von Singles, sondern brilliert mit Inhalt, guten Reimen, rotem Faden und richtig guter Produktion. Mir gefällt Hanys Entwicklung und ich hoffe, er bleibt inhaltlich genau da, wo er jetzt steht. Dieses Album werde ich auch nach fünf Jahren noch gerne hören. „Fleisch“ wurde meinen Erwartungen mehr als gerecht gerecht und bis auf zwei Tracks, die meinen Geschmack nicht ganz getroffen haben, ist es eines meiner Lieblings-Alben des Jahres zurzeit. Ich hoffe, wir müssen auf sein nächstes Album nicht mehr so lange warten! 8 Punkte. 

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