Album der Woche: Genetikk – “Outta This World – Radioshow Vol. 1”

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Dafür bespricht unser Autor Daniel diese Woche Genetikks neues Album “Outta This World Radioshow Vol. 1”.

Künstler: Genetikk
Titel: Outta This World – Radio Show Vol. 1
Features: Manuellsen, DCVDNS, Tiavo, Yung Rvider, Sierra Kidd
Produzenten: Sikk
Releasedate: 29.11.2019
Label: Outta This World/Sony Music

 

Daniels  Erwartungshaltung:

Mal abgesehen von Alben, die jeder mitbekommen hat, wie Peter Fox’ “Stadtaffe” oder “The Eminem Show” war “Foetus” meine erste  “richtige” Rap-Platte. Mich als damals  Zwölfjährigen hat das so gecatched, obwohl ich wahrscheinlich grad mal die Hälfte verstanden haben, von dem was Karuzo gerappt hat. Nach “Voodoozirkus” und “DNA” hat mich die Crew aus Saarbücken musikalisch zumindest ein Stück weit verloren. Trotzdem fiel es mir immer schwer, objektiv (soweit man das bei Musik generell sagen kann) zu bleiben und nicht nur als großer Fan ranzugehen, deswegen bin ich bestimmt auch jetzt “vorbelastet”.   Auch letztes Jahr habe ich mich dann auf beide Alben “DNA 2” und “YALA”  wieder sehr gefreut, hatte auch Spaß beim Hören und bin, trotz Ansagen und Tweets, bei denen man nur die Augen verdrehen kann, wieder mehr Fan geworden. (Etwas Off-Topic, aber ganz allgemein glaube ich, dass  die Crew es sich um einiges leichter machen würde, wenn sie die Ansagen und Disslines von Social Media in ihre Musik packen.) Auf “Outta This World”, war ich dann wieder sehr gespannt, die Singles haben mich aber nur teilweise  begeistert. 

 

1. Greetings Earthlings

 Das Intro zeigt schon auf in welche Richtung es geht und mit welchem Image, bzw. welcher Atmosphäre man auf dem Album rechnen kann. Nach “Weltraum-Sounds”, Songschnipseln und Werbung für irgendeine Alien-Nahrung gibt es die Ansage: “You are now listening to episode one of the OuttaThisWorld Radio Show. (…) If you are human, please change the channel to a more earthling friendly show.”   

 

2. Nicht fürs Radio

Der erste Song war gleichzeitig auch die letzte und die meiner Meinung nach stärkste Single. Man merkt wie abgefuckt die Crew über die Szene ist, die Verarbeitung und das Sticheln in der Musik gefällt mir aber so viel besser als wütende Tweets. Punchlines, Kappas Flow, eine Hook, die im Ohr bleibt, und vor allem die Atmosphäre rufen einfach ein ähnliches Gefühl hervor, wie das, was ich vor fast 10 Jahren hatte.  Damit ist “Nicht fürs Radio” für mich sogar einer der besten Genetikk-Songs der letzten Jahre. 

 

3. Masters vom Mars

Die Hook vom zweiten Song wurde schon etwas vor Release auf Instagram von Kappa mit dem Beat leise im Hintergrund vorgerappt. Ganz gecatched hat er mich damit ehrlich gesagt nicht.  Als Single mit Video und in guter Studioqualität sieht es schon anders aus. Die Drums am Anfang in Verbindung mit dem Rapstil erinnern mich krass an “DNA”, auch die Hook kommt in der Version mit den Steichersample im Hintergrund um einiges mächtiger rüber. Ein stabiler Albumtrack, der Lust auf die nächsten neun Songs macht.

 

4. E.T.

Bei “E.T.” ist, wie es der Name schon verrät, das Alien-Außenseiter-Image noch präsenter als bei den bisherigen Songs. Immer wieder stimmige und starke Zeilen, teilweise auch eher plumb und einfach. Finde, dass der Beat sehr passend zu dem ganzen Weltraum und “Nach-Hause-Telefonieren” ist und außerdem auch gut mit der Stimme harmoniert. Allgemein liefert Genetikk-Produzent Sikk bisher auf sehr hohem Niveau ab.  

 

5. Chop Suey

Die erste Single von “Outta This World”. Nach der Verschiebung von “MDNA”, der Ankündigung von “Outta This World” und mehreren Ansagen über Social Media hatte ich relativ hohe Erwartungen, die leider nicht ganz erfüllt wurden. Liegt allerdings auch daran, dass ich mit der Asia-Ästhetik und dem asiatisch angehauchtem Sound nie so wirklich viel anfangen konnte. Auf dem Album fügt sich der Song aber ganz okay ein und ab jetzt sind auch alle vorher releasten Songs durch und es kommen nur noch neue Songs. 

 

6. Alienmade

Bisher ist die größte Stärke des Albums die Atmosphäre und das wiederbelebte Alien-Image.  Mit der Nachrichten-Sprecherin im Intro und im Interlude wird das bei „Alienmade“ weiter stimmig durchgezogen. Auch der Text geht, abgesehen von Disses gegen die Szene, in die Richtung Image und Representer. OTW-Signing Yung Rvider ist der erste Featuregast und liefert einen für ihn typischen Part: Autotune nach Atlanta-Vorbild mit vielen Anglizismen, inhaltlich geht’s um Hoes und Cash. 

 

7. Phone Home 

Auf “Phone Home” gibt’s gleich das nächste Feature. DCVDNS, der ebenfalls aus dem Saarland kommt,  liefert den zweiten Part. Ist wohl der erste Track, den ich beim Wiederhören skippen würde, werde mit der Hook und dem Verse von DCVDNS nicht so richtig warm  – obwohl der Beat gut nach vorne geht und mich der erste Part, vor allem wegen der Betonung und der Art wie Kappa über den Beat rappt schon an das “frühere” Genetikk erinnert. 

 

8. Alle meine Leute

“Die Scheiße ist mein Leben und kein Hobby, Hobby” – Ist für mich die wahrscheinlich bisher beste Zeile des Albums. Nach dem “Wake Up”-Remix (Was ist eigentlich mit dem “Yala”-Re-Release?) ist “Alle meine Leute” das zweite Feature mit Manuellsen, der hier einen seiner stärkeren Parts in der letzten Zeit bringt. Mag es wie der Beat, der vor allem aus Sirenen besteht, direkten Bezug zum gesprochenem Intro und dem Inhalt hat. Ganz allgemein muss man Genetikk und vor allem Sikk Probs für den eigenständigen Sound und die Produktion geben. 

 

9. Manna vom Himmel

Nach der angekündigten Rückkehr auf die Erde in “Alle meine Leute” kommen die MCiasse nun auf die Erde. (Manna war in der Bibel das sogenannten Himmelbrot, das den Israeliten während ihrer 40 jährigen Reise durch die Wüste als Nahrung diente.) Habe ehrlich gesagt auch jetzt erst verstanden, dass es einen roten Faden im Album gibt. Nach Sheck Wes in Travis Scotts “No Bystanders” gibt es nun von Genetikk eine Hommage an “Tear da club up, n*gga, tear da club up” von Three 6 Mafia, die allerdings nicht ganz so wie das Vorbild knallt. Dafür gibt’s pure Energie in den Parts und der Hook und ein Sikk-typisches Outro. 

 

10. Space Funeral 

Obwohl oder vielleicht genau weil es etwas langsamer und nicht so angriffslustig zugeht, für mich der bisher beste Track des Albums. Die Hook geht gut ins Ohr, Kappa rappt über persönlichere Dinge und Lucy von Tiavo liefert einen der besten Parts des ganzen Albums: Es gibt Hommagen an sich selber (“Hörte Foetus im Schulbus”, “mein Grab, es ist aus Gold”), an den Song “Alles Möglich” (“Wasser fließt bergauf und die Blumen blühen ewig”) und mehrere Tracks von dem Neuzeitklassiker “DNA” (“Packets in den Boots”, “Champion” und “Representer”).

 

11. Flieg ins All

Das Feature mit Kidd war wahrscheinlich der Songs auf den ich im Vorfeld am meisten gespannt war. Die Gitarre am Anfang erinnert mich sofort an Lil Peep, etwas das mir auch immer wieder bei seinem Album “TFS” aufgefallen ist. Auf Instagram gab es schon ein Statement von Kidd, dass Part und die Hook schon etwas älter sind und er sich danach nicht mehr positiv über’s Kiffen äußern werde. Ich finde, dass die Parts neben Kidds Hook  etwas untergehen und man sich nach dem Song vor allem daran erinnert. Hat natürlich positive und negative Seiten. 

 

12. Frag Jeden

Auf die ersten Zeilen des letzten Trackshabe ich ehrlich gesagt gewartet. Nachdem diese als erste Hörprobe auf Instagram veröffentlicht wurden, hat sich meine Vorfreude auf “Outta This World” krass gesteigert. Und nach den ersten paar Lines geht es auf ähnlichem Niveau weiter. Für mich ist es inhaltlich der stärkste Track, Beat, Stimme und Atmosphäre passen wieder gut zusammen – mit “Frag jeden” liefern Kappa und Sikk meiner Meinung nach den besten Song des Albums.

 

Fazit:

Für mich hat “Outta This World” einen starken Anfang und ein sehr starkes Ende. Zwischendurch gibt es zwar immer wieder kleine Highlights,  an einigen Stellen wirkt aber der Inhalt, bzw. einzelne Zeilen oder auch ein Featurepart austauschbar. Allerdings besteht trotzdem ein klarer roter Faden und gleichzeitig funktioniert jeder Song auch einzeln. Wenn man sich auf Atmosphäre und Image einlässt, liefern Genetikk mit “Outta This World” ein stimmiges Gesamtprodukt, das die Alben aus den letzten Jahren übertrifft und eine kurzweilige, aber angenehme Abwechslung vom State of the Art bietet.  7/10

Erzähl Digger, erzähl

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