Album der Woche: BHZ – „Kiezromantik“

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Diese Woche bespricht unser Autor Jan das neue Bhz-Album „Kiezromantik“.

Künstler: BHZ
Titel: Kiezromantik
Features: –
Produzenten: Motb, Kazondabeat, Themba, Shirama, 5000, Monk  
Label: Bhz/Sony

 

Jans Erwartungshaltung:

Bhz sind coole Jungs, die ich mir ab und an geben kann. Obwohl die Mukke sich musikalisch oder textlich in den letzten Jahren jetzt nicht zwingend krass weiterentwickelt hat, macht der aktuelle Sound der Jungs aus Schöneberg immer noch Spaß. Die Single-Auskopplungen haben mir größtenteils gefallen, ob mich auf dem Album aber zwingend mehr erwartet als bei den Singles, bezweifle ich ein wenig…

1. Adam & Eva

Ja, man merkt schnell: Die Jungs nehmen viele Drogen. Aber es sind nun einmal ihre Lebensumstände. „Adam & Eva“ könnte Bhzs Aufstieg ins Deutschrap Paradies bezeichnen. Oder einfach nur, dass sich Dead Dawg, Ion Miles und Longus Mongus, welcher übrigens den besten Part rappt, Pilze gegönnt haben. Solider Opener, mehr aber auch nicht.

2. Wedding Cake

Der Beat schmeckt mir auf jeden Fall ein wenig besser als der Erste. Richtig Eindruck hinterlassen tut „Wedding Cake“ bei mir aber trotzdem nicht. Trotzdem sind die Parts von Monk und Big Pat gut gerappt, aber ich glaube, ich merke schon, was mir auf Albumlänge gegen den Strich gehen könnte: die Texte.

3. Muddy

Ein ziemlich leichter, seichter Sommerbeat, wo ich noch nicht sagen kann, ob er mir auf Dauer wirklich gefällt. Der Part von Longus Mongus gefällt mir richtig gut, generell für mich mit Abstand der beste Rapper und Künstler bei Bhz. Die eine oder andere lustige Line haut er schon raus. Aber auf Repeat hören muss ich den Song trotzdem nicht. Schlecht ist er aber keineswegs.

„Sie nennt mich Honey, denn ich habe einen im Tee“
„…aber ich mache heute ruhig, trink ein Kasten auf gechillt, schreibe Nachricht in die Group, es gibt immer wen, der hilft“

4. Flasche Luft

Wenn Longus Mongus die Hook macht, dann wird es ein guter Song. „Flasche Luft“ vibed mit einer richtig schönen Melancholie im Song, die durch die Melodie im Beat ermöglicht wird. Für mich mit Abstand der beste Song bisher, auch wenn er textlich null herausragt. Aber die Hook ist super catchy, der Beat geht nach vorn, behält dabei trotzdem einen Hauch von Straßenmelancholie und die Parts von Longus, Monk und Dead Dawg kann man sich gut geben.

5. Glück

Ja, das wird ja langsam! „Glück“ gefällt mir auch wieder richtig gut. Schöner, melodischer Beat und inhaltlich geht es mal nicht nur um Drogenkonsum, sondern auch ein wenig um Selbstreflexion, auch ein Hauch von Liebe ist mit von der Partie.

6. Bunny Hop

„Bunny Hop“ geht wieder deutlich mehr nach vorne. Song ist cool, nicht mehr, nicht weniger. Ich mag es, wenn Big Pat die Hooks macht, denn durch die Tiefe seiner Stimme verleiht das den Songs immer eine geile Roughness.

7. Federer

Auch ein ziemlich stabiles Brett. Bei diesem Song spürt man den Hunger von Bhz richtig gut, da steckt ordentlich Druck dahinter. Natürlich geht es inhaltlich wieder nur um Drogen und Markendropping, aber es ist einfach gut umgesetzt. Das darf man dann auch einfach mal anerkennen. Shoutout Roger Federer!

8. Bald ist es vorbei

Gefällt mir gut, gerade auch, weil hier ein wenig mehr gesungen wird und das für die Abwechslung sorgt, die ein Bhz album braucht. Die Hook von Longus find ich killa, Monk besingt seinen Verse sehr schön und Dead Dawgs Part – vor allem der Einstieg – ist auch sehr interessant.

9. Regen prasselt

Uff, Shoutout an 5000 für den Beat. „Butzbach, Erwachsenenvollzug…“; Für alle die es noch nicht gemerkt haben, hier wurde „Besuchstag“ von Celo & Abdi gesamplet. Allein deswegen ist der Song für mich schon geil, ich liebe „Besuchstag“. Der Beat trägt den Song für mich, auch weil die Parts nicht herausragen können. Aber ein guter Beat ist ja eh schon mindestens die halbe Miete.

10. Sticky oder L‘ers

Stabiles Brett, was man aber schon kannte. Cooler Beat, coole Hook, die Parts sitzen; Monk hinterlässt den größten Eindruck.

11. Catch and Shoot

Auch der Song ist cool, aber langsam langweile ich mich ein wenig beim Hören. Wie gesagt, die Jungs machen gefühlt wohl jeden Tag das gleiche und mich wundert es nicht, dass es dann auch in den Texten oftmals nicht um viel mehr geht. Aber trotzdem ist es nach einer halben Stunde schon ein wenig ermüdend. Aber vielleicht ist hier mein Anspruch an Bhz aktuell (noch) zu hoch.

12. Nelly

An dieser Stelle dicke Props an Longus Monugs Part, der Flow war einfach anders gut. Song ist auch cool, aber ich bin nach mehr als zehn Songs der Jungs langsam satt.

13. Hellblau

Schöner Albumausklang. Longus Mongus ist aktuell wirklich in Topform, auf jedem Song stiehlt er jedem die Show. Hoffentlich kommt da demnächst mal wieder ein Soloalbum von ihm!

14. Milka

Ein stimmiges Outro, was bei mir jetzt aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

 

Fazit:
„Kiezromantik“ ist ein unspektakuläres Album geworden, aber dennoch ein gutes. Die Jungs harmonieren sehr gut unter einander, haben gute Beats von guten Produzenten und machen ihr Ding. Es ist kein Album, was ich im Loop hören werde, aber das Release reiht sich nahtlos an die vorherigen an und wer Bhz vor dem Album gefeiert hat, wird die Jungs auch nach „Kiezromantik“ noch feiern. Ich frage mich halt nur, ob sie mit dieser Mucke auch noch in paar Jahren interessant genug für die Szene sind. 7

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