Album der Woche: Bausa – „Fieber“

Beim Album der Woche bespricht jeweils ein Mitglied der BACKSPIN Gang das nach unserem Ermessen spannendste neue Rap-Album. Komplett subjektiv, Track by Track und bewertet auf einer Skala von 1-10. Dafür hört unser Autor Joshua diese Woche die zweite LP von Bausa – „Fieber“.

Schnelle Fakten:

Artists: Bausa
Titel: Fieber
Features: Summer Cem, Dardan, Reezy
Produzenten: Bausa, Jugglerz, The Crater, Juh-Dee, Reezy, Mauli, David Hofmann, Brecht, Illthinker 
Label: Downbeat Records/Warner Music
Release: 20.06.2019

Joshuas Erwartungserhaltung:

Zu kaum einem Künstler, der sich in dieser kommerziellen Größenordnung bewegt, habe ich so ein ambivalentes Verhältnis wie zu Bausa. Da steht auf der einen Seite diese unverkennbare Whiskeystimme, mies ignorante öffentliche Auftritte im Versace-Bademantel und nicht zuletzt das großartige, deutlich unterschätzte Debütalbum „Dreifarbenhaus“. Auf der anderen Seite jedoch unangenehm-plumpe Songs, die der immer gleichen Formel folgen, um auch die ganzen Muttis der Fans abzuholen á la „Vagabund“. „I dumb down for my audience / and double my dollars“, um es mit Jay-Z zu sagen.

Wie dem auch sei, halte ich insgesamt große Stücke auf ihn. Ich habe die Vermutung bzw. den Wunsch, dass er an Alben anders herangeht als an Singles oder Mixtapes. Mal sehen, ob ich Recht behalte…

1. Intro (Radio)

 Ich mag es, wenn es auf Intros richtig zur Sache geht. Darum war ich erst nicht besonders begeistert. Bis ich verstanden habe, dass der Song als eine Art Prequel für den nächsten Song dient, was auf jeden Fall Sinn macht, wenn man „Nacht“ gehört hat.

2. Nacht

Das ist der Bausa, den ich hören will. Stimmeinsatz on point, thematisch genau das, was mir an seinem Debütalbum bereits so gefallen hat: aggressive Feierei und Hedonismus auf der einen, dunkle Motive und Nachdenklichkeit auf der anderen Seite.

3. Guadalaraja 

Hier wiederrum haben wir die andere oben beschriebene Seite von Bausa. Den Bausa, der kalkulierte Features macht und sich mir völlig unverständlich an einer Kultur bedient, in der er nichts verloren hat und in die er auch absolut nicht reinpasst. Skip!

4. Weiß noch nicht wie

Vereint alles, was ich an ihm schätze – musikalisch wie inhaltlich. Man möchte mitsingen und empfindet große Sympathie für Bausa, der frei nach Charles Bukowski eigentlich weiß, was zu tun wäre und doch auf so liebenswert-tragische Art und Weise immer wieder am Leben scheitert.

5. Mary

 Weder ein besonders kreatives Konzept, noch eine lyrische Glanzleistung. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass mich diese verdammte Bridge nicht seit Wochen als Ohrwurm verfolgt…Hit!

6. Licht

Ich finde es nicht optimal, dass hier ein Feature mit dabei ist. Auch wenn Dardans Part alles andere als schlecht ist, wäre ein zweiter Part von Bausa, der seine eigene Geschichte vertieft, in meinen Augen deutlich spannender gewesen.

PS: Die Anwalt-Line ist killer!

7. Lang her

Auf „Dreifarbenhaus“ spielte der Tod des Vaters auch schon eine Rolle. Da waren es mehr prägnante Lines, die einem im Hals stecken blieben (vgl. „Intro“). Jetzt verpackt Bausa das unschöne Thema in einem wirklichen schönen Song. Stelle ich mir live sehr bewegend vor.

8. Fieber

Reiht sich ein in „FML“ oder „Was Du Liebe Nennst“ – er kann es, er macht es gut, man kann es ihm nicht verübeln, die Kuh melken zu wollen. Aber wenn ich nach „Bausa“ in meinem Handy suche, dann eher nicht dafür…

9. Bundesland

…sondern dafür! Eine meiner Lieblingsnummern auf der Platte. Hervorzuheben ist auf jeden Fall das Instrumental. So viel verschiedene Musik in zweieinhalb Minuten gepackt, ohne wie eine überambitionierte Collage zu wirken. Und endlich hat einer verstanden, dass Bumerangs zurückkommen und nicht Frisbees – s/o Veyselund Bushido.

10. Regen

Produktion wieder 1A, textlich ist es mir zu billig für seine Verhältnisse…

11. Liebeslieder

Ähnlich wie bei „Regen“: Hört sich alles schön an, schön gesungen, textlich aber leider deutlich unter seinen Möglichkeiten. Die Hörer bloß nicht überfordern.

12. So laut

Hier werden sich die Geister scheiden. Kann verstehen, wenn man den Song als peinlich einstuft. Ich finde jedoch, Bausa kann mit seiner Stimme sogar solche Nummern bringen. Auch wenn ich mich aufgrund des weiteren Songverlaufs wirklich frage, welche Art von Soße er auf seinem Steak will…

13. Blauer Himmel

Nach dem wilden Turn-Up mit Reezy, leitet „Blauer Himmel“ wunderbar zum Outro hin und lenkt die Atmosphäre wieder weg vom Party-Bausa zum melancholischen Künstler-Bausa. Besonders die eingespielten Filmzitate verleihen dem Song richtig Tiefe.

14. Deine Augen

Schöner Abschluss des Albums. Und wieder ein Beweis mehr für meine These, dass Bausa in 20 Jahren mit einem Klavier auf der Bühne Stadien füllen könnte. Bin gespannt…

PS: Geht es hier vielleicht wieder um „Medusa“ aus „Dreifarbenhaus“?

Fazit:

Entgegen aller Horror-Szenarien, die ich in meinem Kopf schon ausgemalt hatte, beweist Bausa, dass er trotz allem immer noch ein Künstler ist, der noch in Alben denkt und genau weiß, wann er sich wie präsentieren muss. „Fieber“ schwächelt meiner Meinung nach an ein paar Songs, die nach Kompromiss klingen und dem klassischen Problem des zweiten Albums: Das Spannendste ist bereits erzählt. Im Großen und Ganzen aber eine Platte, die Spaß macht und zumindest zum in großen Teilen Langlebigkeit verspricht. 7/10

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