Album der Ausgabe: Nas – „Life is Good“ (aus der BACKSPIN MAG #110)

Anfang Oktober in der BACKSPIN Redaktion. Am Nachmittag kommt eine größere Runde vor Nikos Schreibtisch zusammen. Der Plan: Sie hört das aktuelle Nas-Album „Life is good“ und redet drüber. Mit von der Partie sind die Praktikanten Patrick, Lena, Yannick, Victor und Shana sowie Martin, Dennis und Niko.
Niko: „Was für Erwartungen hattet ihr an das Album?“ Martin: „Ich habe gehört, dass er es nur gemacht hat, weil er broke war wegen der Scheidung.“ Dennis: „So ein bisschen wie Marvin Gaye? Der hat „Here, My Dear“ auch nur veröffentlicht, um seiner Frau Unterhalt zahlen zu können. Zu den Erwartungen: Ich hatte hohe. ‚Untitled’ fand ich ziemlich gut, und ich wollte gerne zwei gute Nas-Alben hintereinander haben.“ Patrick: „Das hier soll ja auch das Beste seit ‚Illmatic’ sein, jedenfalls habe ich das gehört. “Na dann los! „Intro“. Victor: „Geht das noch richtig los?“ Yannick: „Ich hatte denselben Gedanken. Aber ist halt ‚n Intro…“ Niko: „Ich finde, das klingt, als würde hier etwas epochales angekündigt.“ Patrick: „Aber irgendwie ist das auch Standard, das macht jeder.“ Dennis: „Ich freue mich, Nas auf einer J.U.S.T.I.C.E.- League-Produktion zu hören. Geht euch das nicht so?“ Niko: „Ich bin dabei.“ Dennis: „Die sind ja vor allem durch Rick Ross bekannt, und jetzt haben sie auch mal ’n richtig guten Rapper.“ Es folgt: „Loco-Motive“. Dennis: „Ich finde den Track super, der ist schön raw, Nas rappt derbe, die Stimmung ist finster, ich mag das.“ Victor: „Der hat mich überrascht, denn das Intro eben war ja recht lahm.“ Niko: „Ich wusste, dass dir das gefällt.“ Victor: „Ist auch ein anderer Producer, oder?“ Niko: „Ja, No I.D.,“ Yannick: „Das Lied würde sich auch als Intro eignen.“ Dennis: „Für mich passt der Song nicht so gut hinter das Intro, die liegen klanglich ganz schön weit auseinander.“ Nun kommt „A Queens Story“. Martin: „Er switcht oft die Styles, aber auch den Song hier finde ich korrekt.“ Patrick: „Von Hooks hält der nicht so viel, oder?“ Dennis: „Der Scratch war jedenfalls ganz schön einfallslos. Aber mir gefällt dieses Orchestrale im Beat ganz gut.“ Yannick: „Mir ist das zu wenig greifbar.“ Patrick: „Wie er darauf rappt, ist mir zu hektisch.“ Victor: „Für mich passt der Rap nicht zum Beat. Das klingt so zusammengewürfelt. Auf ’nem anderen Beat würde der Rap wahrscheinlich geiler kommen.“ Martin: „Bei mir bleibt da nichts hängen.“ Es folgt „Accident Murderers“. Niko: „Nas und Rick Ross sind ’ne gute Kombo!“ Victor: „Ja, Rick Ross habe ich noch nie so wahrgenommen wie in dem Track hier.“ Martin: „Vielleicht weil Nas ihm geholfen hat, den Text zu schreiben.“ Patrick: „Das ist auf jeden Fall nicht dieses typische Punchline-Rausgehaue, das man sonst von ihm kennt.“ Dennis: „Für mich der bisher beste Song des Albums. Der Beat ist super, die Raps passen.“ Lena: „Ja, hier kommen die Raps bisher am besten rüber.“

Der Nächster Track ist: „Daughters“. Shana: „Hier geht es um seine Tochter, er gibt einen persönlichen Einblick, was das Ganze ziemlich menschlich macht.“ Lena: „Aber bei der Hook war er einfallslos!“ Niko: „Nas ist nicht gerade als Hook-Maschine bekannt.“ Patrick: „Mich hat der Track nicht gefesselt. Er war gut zu hören, aber es passte nicht zu Nas. Ich finde ihn auf den roughen Beats besser.“ Jetzt kommt „Reach Out“. Niko: „Das ist so ’ne 1900-Nummer, was das Sample angeht. Die anderen hier haben das nicht gefühlt.“ Victor: „Eigentlich habe ich ja was übrig für den Sound der 90er, aber auf mich wirkte das etwas zu aufgesetzt.“ Dennis: „Der Sound des Songs ist wunderbar retro.“ Yannick: „Meinetwegen könnte der noch mehr retro sein.“ Martin: „Damit macht er es sich aber recht einfach, oder?“ Dennis: „Er covert hier ja ’nen altes Ding und gibt am Anfang dazu einen Shout an DJ Hot Day. Christian Luda hat mir erzählt, dass der Beat eigentlich ein Song von DJ Hot Day ist, von 1987…“ Yannick: „Ich finde es schade, dass, wenn Mary J Blige schon etwas mit Nas macht, die einen Song auflegen, der so an alte Nummern erinnert.“ Weiter geht es mit „World’s an Addiction”. Victor: „Ich fühle das nicht.“ Martin: „Ich finde, der Beat war vom Sound her sehr platzeinnehmend, das war bei den letzten Nummern auch schon so, daher konnte man seinen Flow gar nicht richtig ahnen – und das, obwohl er eigentlich ziemlich krass darauf flowt.“ Patrick:„Für mich passt der Song gut ins Gesamtbild, weil er wieder viel mit dem Piano arbeitet. Aber beim ersten Part hatte ich das Gefühl, dass er so’n bisschen den Beat sucht, im Zweiten hat er ihn dann gefunden.“ Dennis: „Wie kommt bei euch so ein Song ohne Drums an?“ Patrick: „Das ist das, was ich meinte mit den Part suchen“. Martin: „Mir gefällt das. Der Song hat sich cool gesteigert, mir ist das lieber als so ein klassischer Track, der einfach monoton dahinplätschert.“ Lena: „Ich finde, der Song hätte auch ans Ende gepasst, so als Abschluss.“Nun kommt: „Summer on Smash“. Patrick: „Der ist die Großraumdisco Hymne, was?“ Niko: „Den kann man auf jeden Fall gut im Auto aufdrehen.“ Martin: „Der ist eben mehr Hook und weniger Strophe.“ Patrick:„Ja,das ist so typisch Swizz Beatz.“ Shana: „Wenigstens gibt es hier mal ’ne richtige Hook!“ Dennis: „Auf’m iPod skippe ich den Song immer. Aber wie ist eure Meinung zu Swizzy?“ Patrick: „Das Beste, was er in den letzten Jahren gemacht hat, ist Alicia Keys vom Markt zu nehmen. Sonst hat der meiner Meinung nach nichts wirklich Interessantes gemacht.“ Gelächter. Nächster Track: „You wouldn’t understand“. Niko: „Ich finde Victoria Monet und ihren Gesang super.“ Dennis: „Ich mag den Beat mit seinen 80er-Anleihen. Der erinnert mich an „Human Nature“ von Michael Jackson.“Martin:„Mich hat der jetzt nicht so mitgerissen. Der Gesang in der Hook war irgendwie nicht so gut.“ Yannick: „Für mich passte das alles gut zusammen. Stimmlich harmoniert das.“Shana:„Ich war jetzt eher nicht so der Fan von ihrem Gesang.“ Lena: „Ich finde den Gesang gut, Nas war mir bei der Nummer zu eintönig.“

Es folgt: „Back when”. Patrick: „Ich mag den Beat.“ Niko: „Beste Nummer bisher?“ Yannick: „Für mich schon.“ Niko: „Du magst es gern melodisch, aber nicht zu epochal, oder?“ Yannick: „Genau, und ich finde, das hatte was von Common.“ Patrick: „Ich finde, Nas rappt zu hart für die Nummer.“ Dennis: „Ich finde interessant, dass sich Yannick an Common erinnert fühlt. Das Ding hier ist ja von No I.D.– der hat viel mit Common gemacht.“ Jetzt kommt: „The Don“. Martin: „Ich finde, das ist der beste Track vom Album, die Drums unterstützen perfekt seinen Flow und seine Stimme. Der Song hat etwas Besonderes.“ Niko: „Produziert von Heavy D, Salaam Remi und da Inturnes.“ Yannick: „Ich finde den Bass supergeil, der kommt heftig und dabei noch nicht mal so Dubstep-mäßig.“ Dennis: „War das das letzte Lebenszeichen von Heavy D?“ Lena: „Vielleicht. Und gleich kommt ja noch das oder zumindest eines der letzten Lebenszeichen von Amy Winehouse.“ Als nächstes erklingt: „Stay“. Yannick: „Das ist kein 4/4 Takt, sondern was anderes, und der Takt an sich ist relativ schnell.“ Dennis: „Aber man nimmt den nicht als so schnell wahr. Irgendwie kommt der Song auch etwas experimentell, aber trotzdem total unanstrengend. Finde ich gut.“ Patrick: „Ich finde den Song super. Dafür, dass kein Beat rauszuhören ist, macht er unheimlich viel aus dem Song.“ Shana: „Ich fand das Saxophon-Sample schön harmonisch, das hat sich angefühlt wie nach Hause kommen.“ Nächster Song: „Cherry Wine“. Yannick: „Amy Winehouse und Nas harmonieren gut miteinander.“ Lena: „Ja genau, wegen ihrer rauen Stimmen.“ Yannick: „Richtig guter, runder Track.“ Patrick: „Die haben ja noch ein Track zusammen, die wurden wohl während einer gemeinsamen Studiosession 2008 aufgenommen. Ich find den Track super.“ Dennis: „Ich finde den Song nicht so derbe. Aber ich wusste gar nicht, dass dieser Salaam Remi auch viel für Amy Winehouse gemacht hat. Daher kam wohl die Connection.“ Niko: „Als ich die Nummer das erste Mal hörte, habe ich 20, 30 Mal auf Repeat gedrückt, weil ich mich so über ihre Strophe gefreut habe.“

Wir kommen zum letzten Song: „Bye Baby“. (Die Limited Edition hätte noch drei Songs mehr im Angebot, aber wir begnügen uns hier mal mit der regulären Version.) Martin:„Der bringt den Sound des Albums auf den Punkt. Der ist wie eine Zusammenfassung.“ Lena: „Genau, es passt halt auch so zusammen mit dem Albumtitel als Abschluss, dass er nochmal direkt seine Exfrau anspricht.“ Dennis: „Er rappt zu einem Song von Guy, den Pionieren des New Jack Swing.“ Yannick: „Ich finde, das Album hat sich mit jedem Titel gesteigert.“ Lena: „Ich fand‘s auch gut, aber ich finde auch, dass ihn die Features teilweise ziemlich gerettet haben.“ Niko: „Meine These ist, dass das sein bestes Album ist, weil man nach so viel Durststrecke von ihm nichts mehr erwartet hat und er hier echt befreit klingt. Ich habe ihn die letzten Jahre ein paar Mal live gesehen und dachte immer: Alter, hör auf, gib auf! Dieses Jahr auf dem splash! war es auch scheiße. Und dann kommt dieses Album.“ Dennis: „Findet ihr das Album 90er- mäßig?“ Martin: „Schon, zum Großteil ja.“ Yannick: „Stimmt, bei jedem zweiten Track ist er in die 90er zurückgegangen. Sehr abwechslungsreich.“ Dennis: „Hat jemand DJ Premier vermisst?“ Yannick: „Nee, eigentlich überhaupt nicht.“ Dennis: „Ich auch nicht. No I.D. hat den Part für die Sample-Sound-Beats wunderbar übernommen. Würde hier jemand soweit gehen und die Scheibe einen Klassiker nennen?“ Martin: „Ich nicht. Das Album hatte ja auch nicht so den Hype. 300.000 Mal soll es bisher verkauft worden sein. Wenn man das mal mit Lil Wayne vergleicht…“ Patrick: „Vielleicht liegt das aber auch daran, dass man bei Nas inzwischen etwas vorsichtiger ist, weil viele finden, dass er schon lange kein richtig gutes Album mehr gemacht hat.“ Niko: „Man muss aber auch sagen, dass Nas seit fast 20 Jahren relevant ist. Das muss man erst mal schaffen. Was ich außerdem an dem Album hier gut fand: Es klingt nicht so, als wollte er irgendwem irgendwas beweisen. Der ist da ganz locker rangegangen.“

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