Album der Ausgabe (aus BACKSPIN Mag #117)

Marsimoto

„Ring der Nebelung“ + Album – CD/2LP + Four Musik

Ein langer Arbeitstag geht dahin. Doch bevor jeder tut, was er will, kommen Niko, Phil, Tim und Dennis noch einmal zusammen, um „Ring der Nebelungen“ zu hören. Niko: „Das neue Marsimoto-Album – habt ihr da Bock drauf?“ Phil: „Ich bin total unvoreingenommen.“ Tim: „Ich auch.“ Phil: „Ich habe die Marsi-Alben davor nie wirklich ernsthaft gehört. Das wird jetzt also das erste Mal sein.“ Niko: „Und du, Dennis? Als großer Marteria-Fan?“ Dennis: „Auch wenn man mich für einen Banausen halten mag: Ich kann Marsimoto zwar hier und da einiges abgewinnen, habe aber die Marteria-Alben viel öfter und auch viel länger gehört. Daher bin ich zwar neugierig, aber nicht euphorisch.“ Tim: „Ich bin da ein bisschen bei Phil. Ich habe die Alben schon alle mitbekommen und auch immer irgendwie meinen Spaß mit den Platten gehabt, aber langfristig hängen geblieben sind die bei mir nicht. Dennoch erwarte ich hier nun qualitativ hochwertige Musik.“

Es geht los. „La Saga“. Schweigen. Niko: „Und?“ Tim: „Die Produktion fand ich richtig gut!“ Niko: „Das war ja vorher klar.“ Tim: „Ja, aber irgendwie fand ich es auch etwas anstrengend.“ Phil: „Ich höre mir auch sein amerikanisches Pendant nicht an. Da ist es ähnlich, die Beats finde ich geil …“ Tim: „Da finde ich Marsi fast noch zugänglicher. Als hier eben dieser Reggae-Part eingesetzt hat, ging es für mich schon ab. Ich habe nun jedenfalls Bock auf mehr.“

Also weiter mit „Tijuana Flow“. Niko: „Der knüpft doch direkt an den ersten Song an, oder?“ Phil: „Ich finde den geiler.“ Tim: „Ich nicht.“ Phil: „Doch, der ist raptechnisch geiler, der Sprachschatz im ersten Part ist ziemlich gut. Für mich klang das eben, als könne sich Marteria als Marsimoto mehr austoben.“ Dennis: „Ich fand, dass das raptechnisch im Vergleich zu ‚Grüner Samt‘ noch mal eine Weiterentwicklung war. Er flowt für mich noch besser. Dazu gefällt mir auch, wie der Charakter Marsimoto mit Leben und Haltung gefüllt wird.“ Niko: „Der Vergleich Marteria/Marsimoto kommt ja irgendwie automatisch. Und ich erwarte von Marteria mehr Boom, während es bei Marsi für mich irgendwie gechillter abgeht. Dazu kommt hier dieser Wortwitz, für den am Ende aber auch irgendwie beide stehen.“ Tim: „Vielleicht kenne ich die anderen Platten doch nicht gut genug, aber für mich verwischt hier ein wenig die Grenze zwischen Marteria und Marsimoto.“ Niko: „Das habe ich auch schon gedacht. Aber am Ende geht das schon weit auseinander.“

Es folgt „Anarchie“. Tim: „Den fand ich auch wieder anstrengend und zu voll.“ Dennis: „Echt? Ich fand den derbe, auch wenn der Song natürlich verdammt langsam war.“ Niko: „Ist das für Kiffer eigentlich zu anstrengend?“ Tim: „Weiß nicht. Aber ich fand es jetzt schon anstrengend, und wenn ich stoned bin, liegt meine Toleranzgrenze wahrscheinlich noch ein bisschen tiefer. Oder der Song hat dann noch mal eine andere Wirkung.“ Niko: „Muss man sich hier eigentlich inhaltliche Fragen stellen? Um was geht es hier?“ Dennis: „Um Parolen auf weißen Wänden, groß gesprüht mit grünem Blut an den Händen.“ Gelächter. Phil: „Viel hängen geblieben ist demnach nicht?“ Dennis: „Für den Augenblick gab es doch einige ziemlich geile Sätze.“ Niko: „An denen hangele ich mich entlang.“ Dennis: „Geil fand ich eben auch, wie er ‚A.N.N.A.‘ zitiert hat. So etwas machen ja auch noch einige andere gerne, aber so, wie das Zitat hier eingebaut wurde, hört man das nicht so häufig.“

 

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