AK Ausserkontrolle: „In unserem Leben ist mehr passiert als nur Einbrüche“

AK Ausserkontrolle macht Batzen „Auf Staat sein Nacken“.
Gut ein Jahr nach dem Debütrelease „Panzaknacka“ kehren die echten Berliner zurück und präsentieren ein Album, das überraschend anders als sein Vorgänger klingt. Mit dabei ist dieses Mal nicht nur das gewohnte Umfeld aus Künstlern wie Capital Bra und Kontra K, sondern unter Anderem auch Banger Musik Signing 18 Karat.
Wir wurden auf „Die Echte Tour“ nach Berlin eingeladen und hatten die Möglichkeit, mit AK Ausserkontrolle im Zwischen den Zeilen Interview über „A.S.S.N.“, Polizeieinsätze in Studios und Teufelswerk zu sprechen.

Das Album heißt „A.S.S.N.“ als Abkürzung für „Auf Staat sein Nacken“. Was steckt hinter dem Titel?

AK Ausserkontrolle: Du kennst ja sicherlich noch den Song „Echte Berliner“. Da sage ich: „Wer geht in die Bank mit Methan-Gasflaschen?/ Sprengt Automaten, Batzen auf Staat sein Nacken“. Die Line habe ich einfach sehr gefeiert, außerdem hat sich die Abkürzung „A.S.S.N.“ cool angehört.

Kannst du die Platte auf eine Grundaussage herunter brechen?

AK Ausserkontrolle: Das ist schwierig. Ich habe versucht, eine Mischung zu schaffen, sodass für jeden etwas dabei ist. Es gibt ein paar tiefsinnige Songs, es gibt Brecher, es gibt Partysongs, um das Album musikalischer zu machen und es massentauglicher zu gestalten. AK steht ja für richtig harten Rap – viele hören die Musik und kriegen schon Angst vor uns. So wollten wir den Leuten zeigen, dass wir auch Menschen sind und Gefühle haben.

Welche Thematiken werden auf „A.S.S.N.“ konkret behandelt?

AK Ausserkontrolle: Gott und der Teufel finden viel Platz auf dem Album, beispielsweise auf „Lieber Gott“ und „Satans schlimmer Hunger“. Wir glauben an Gott und wer an Gott glaubt, muss auch wissen, dass der Teufel existiert.

Bei uns im Arabischen ist diese ganze Musik eigentlich haram.

Man ist dort bereit, Dinge zu tun, die man sonst nicht tun würde. Beispielsweise habe ich mir vorgenommen, niemals Frauen in meinen Videos zu haben.

Und dann kam das „Jim Beam & Voddi“ Video?

AK Ausserkontrolle: Ja. Bei „Lieber Gott“ hatten wir auch Frauen, aber da sollte die Message eine sein, die auf die Geschichte von Adam und Eva anspielt, auf die Verführung. Bei „Jim Beam & Voddi war das ja etwas ganz anderes, aber wir mussten eben das passende Video dazu drehen. Wir hätten da keine Blümchen zeigen können.

Zum Album ist auch eine Deluxebox erschienen. Kannst du kurz den Inhalt erklären und wieso ihr euch für diesen entschieden habt?

AK Ausserkontrolle: Es gibt eine Allzweck Taschenlampe in der Box. Die kannst du für verschiedene Sachen nutzen und hast gutes Licht. Dazu gibt es einen Scheibenbrecher. Du weißt doch, was ein Nothammer im Bus ist, oder? Der funktioniert nach demselben Prinzip. Wenn du den aufdrehst, ist noch ein Gurtschneider mit drin. Das kann dir auf jeden Fall aus der Patsche helfen, wenn du einen Unfall hast und nicht aus dem Auto kommst. Bei Fluchtfahrten kann das schnell passieren.

Lass uns mal über die Produktion sprechen. Ich war sehr überrascht, da sich „A.S.S.N.“ produktionstechnisch ja schon deutlich von „Panzerknacka“ abhebt. Wer hat das Album produziert und wieso habt ihr euch für diese Stilrichtung entschieden?

AK Ausserkontrolle: Auf „Panzerknacka“ gab es den Song „2065“ und „Dope“, die sind beide sehr gut angekommen. Ich bin ein sehr musikalischer Typ. Natürlich bin ich hart, aber ich bin auch herzlich. Wie vorhin schon betont:

Wir sind auch nur Menschen und es ist auch mehr in unserem Leben passiert als nur Einbrüche.

Es sind dennoch Brecher auf dem Album, aber es soll sich nicht ausschließlich nur darum und um die Einbrüche drehen. Das ist Nebensache, es gibt viel wichtigere Dinge in meinem Leben und ich habe versucht, die auch mit auf das Album zu bringen und facettenreicher zu werden.

Wer hat die Platte produziert?

AK Ausserkontrolle: Produziert hat das Album Sonus030, aber er hat nicht alle Beats produziert. Es gibt sechs Beats von Hendrik Beats und zwei Beats von Goldfinger, die übrigen kommen von Sonus030.

Geht man die Liste der Featuregäste durch, stammen die meisten aus deinem Umfeld: Neben Fux, Jason und Pablokk Ausserkontrolle finden sich auch Namen wie Kontra K oder Capital. Auch 18 Karat von Banger Musik ist dabei – wie kam das zustande?

AK Ausserkontrolle: 18 Karat und ich haben uns vor zwei Jahren kennengelernt und das ist einfach ein richtig guter Junge. Ich habe direkt gecheckt, dass der echt ist und wir haben uns von Beginn an super verstanden. Dazu kommt, dass wir unsere Musik gegenseitig sehr feiern. So haben wir uns entschlossen, zusammenzuarbeiten und egal, was ist, keiner kann einen Keil zwischen uns treiben. Auch, wenn die Parteien mal Beef miteinander haben, mich und Karat kann man nicht trennen.

Wie kann man sich ansonsten die Auswahl deiner Featuregäste vorstellen?

AK Ausserkontrolle: Ich schreibe Songs und stelle mir dann vor, wer musikalisch gut dazu passen würde. Zum Beispiel habe ich „Jim Beam & Voddi“ geschrieben und als die Hook und der Part fertig waren, war Bonez MC bei uns im Studio und ich habe ihm den Song live vorgerappt. Er hat den Track direkt mies gefeiert und meinte sofort, er will da rauf. Das ist übrigens schon über ein Jahr her, genau zu der Zeit als „Panzerknacka“ rauskam.

Das bedeutet ja, du hast auch direkt nach Release von „Panzerknacka“ damit begonnen, an „A.S.S.N.“ zu arbeiten?

AK Ausserkontrolle: Ich habe schon vor Release damit begonnen, am zweiten Album zu arbeiten. Das ist ja auch mein Hobby, du gehst in deiner Freizeit ins Studio, triffst dich da mit deinen Kumpels und machst Musik.

Ich könnte mir vorstellen, dass man so kurz nach Albumrelease erst einmal einen Moment braucht, um Luft zu holen und ein neues Projekt angehen zu können.

AK Ausserkontrolle: Das ist bei mir nur nach der Tour so, nicht bei Releases. Touren ist einfach sehr anstrengend, danach brauche ich eine Pause. Ich habe ja keine bassige, sondern eher eine hohe Stimme. Die kriege ich allerdings erst raus, wenn ich richtig schreie. Wenn du dann 13 oder 14 Songs hast, du die hintereinander wie ein Schreihals rappst, ist das sehr anstrengend. Natürlich schwitzt du dann auch dementsprechend. Wenn ich von der Bühne komme, sehe ich aus als käme ich gerade aus der Dusche.

Lass uns wieder über das Album sprechen. Gibt es für dich typische Inspirationsquellen, die dir Ideen für Inhalt und Sound liefern?

AK Ausserkontrolle: Ich bin ganz ehrlich: Ich höre kaum Deutschrap. Das habe ich mir von vornherein angeeignet, weil dich das zu sehr von deiner eigenen Musik ablenkt. Hörst du die ganze Zeit fremde Musik, fügst du in deine eigene automatisch Dinge mit ein ohne es zu merken. Ich habe einfach keine Lust darauf, dass mir am Ende irgendwer vorwirft, ich würde irgendwen kopieren. Deshalb habe ich auch meinen eigenen Sound.

Wenn du keinen Deutschrap hörst, was hörst du privat für Musik?

AK Ausserkontrolle: Ich höre eigentlich gar keine Musik. Früher habe ich mal Tech9 gefeiert, der geht aber auch in eine ganz andere Richtung als ich. Andere Musik höre ich ganz selten. Ich habe auch keinen Mp3-Player oder sowas und auf meinem Handy ist nicht einmal mein eigenes Album drauf. Meine Songs nehme ich auf und danach kann ich die nicht mehr hören, weil ich sie schlichtweg beim Aufnehmen zu oft gehört habe. Nach dem Master werden die Songs auch direkt abgegeben, weil ich weiß, wenn ich sie noch länger behalte, würde ich da locker noch ein ganzes Jahr dran rumbasteln. Man battlet sich selbst.

Leidest du manchmal unter Schreibblockaden und wenn ja, was tust du, um diese zu überwinden?

AK Ausserkontrolle: Ich geh einfach nachhause und mache an dem Tag gar nichts mehr. Am kreativsten bin ich morgens kurz nach dem Frühstück, da fühle ich mich einfach am besten.

Wessen Feedback ist dir während eines Albumprozesses wichtig, wessen Meinung holst du dir im Studio ein?

AK Ausserkontrolle: Fux, Jason, Pablokk – meinen Jungs zeige ich meine Musik immer und frage sie, was sie davon halten. Die reden auch immer offen mit mir und inspirieren mich, das ist sehr wichtig. Dazu kommt, dass das Leute sind, die meine Musik verstehen, weil sie schon länger mit mir zusammenarbeiten und wissen, in welche Richtung ich gehen will. Manchmal ist es so, dass du es gar nicht mehr selbst einschätzen kannst und dann muss jemand den Song hören, der bisher noch gar nichts davon wusste.

Gab es größere Schwierigkeiten, die dir während des Produktionsprozesses im Weg standen?

AK Ausserkontrolle: Ja, auf jeden Fall. Nachdem wir angefangen haben, das Album aufzunehmen, sind wir aus dem Studio geflogen, weil dort ein paar Polizeieinsätze stattgefunden haben. Dann haben wir uns ein anderes Studio auf Zeitdruck gesucht und eins in Tempelhof gefunden. Das hat für zwei Wochen geklappt, dann mussten wir auch dort raus. Anschließend bin ich nach Wedding, dort hat ein Kumpel ein Café aufgemacht. Da haben wir knapp 40.000€ ins Studio investiert, beispielsweise haben wir extra einen riesigen Tresor als Eingang gebaut und sowas. Drei Wochen nachdem wir alles nagelneu gemacht haben, war das auch zu aufgrund von Verdacht auf organisierte Bandenkriminalität. Das war das dritte Studio, von da aus sind wir in eine Wohnung nach Moabit gegangen. Im Internet habe ich dann eine IsoVox Stehkabine bestellt und im Endeffekt habe ich damit das Album aufgenommen. Aus der Wohnung in Moabit hat uns die Hausverwaltung übrigens auch rausgeworfen, weil das Aufnehmen zu laut war. Also mussten wir noch einmal umziehen.

Im Endeffekt hatten wir für „A.S.S.N.“ also fünf Studios.

Das war so stressig, außerdem hatte ich eben keine vernünftige Kabine zum Aufnehmen, zu der IsoVox Kabine habe ich immer Schuhkarton gesagt.

Das sind Schwierigkeiten, die ein bisschen über Probleme wie Deadlines nicht einzuhalten hinausgehen.

AK Ausserkontrolle: Die Deadlines wollte ich unbedingt einhalten. „A.S.S.N.“ ist ja am 05. Mai erschienen und ursprünglich sollte da auch „Black Friday“ von Bushido erscheinen und ich wollte zusammen mit ihm releasen.

Wieso wolltest du unbedingt, dass ihr den Releaseday teilt?

AK Ausserkontrolle: Ich feiere ihn sowieso. Das wäre aber auch einfach ein guter Promo-Move gewesen. Es war ja nicht die Intention, mehr als Bushido zu verkaufen, es hätte nur einfach gut gepasst. Leider hat er ja dann verschoben.

Ich finde die Idee gut, gerade, weil es im Deutschrap ja ein beliebter Move ist, ein Album zu verschieben, weil die Woche zu stark ist und der Künstler eine zu geringe Chartplatzierung befürchtet.

AK Ausserkontrolle: Ob ich jetzt erster oder dritter in den Charts werde, ist mir völlig egal. Im Endeffekt geht’s doch nur darum, wie viele Einheiten ich verkaufe. Würde ich unbedingt erster werden wollen, suche ich mir eine schwache Woche, in der es reicht, 5.000 Einheiten zu verkaufen. Sinn hat das aber auch nicht, damit verarscht man sich doch nur selbst. Was habe ich denn davon? Lieber an den Verkauf denken und so viele CDs wie möglich an den Mann zu bringen. Schließlich bin ich jetzt auf Platz 3 gechartet, das heißt, ich hab es von Platz 10 auf Platz 3 geschafft, das ist doch super.

Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong auf „A.S.S.N.“?

AK Ausserkontrolle: Das ist schwierig, muss ich ehrlich sagen. Aber „AS.S.N.“ ist krass. Die Hook klatscht einfach und die fühlt jeder.

Und gibt es eine Lieblings-Line von dir?

AK Ausserkontrolle: „Mama sagt mein erstes Wort war Mercedes“.

Wenn du auf die Vorgänger-Platte „Panzerknacka“ zurückblickst: Wo siehst du bei „A.S.S.N.“ den größten Unterschied?

AK Ausserkontrolle: Ich will nicht sagen, dass „Panzerknacka“ unterentwickelter ist als „A.S.S.N.“ – aber „Panzerknacka“ ist eben mehr auf die Brecher-Schiene bezogen und „A.S.S.N.“ ist komplett auf Staat sein Nacken und auf Staat sein Nacken kann man vieles tun, nicht nur einbrechen. Der Unterschied zwischen den Alben ist vor allem, dass „A.S.S.N.“ experimentierfreudiger und schlichtweg musikalischer ist.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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