AK Ausserkontrolle: “Für die Medien ist unser Leben phänomenal”

Um einen professionellen Blitzeinbruch zu begehen, braucht man nicht länger als 2 Minuten. Zumindest ist das eine der Weisheiten, die uns AK Ausserkontrolle mit auf den Weg geben. Die Jungs aus Berlin-Wedding sprechen in ihren Texten von Kriminalität und dem Alltag auf der Straße. Wo anfangs typische Straßenrap-Parolen und das Gewalt-Glorifizierung vermutet werden, steht stattdessen realitätsnahe Berichterstattung und auch Reue.

Wir trafen uns mit AK Ausserkontrolle in Berlin zum Gespräch im Rahmen des anstehenden Releases von „Panzaknacka“ und sprachen über die Proportionalität von Authentizität und guter Musik, rbb-Reportagen und dem Job auf der Straße.

Ich treffe mich jetzt mit dir allein zum Gespräch – Wie viele Menschen stehen denn eigentlich hinter AK Ausserkontrolle?

AK Ausserkontrolle: Hinter Ausserkontrolle stehen noch einige mehr. Rapper sind wir inzwischen drei. Zwischenzeitlich war mein Partner inhaftiert, weshalb ich das Ding allein durchziehen musste. Inzwischen ist er wieder da, hatte sich aber auch zeitweise zurückgezogen, weil er Vater geworden ist. Jetzt ist er zurück und Fux ist auch wieder da – dass er weg war, hat man ja auch mitbekommen.
Im Endeffekt kann man gar nicht zählen, wie viele Ausserkontrolle genau sind. Die Zahl liegt aber im dreistelligen Bereich. Es gibt eine Stamm-Base, die von Anfang an dabei war. Das sind meist auch die Leute, die in den Videos vertreten sind.

In den Medien findet man nicht nur Berichterstattung über eure Musik. Gerade Massenmedien berichteten oftmals über euch und fokussierten sich dabei auf die Straftaten, die ihr begangen habt.

AK Ausserkontrolle: Die Musik erzählt selbst von diesen Geschichten, deshalb handelt auch diese Berichterstattung von der Musik. Die Leute, die hinter den Reportagen stehen, sind auf die Musik aufmerksam geworden, haben gemerkt, dass diese viel mit der Realität zu tun hat und haben sich dann auf die Hintergründe bezogen.

Was für uns unser Leben ist, ist für die Medien phänomenal.

Zwar nutzt man auch das zu seinen Gunsten, aber mit der Zeit hat man auch gelernt, das mehr auf die Musik zu beziehen.

Schadet das dem Ruf nicht extrem, wird man ständig nicht als Musiker, sondern als Verbrecher präsentiert?

AK Ausserkontrolle: Es liegt immer im Auge des Betrachters. Dahinter steht ja der ganze Werdegang, den die Leute somit auch verfolgen. Dadurch merken sie eben auch, dass das alles nicht einfach war und man versucht, da rauszukommen. Klar gibt es auch eine Hörerschaft, die damit nichts anfangen können und das dann negativ auffassen. Allerdings gibt es aber auch Hörer, die das fühlen und merken, dass alles echt ist. Die verstehen, dass man einiges durchgemacht haben muss, um solche Taten erst einmal zu begehen. Das ist alles kein Spaß und man macht das nicht aus Lust und Laune. Man riskiert sehr viel dabei.

Ich habe solche Taten nie begangen, um cool zu sein.

Leute machen das, weil sie Geld brauchen. Oder weil sie Probleme im Leben haben. Leider Gottes ist es eben so, dass man viele Probleme mit Geld lösen kann. Wirst du in diesem kriminellen Umfeld groß und immer wieder hörst, wie viel Geld Leute mit solchen Aktionen gemacht haben, wächst du da rein. Du siehst plötzlich die Hintergründe und verstehst, wieso jemand so etwas tut.

Schaut man sich Videos wie „2Minuten“ an, gewinnt man anfangs schon den Eindruck, ihr würdet die Straftaten, von denen ihr erzählt, stark glorifizieren. Liege ich da falsch?

AK Ausserkontrolle: Wir machen außergewöhnliche Musik. Diese kommt gut an, weil wir von dem Lifestyle erzählen, den wir auch leben. In meinen Augen ist das Musik im Endeffekt und kein Tutorial für Einbrüche. Den Zuhörern verschaffe ich einen Einblick aus meinem Leben und das Gefühl, dabei zu sein. Ich verarbeite das Erlebte und schaffe Kunst. Nun bin ich ja auch nicht der erste, der Gangstarap macht. Den gibt es lang genug und im Gangstarap ging es immer um kriminelle Machenschaften. Zu Gewalt animieren möchte ich trotzdem nicht. In fast jedem Text erwähne ich, wie lang man für solche Aktionen hinter Gittern sitzen kann. Ich könnte das auch weglassen. Aber ich lasse es extra nicht weg – man muss wissen, worauf man sich einlässt, wenn man solche Dinge macht.

Im Straßenrap gibt es ja immer die Realness-Debatte. Wie wichtig ist Realness denn für Authentizität?

AK Ausserkontrolle: Ich finde, man kann einfach am besten davon erzählen, was man wirklich erlebt hat. Du musst doch erst in etwas Saures beißen, um zu wissen, ob es sauer schmeckt. Du kannst dir Geschichten ausdenken.

Man muss nicht unbedingt real sein, um Musik zu machen.

Es ist Musik – es ist Kunst. Ich beziehe eben mein Leben mit ein, aber jeder macht es anders. Logisch, dass man es viel mehr fühlt, wenn du über wahre Erlebnisse rappst – einfach, weil du viel detaillierter erzählen kannst.

Ihr legt in eurer Musik großen Wert auf die Repräsentation von Berlin. Musste der Ruf der Berliner Straßenrap-Szene denn gerettet werden?

AK Ausserkontrolle: Jeder hält für seine Stadt die Fahne hoch. Für mich sind es aber alles Kollegen und jeder hat seinen Geschmack. 187 Strassenbande sind zum Beispiel tiptop Jungs, ich feiere alles von denen. Deshalb habe ich aber auch kein Konkurrenzdenken, was das betrifft. Jeder hat seinen eigenen Sound. Was Gangstarap angeht, hat Berlin in letzter Zeit echt ein bisschen in der Scheiße gesteckt. Ich habe es angetrieben, dass die Entwicklung langsam wieder nach vorne geht.

Wie sind die Bandanas zu eurem Markenzeichen geworden?

AK Ausserkontrolle: Als wir unsere ersten Sachen veröffentlicht haben, wusste man nicht, ob irgendwas dabei rauskommt. Das war vor sieben oder acht Jahren und Musik war damals noch reines Hobby. Nebenbei war man aber immer noch aktiv und hat viel Mist gebaut. Wenn die Musik nicht gelaufen wäre und jeder deine Fresse kennt, wäre das nicht gut gewesen. Damit verbaust du dir viel. Dann hatte ich die Idee, dass wir die Bandanas tragen und das ist unser Markenzeichen geworden.

Die Kommentare zu eurer Musik gehen weit auseinander – jemand freute sich beispielsweise über „richtig harten Straßenrap ohne Sinn“ – wie reagiert man auf sowas?

AK Ausserkontrolle: Ich habe gar keinen Kopf dafür, um mir viele Kommentare durchzulesen. Leute fassen unsere Musik eben unterschiedlich auf. Für ihn ergibt sie offensichtlich keinen Sinn, aber er feiert sie trotzdem. Für andere wiederum ergibt sie viel Sinn – es liegt immer im Auge des Betrachters. Dazu kommt, dass man ja auch nie nachverfolgen kann, wer hinter dem Computer sitzt und solche Kommentare schreibt. Das könnte ein verblödeter Heroin-Junkie sein, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hat und irgendeinen Scheiß labert. So vertiefe ich mich in sowas gar nicht. Ich kenne mein Feedback und dass viele Leute das feiern – es hat schon seinen Grund, wieso es so seinen Lauf nimmt.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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