Afrob: „Dieses Album ist ein Geschenk an mich selbst“

Möchte man die Geschichte von Afrob erzählen, beginnt man im Jahr 1999, als sein Debütalbum „Rolle mit Hip Hop“ erschien. Seither ist viel passiert, unter Anderem sechs Soloalben sowie zwei Werke als ASD mit Partner Samy Deluxe an der Seite.
Eine logische Konsequenz wäre also ein Best Of Album, um die musikalischen Highlights des Schaffens auf einer Platte zu resümieren. Genau das tat Afrob.
Jedoch beinhaltet „Beats, Rhymes & Mr. Scardanelli“ viel mehr als eine neu angeordnete Tracklist aus existentem Material. Stattdessen verbrachte Afrob viel Zeit im Studio, um eine Auswahl seines bisherigen Schaffens gemeinsam mit der Band Tribes of Jizu in ein neues Gewand zu hüllen.
In Berlin haben wir uns mit Afrob zum Zwischen den Zeilen Interview getroffen, um über die besondere Form des Best of Albums, den Entstehungsprozess und Diggen im digitalen Zeitalter zu sprechen.

 

Afrob, im Oktober erscheint mit „Beats, Rhymes & Mr. Scardanelli“ dein neues Album. Wir sprechen allerdings nicht von einem weiteren Studioalbum, sondern von einem Best Of Akustik Album, womit sich auch die Bedeutung des Titels selbst erklärt.

Afrob: Ja, Mr. Scardanelli ist mein alter Ego. Ich wollte die Platte nicht stumpf „Best Of“ nennen und so spanne ich im Titel den Bogen zur Historie. Scardanelli beginnt mit dem „Rolle mit Hip-Hop“-Album und so startet meine Geschichte. Dann ist Mister Scardanelli zwischenzeitlich immer mal wieder aufgetaucht und ich berufe mich immer auf ihn.

Wann ist die Ursprungsidee entstanden, aus all der Musik, die du bereits veröffentlicht hast, ein Best Of Album entstehen zu lassen?

Afrob: Letztes Jahr im Dezember hatte ich Lust, das nächste Projekt anzugehen und die Best Of Idee hatte ich seit längerem im Hinterkopf. Einfach eine neue Reihenfolge an existenten Tracks zusammensammeln kann jeder. Ich wollte eine Handvoll Tracks neu aufbereiten und dann hat sich die Zusammenarbeit mit der Band Tribes of Jizu gut angeboten. Ursprünglich kommen die auch aus dem Hip-Hop, können aber auch Instrumente spielen. Die Verständigung war so sehr einfach.
Ich bin sehr zufrieden mit dem Projekt, es ist eine Hommage und gleichermaßen ein Geschenk an mich selbst.

Nun hast du in deiner bisherigen Karriere wahnsinnig viele Songs hervorgebracht. Wie darf man sich deine Auswahlkriterien für das Best Of Album vorstellen?

Afrob: Ich habe die Auswahl zum großen Teil davon abhängig gemacht, welche Songs die Band wohl am besten umsetzen kann. Nehmen wir mal „Sneak Preview“ als Beispiel. Das würde sicher auch irgendwie funktionieren, wäre aber nicht das gleiche. Das gleiche ist es nie, aber bei diesem konkreten Beispiel glaube ich, dass alle Versuche einer Neuinterpretation in die Hose gehen würden. Ich habe versucht, gute, angenehme Musik zu finden die zu dem ursprünglichen Soundscape der Band passt. Ich habe nicht versucht, auf Effekthascherei zu setzen. Es soll lediglich schön klingen, ich muss nicht immer nach oben greifen. Bei der Auswahl der Songs und dem Nachhören der ganzen alten Sachen war ich sehr stolz. Auch heute gefallen mir Alben wie „Rolle mit Hip Hop“ oder „Made in Germany“ noch sehr gut.

Ich habe gesehen, dass es im Rahmen der Platte keine Deluxebox geben wird, sondern lediglich eine Vinyl.

Afrob: Richtig. Es gab auch nie die Überlegung, eine Box anzubieten. Was soll ich den Leuten anbieten? Für mich war einfach wichtig, das Projekt auf die Beine zu stellen. Das Release auf Vinyl und digital reicht völlig.

Wieso setzt du neben Digitalrelease auf Vinyl statt auf die klassische CD? Glaubst du, dass das Medium CD vom Aussterben bedroht ist?

Afrob: Das kann gut sein, allerdings ist das eine Prognose, die ich nicht wage zu stellen. Es liegt ja größtenteils daran, dass du einfach Hardware zum Abspielen einer CD benötigst. Kein Mensch besitzt noch einen CD-Player. Aber immerhin kommt Vinyl wieder zurück und da bin ich recht stark.

Die Platte ist ja in Zusammenarbeit mit der fünfköpfigen Band Tribes of Jizu entstanden. Wie ging der Produktionsprozess von Statten?

Afrob: Der ganze Prozess war ein einziger Flow. Bei vielen Songs habe ich ihnen viel Freiraum gelassen, damit sie sich mit ihrer Expertise austoben können. Manche Songs spiele ich live anders als auf Platte. Die Konzepte habe ich dann mit in die Arbeit reingenommen. Es gab krasse Momente, in denen ich gemerkt habe, dass ich denen geben kann, was ich will und die können das mit den Instrumenten spielen. Arrangements, die du vor Jahrzehnten entworfen hast, spielen die nach.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Album auch eine gute Möglichkeit für junge Hörer bietet, die sich bisher noch nicht mit deinem Schaffen auseinandergesetzt haben. Immerhin wird ein guter Querschnitt deiner Musik geboten.

Afrob: Absolut. Wobei Diggen ja heutzutage auch viel leichter ist als früher. Alles ist nur einen Klick entfernt.

Wessen Feedback war dir während des Albumprozesses von „Beats, Rhymes & Mr. Scardanelli“ wichtig?

Afrob: Natürlich sind das immer Leute, die einem nah stehen. Allerdings achte ich bewusst drauf, dass es keine Leute sind, die aktiv rappen. Ich habe viele Freunde, die neue Musik mit mir hören und die sind knüppelhart zu mir. Wenn ich die Musik Freunden vorspiele, die auch rappen, dient das eher zum Abgleichen. Da lege ich nicht unbedingt emotional wert drauf, sondern brauche eher die Bewertung des Handwerks. Glücklicherweise nehme ich auch keinerlei Kritik persönlich und treffe trotzdem Entscheidungen, die ich für richtig empfinde.

Wie fiel das erste Feedback zu dieser Platte aus?

Afrob: Es gibt Leute, die trauen sich nicht zu sagen, dass sie das Projekt scheiße finden, weil sie sehen, wie sehr ich emotional daran hänge. Weiter gibt es viele Leute, deren persönlichen Geschmack es nicht trifft, aber die akzeptieren das Handwerk. Außerdem geht es nicht ausschließlich um mich. Wenn man so will, erzähle ich ja eine komplette Hip-Hop Historie. Ich wollte einfach nur die Geschichte erzählen.

Vermutlich ist es bei der Auswahl sehr schwer zu bestimmen, kannst du dennoch deinen Lieblingssong der Platte nennen?

Afrob: Das ist mit Abstand „Einfach“. Danach folgt „Warum bist du so“, dann „Ich mag an dir“, dann „R.I.P.“. Die Reihenfolge meiner Lieblingssongs ändert sich jede Woche.

Du hast die Platte gemeinsam mit Band aufgenommen: Was glaubst du, welche Auswirkungen diese Platte für deine musikalische Zukunft haben wird?

Afrob: Bisher sieht es aus, als ob ich auch nochmal mit Live Band spiele. Es wird drei Shows im Februar geben in Hamburg, Berlin und Köln. Gern möchte ich in kleinen Jazz Clubs und Cafés spielen. Da habe ich viel mehr Bock drauf als in großen Hallen. Dazu gibt es aber auch noch viele weitere Projekte, die ich im Kopf habe und bald angehen möchte. 2019 mache ich übrigens seit genau 20 Jahren Musik. Mal sehen, wie das gefeiert wird.

Erklär doch abschließend bitte noch einmal den absoluten Kaufanreiz von „Beats, Rhymes & Mr. Scardanelli. Wieso sollte sich jemand in der Masse von Deutschrap-Releases für genau diese Platte entscheiden, wenn er im Elektronikfachmarkt steht?

Afrob: Dieses Album kann man in zehn Jahren noch hören. Das Cover sieht geil aus, es macht optisch was her. Dazu kommt, es ist komplett andere Musik als der Rest, der gerade vorherrscht. Ohne das zu haten: Ich mag ja diese ganze ignorante Art und Autotune, was gerade angesagt ist. Ich biete aber auch eine gute Alternative. Es ist gut aufbereitet, hochprofessionell und ich glaube, Leute können sich davon noch eine Scheibe abschneiden. Für Leute, die mich als Künstler bisher nicht auf dem Schirm hatten, ist dieses Album auf jeden fall eine Chance, meine Musik für sich zu entdecken.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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