Aesop Rock – „The Impossible Kid“

Aesop-Rock--TIK-Cover

Wenn der Rapper mit dem womöglich größten Wortschatz die Bühne betritt, ist das immer ein Grund zur Freude, vorausgesetzt man erfreut sich an wahnwitzigen Geschichten in verschachtelter Metaphorik. Die Rede ist von Ex-Def-Jux-Member Aesop Rock, der mit „The Impossible Kid“ den Nachfolger zu seinem Rhymesayers-Debüt „Skelethon“ abliefert. Dabei überlässt er nichts dem Zufall und legt vom Cover bis zu den Produktionen selbst Hand an.

Mit einem düsteren Grollen und einigen Scratches startet Aesop auf „Mystery Fish“ die eindrucksvolle Reise in sein wohl persönlichstes Album: Meist begleitet von scheppernden Drums und Midi-Sounds, die direkt aus dem Atari zu stammen scheinen. Auch wenn der Sound schon immer leicht dreckig auf Aesops Werken war, die Texte waren stets mit einer Prise Humor versehen, der einem ein Grinsen entlocken konnte. „The Impossible Kid“ macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme, und doch ist alles etwas anders. Aesop spricht vergleichsweise offen und verständlich über persönliche Probleme. Textzeilen wie „Party over here. I am over there“ oder „Would the neighbors smell the corpse before the cat ate my face?“ („Dorks“) zeugen von einsamen und scheinbar bewusst gewählten Außenseiterleben. Trotz der Anerkennung in der Szene hat sich der große Erfolg nie wirklich eingestellt und langsam aber sicher gehört Aesop zur alten Garde, die vom frischen Wind der neuen Generation umgeblasen wird („Lotta Years“). Anpassen wird sich der „Oldschool-MC“ aber dennoch nicht und so leben viele Tracks auch von einer rockigen Seite mit dreckigen Gitarren-Riffs („Water Tower“), die scheinbar keinen Platz in der elektronisch ausproduzierten Musikwelt von heute haben. Ein Grund für den Hang zum beschriebenen Soundgefilde, dürfte mitunter auch sein älterer Bruder sein, der als Industrial-Fan sicherlich auch Aesop beeinflusst hat. Auf „Blood Sandwich“ werden zwei Geschichten der beiden Brüder von Aesop zum Besten gegeben und gibt somit auch einen kleinen Einblick in das familiäre Umfeld des Rappers. Zu dem gehört offensichtlich auch eine Katze namens „Kirby“, die als Seelentröster herhalten muss, auf Anraten des ratlosen und vermeintlich überflüssigen Psychiaters („Shrunk“) wohlgemerkt. Aesop kennt seine inneren Dämonen und Gespräche mit dem Friseur oder auch Chuck D („Lazy Eye“) helfen ihm offensichtlich damit so weit wie möglich umzugehen. Anders wie manch andere, die ihn lieber fallen sehen würden und deren Schadenfreude auf dem abschließenden „Molecules“ offengelegt wird.

Von Schadenfreude kann beim Hören von „The Impossible Kid“ allerdings keine Rede sein. Dafür ist die Freude an diesem erfrischend ehrlichen Werk von Aesop Rock zu groß. Die Fanbase rund um den MC aus dem Rhymesayers-Gefilde wird sich an einem der persönlichsten Alben von Aesop Rock erfreuen können. Das und die vergleichsweise direkte Art darüber zu rappen, machen das aktuelle Album zu einem der zugänglichsten Alben von Aesop Rock:  Für den Mainstream werden Aesop’s eigenwillige Produktionen und die abstrakte Erzählweise aber wohl weiterhin etwas zu sperrig sein. Schade eigentlich.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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