Ade Major: “Ich mach Rock ‘n’ Roll aus Rapmusik, Bombenflow auf Technobeats.”

“Ich mach Rock ‘n’ Roll aus Rapmusik, Bombenflow auf Technobeats.” Vor einiger Zeit noch eigenhändig Mixtapes auf der Straße verkauft, seit dem 3. November ist sein Album „Clash“ überall erhältlich. Bei seinem Debut-Album lässt sich Ade Major nicht von musikalischen Grenzen einengen, sondern geht mit alten und neuen Einflüssen um, wie es ihm die Hafenstadt Hamburg schon immer vorlebte – völlig selbstverständlich und mit aller Offenheit. Auf der Platte prallen Kulturen aufeinander und arrangieren sich zu einem stilistisch breit gefächertem Ganzen, das sich abseits des gewohnten Deutschrap-Sounds 2017 bewegt. Wir haben den Rapper gebeten, sich vorzustellen. 

This is where I’m from…

Ich komme aus Hamburg Eimsbüttel und wohne da jetzt auch wieder, nachdem ich wegen eines Jobs drei Jahre in München war.

 I know my roots… 

Angefangen hat alles mit ein paar Kollegen und unendlich vielen Freestyle-Sessions in verrauchten Kellern und im Haus der Jugend. Irgendwann haben wir dann durch einen Freund jemanden kennengelernt, der Equipment zum Aufnehmen hatte und produziert hat. So sind dann unsere ersten „Songs” entstanden. Später habe ich dann mit meinem alten Freund Fayzen, der auch zu der Crew gehörte, zusammen ein Tape rausgebracht, das wir auf der Straße verkauft haben. Davon hart angefixt, wollte ich unbedingt ein Album machen. Die Platte “Wild Nights” haben wir dann auch circa 10.000 Mal auf der Straße, bei Konzerten, bei Festivals und so weiter verkauft. Mit einem Karton CDs unterm Arm und iPod mit Kopfhörern in der Hand sind wir auf die Leute los: “Sorry, magst du Hip-Hop?!”. Fayzen hat zusammen mit nem Kumpel in der Zeit nebenbei noch zwei Sampler mit den verschiedensten Hamburger Künstlern, zum Beispiel Juvel, Paolo, BOZ und mir gemacht, die haben wir dann auch verkauft. Danach habe ich lange Zeit den Hamburger Comedian Buddy Ogün produziert. Das Projekt war schnell so erfolgreich, dass daneben gar keine Zeit mehr für eigene Musik war. Wir konnten uns hier aber künstlerisch auf Comedy-Ebene total austoben, was Musik und Video/DVD/TV anging, insofern war alles cool. Als ich jetzt in München gewohnt habe, hatte ich trotz „normalem Job“ plötzlich wieder Zeit und habe darüber nachgedacht, wieder eigene Musik zu machen. Im Endeffekt lässt einen so eine Leidenschaft ja nie wieder los. Ich bin dann mit Kalito, der fast meine ganze Platte produziert hat, für ein langes Wochenende an die Ostsee gefahren. Da haben wir dann probiert, ob wir’s überhaupt noch draufhaben. Wir hatten übertrieben Spaß und haben dort noch beschlossen, dass wir genau 10 Jahre nach “Wild Nights” nochmal ein Album machen. Wir sind dann ein paar mal mit ein bisschen Equipment irgendwo hingefahren  und ich bin andauernd nach Hamburg gependelt. So ist”Clash” entstanden. In München habe ich Joaqin kennengelernt, der ein begnadeter Engineer und Produzent ist. Er hat letztendlich bei vielen Songs nochmal coproduziert und das Album dann auch gemischt.

You know my steez… 

Ich war ziemlich früh ein riesen Rapfan und bin es bis heute. Zuerst habe ich eher die härteren Britcore-Sachen wie zum Beispiel Hijack und Killa Instinct oder auch Readykill und No Remorze gehört. Relativ schnell kamen dann NWA, Eazy-E, Dr.Dre, Snoop und Tupac in meinen CD-Player. Habe ich alles übertrieben gefeiert. Etwas später bin ich dann auch auf dem Kram aus NY hängengeblieben. Mobb Deep, NAS und Jigga höre ich immer noch andauernd. Als ich dann die ersten Male die Stiebers, Torch, Savas und Samy gehört hatte, war klar, dass Rap auf Deutsch heftig sein kann. Das mussten wir natürlich auch probieren. Und es gibt andauernd krasse neue Songs von irgendwem, die ich heftig finde und die mich sofort inspirieren und anspornen selber geile Songs zu machen. Rap hatte einfach immer so eine krasse Energie und Direktheit. Ich fand’s einfach richtig geil, dass es eine Musikrichtung gab, bei der es um Skills, Freshness, Echtheit und für uns interessante und relevante Themen ging. Ich war einfach voll im Film und wollte das auch unbedingt können. Ich liebe es Songs zu machen. Insofern hat es sich gelohnt damit anzufangen.

That’s my motherf****** name…

Ade ist einfach beim Freestylen entstanden. Das „Major“ kam irgendwann durch meine große Reggae-/Dancehall-Liebe dazu. Ich bin zufrieden. Klingt nice so. 

Turn my music on…

Ich höre wirklich fast alles und das spiegelt sich dann auch in meinen Songs wieder, denke ich. Ich hatte einfach Bock ne Platte zu machen, die ich selber gerne hören würde. So ist alles darauf was ich selber feiere: richtig klassischer Rap, Dancehall, verzerrte E-Gitarren, Live-Drums, Bläser, laute Sachen und ruhige Sachen, schnelle Sachen und langsamere Sachen. Das Schwierige war, die Sachen so zusammenzubringen, dass es sich cool in einem durchhören lässt. Ich finde, das ist perfekt gelungen! Ich hasse Musik die zu kompliziert oder verkopft ist. Meinem Geschmack nach muss man bei einem Song immer auch das Bedürfnis haben ihn laut zu hören. Egal, ob er von seiner Natur her eher nach vorne geht oder eher ruhig ist. Der Titel vom Album beschreibt eigentlich genau was man zu erwarten hat: Das (für mich) beste aus den verschiedenen Musikwelten zusammengeführt: „Clash“. Bei meinen Texten ist es ähnlich wie bei der Musik: Da ist alles dabei. Der rote Faden ist aber klar zu erkennen. Das, was man sagt, muss man einfach auch wirklich selber sein. Man sollte sich nur nicht immer selbst zu ernst nehmen. Ich bin schon jemand, der gerne Action hat und gerne feiern geht, bin aber auch ein politischer Mensch. Ich denke, das hört man schon alles in meinen Texten. Wenn man die Chance hat was zu sagen, dann kann man die auch nutzen und den Leuten zumindest ein bisschen was mitgeben. Mir ist es nicht so wichtig bestialisch double-time zu rappen oder vier-silbige Reime und die innovativsten Flows zu haben, auch wenn ich das bei vielen anderen sehr cool finde. Das Gerappte/Gesungene muss cool klingen. Refrains finde ich super wichtig, die müssen einen sofort abholen und mitnehmen und im besten Fall muss man sie mitrappen/mitsingen wollen. Den Klang und Einsatz der Stimme finde ich auch total entscheidend. Es kommt nicht nur darauf an was man sagt, sondern auch wie man es sagt beziehungsweise rappt und singt.

Yo see the difference…

Was mich und meine Musik von anderen unterscheidet und was sie besser oder schlechter macht, sollen die Hörer entscheiden. 

 

 

My brand new album/mixtape…

Am 3.11. ist mein Album „Clash“ rausgekommen. An den 16 Songs haben wir jetzt ein Jahr intensiv gearbeitet und sind super glücklich mit der Platte. Da steckt so viel Arbeit und Liebe drin, dass es jetzt erstmal nur darum gehen wird. Es werden in den nächsten Wochen noch drei, vier weitere Videos zu der Platte kommen, an denen wir gerade noch arbeiten, die aber alle wirklich mega cool werden! Außerdem habe ich irgendwo tief im Hinterkopf gerade die Idee, zwei-drei Songs von der Platte nochmal zu remixen. Also mit nem ganzen Bläsersatz, Drums und Sängerinnen die Stücke neu zu interpretieren. Das ist aber noch nicht spruchreif. 

I know what I want…

Das bisherige Feedback ist mega gut und das freut mich wirklich sehr! Auch wenn man die Musik immer wieder genau so gemacht hätte, ist es natürlich cool, wenn die Leute einem schreiben, dass sie die Sachen gut finden und feiern! Das Ziel ist ganz klar, dass so viele Leute wie möglich die Musik hören sollen. Daran arbeiten wir gerade und probieren an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Ich würde auch gerne mal wieder live spielen und zwar richtig mit Drums, Bläsern und Sängern dabei. Das ist das nächste Ziel!  

Look into the future… 

Jetzt wird erstmal „Clash“ abgefeiert! Ich wiederhole mich: Ich bin mega stolz und glücklich mit der Platte und das kosten wir alle zusammen in Ruhe aus. Auf jeden Fall wird es weiter gehen, es bringt einfach zu viel Spaß und ohne geht nicht! Wenn es dann Neues gibt, wird es so laut sein, dass es jeder mitbekommt!

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