Vom Schüler zum Mentor. AchtViers Weg zu “Mr. F”

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Über den Ausstieg bei der 187 Strassenbande wurde wohl genug gesprochen. Dass ihn die Zeit zwischen Bonez MC und JamBeatz kreativ geprägt hat, lässt sich dennoch nicht von der Hand weisen. Allein der Do-It-Yourself-Ansatz, mit dem AchtVier sein noch in den Kinderschuhen steckendes Label Steuerfrei Money leitet sowie die gesamte Promo für das anstehende Album „Mr. F” umsetzt, zeugt von einem ähnlichen Grundgedanken.

Nach seinem relativ plötzlichen Ausstieg bei Hamburgs aktuellem Aushängeschild Nummer Eins, bei dem AchtVier seine ersten beiden Alben „Abstand“ und „Aufstand“ herausbrachte, stellte sich der Fizzle schnell auf eigene Füße. Der Vertrieb distri, den auch die 187-Kollegen zu der Zeit nutzten, blieb allerdings der selbe. „Wohlstand“ folgte auf „Aufstand“ und konnte sich 2014 auf Platz 19 der Charts etablieren. In den beiden Folgejahren erschienen AchtViers viertes Album „Molotov“ und das Kollabo-Projekt „50/50“ mit Said. Auf „Molotov“ erfüllte sich der Hamburger einen lang gehegten Traum. Für „Volle Kanne“ holte er sich Afrob mit einem Gastpart ran, welcher laut Eigenaussage den jungen AchtVier von Mobb Deep und Snoop Dogg auf deutschen Rap umstiegen ließ. Nebenbei markierte das Album, dessen Cover ebenfalls aus Paco Sanchez Feder stammt, des Hamburgers größten Erfolg bis dato. 2016 entschied er sich zu einem weiteren Schritt in die Unabhängigkeit. „Steuerfrei Money“ wurde gegründet. Mit ItanVeliTaimo und Holly füllte AchtVier seinen Roaster direkt recht ordentlich. Taimos Debüt „Horner Corner“ erschien im April diesen Jahres als erste Veröffentlichung des Labels, welches immer noch distri als Vertrieb nutzt.

Mr. F

Die Ankündigung von „Mr. F“ erfolgte schließlich klassischer Weise sehr früh. Schon bevor es überhaupt ein Cover oder eine Tracklist gab, stellte der Hamburger auf Facebook klar, dass es keine normale Premium Box geben wird. Stattdessen überlegte sich Mister Fizzle mit dem sogenannten Artbook eine ehrliche Sammler-Edition für seine Anhängerschaft. Das Format täuscht auf den ersten Blick, hat es doch die ungefähre Größe einer Vinyl. Aufgeschlagen zeigen sich allerdings drei CDs, inklusive einer EP mit Protegé Taimo, sowie eine Art Booklet in Übergröße. Auch klassischen Interviews verwehrt sich AchtVier. Allgemein betreibt der Label-Boss eine unkonventionelle Form der Promotion. Er überträgt den klassischen Hustle um Support und einer langen Vorlauf-Phase mit seinen Auftritten im sozialen Netz. AchtVier geht, wie schon sein ehemaliger Mentor, Bonez MC, unter fast jedem Facebook-Post auf die Kommentare ein, veröffentlichte bereits fünf Singles, denen heute Nacht zum Album-Release noch ein weiteres Video folgen soll. Nebenbei hat er noch Zeit sein Steuerfrei-Roaster zu erweitern. Neustes Steuerfrei-Mitglied Buddha haut mit seinem Debüt-Video mal eben einen astreinen Boom-Bap-Abgesang auf den in Deutsch-Rap-Kreisen oft vernachlässigten kleinen, grünen Bruder des 50€-Schein raus. Bereits jetzt erntete das Video über 100.000 Youtube-Klicks.

Mit dem zweiten Album auf Steuerfrei Money ist heute Nacht mit dem digitalen Release von „Mr. F“ der Punkt erreicht, auf den AchtVier mehrere Monate hingearbeitet hat. Am Freitag darf dann gefeiert werden. Mit zahlreichen special Guests von naheliegenden Artists wie Taimo und Buddha wird unter Anderem auch Sxtn-Hälfte und gute Freundin Nura im Indra Club und später auch direkt auf der Reeperbahn zugegen sein. Bis November dürfte dann erstmal ein wenig Ruhe einkehren im Hause Steuerfrei. Dann geht es allerdings schon mit einer kleinen Tour durch Berlin, Rostock, Lübeck, Saarbrücken und Dresden weiter.

Musikalisch darf man sich auf einen explosiven Cocktail Hamburger Straßenrap freuen. Die bisherigen Einblicke in Fizzles Album Nummer Fünf bleiben zum Teil klassisch auf Ansage, wie Aufschlag-Video „Hallo Deutschland“ und gehen bis zur modernen Synthie-Homage auf St. Paulis bekannteste Schänke die Ritze. Produziert wurde das Album von Hamburg Urgestein Darko Beats, sowie ZMY DaBeat und 2Red. Das jüngste Video zum „Outro“ von „Mr. F“ zeigt zudem Seele. Schluss mit durch Silikon optimierten Frauen im Waschsalon oder Koks vom Autoschlüssel, AchtVier erzählt zu drei Vodka-Shots in einer urigen Kneipe seine Geschichte. Selbstreflexion gehört ebenso zu seinem Charakter wie Sprühen auf dem Kiez. Das grandios lila stahlende Cover zur von Indie-Legende distri vertriebenene CD malte einmal mehr Hamburgs Tattoo- und Graffiti-Instanz Paco Sanchez.

„Mr. F“ wird heute Nacht pünktlich zur Geisterstunde digital und ab dem morgigen Vormittag auch haptisch verfügbar sein. AchtVier liefert damit an einem der wohl Release-Stärksten Wochen im Deutsch-Rap-Jahr 2017 den harten Gegenentwurf zu Caspers höchst antizipiertem „Hinterland“-Nachfolger „Lang lebe der Tod“ sowie Rins Hochglanz-Debüt „Eros“. Verstecken muss sich die Platte direkt aus Hamburgs Vergnügungsviertel jedoch keines Falls.

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Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt ganz gut seinen Charakter.

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