Abroo: „Entertainment funktioniert eben schlecht mit Inhalten“

Wie stehst du zu aktuellen Deutschrap-Trends wie beispielsweise dem Aufkommen des Subgenres Cloud Rap?

Abroo: Dafür habe ich noch nicht genug Hustensaft getrunken. Dieses „Geldstapel ans Ohr halten“ in den Videos raffe ich nicht. Wegen der Redewendung „money talks“ oder weshalb macht man das? An sich ist es mir aber auch relativ wumpe. Ich höre zwischen 3-6 Alben am Tag. Da sind aber andere Genres vertreten wie Psychedelic Rock, Jazz, Krautrock oder Funk. Deutscher und amerikanischer Rap kommt auch auf meine Rotationsliste aber sehr wenig und nur die Trüffel ,nach denen ich gegraben habe. Aus diesem Land gibt es nur noch 2 Hände voll, die ich kaufe und höre.

Für viele Künstler ist es heutzutage normal, im Jahresrhythmus Alben zu releasen. Wo siehst du die Vor- und Nachteile?

Abroo: Der Vorteil ist, dass man regelmäßig stattfindet und nicht wieder vergessen wird in dieser schnell- lebigen Zeit. Aber man muss dann auch abliefern, auch wenn man vielleicht nicht viel zu sagen hat. Es ist halt eben auch ein Geschäft mit Nachfrage und Angebot. Marktwirtschaftsproblem Nummer 1: Qualität. Es geht eben oft um die Quantität und den Absatz.

5 Alben von einem Künstler pro Jahr ist einfach auch zu sättigend.

Ich lasse mir lieber Zeit. Wobei 2016 ein Ausnahmejahr in meinem Fall wird. Es kommt jetzt das Solo-Album. Dann ein Album mit einem anderen Rapper und einem Produzenten zusammen als Gruppe und natürlich noch die schon aufgenommene Antihelden- Platte. Da hatte sich über die Jahre wohl was angestaut.

Der Autor Dirk Bernemann hat einen Begleittext zur Platte geschrieben, der den Titel „Wovor ich wirklich Angst habe“ trägt. Wie kam das?

Abroo: Wir kannten uns schon eine ganze Weile. Kennengelernt haben wir uns 2010 zum damaligen Antihelden-Album „Kein Happy End“. Ich erwähnte ihn auf einem der Lieder und wir kamen über das Internet ins Gespräch. Nach einigen Treffen bei Lesungen und Konzerten wollten wir zusammen etwas für meine Solo-Platte machen. Das gefiel mir so gut, dass ich es als Printversion und als Hörbuch draufhaben wollte. Sein neues Buch „Vom Aushalten ausfallender Umarmungen“ durfte ich auch schon lesen und es ist wieder mal der Wahnsinn. Bin eben auch sein Fan.

Wovor hast du wirklich Angst?

Abroo: Dass noch mehr Zeit und Platz mit Duckface-Bildern verschwendet wird. Vor dem blinden Folger- Gen des Deutschen. Vor der Idiotie, dass um es denen „da oben mal richtig zu zeigen“, Leute gewählt werden, die es noch weniger können und gar nicht erst versuchen sollten. Vor mp3 Dateien auf Edel-Anlagen in viel zu tiefgelegten Schwanzverlängerungen. Vor Interviews, die mehr Klicks haben als die Musik-Videos des Interviewten. Davor, dass Menschen Kommentare und Statusmeldungen jeglicher Literatur vorziehen. Vor Höhen. Vor dem Falschverstandenwerden.

The following two tabs change content below.
Hausinterner Flachwitz-Generator!

Neueste Artikel von Benjamin (alle ansehen)

Seiten: 1 2

Razer

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.