A Bier. A Musi. Holladrio.

Mundart Rap

Mundart-Rap aus Bayern

Was macht den Freistaat Bayern aus? Die Antwort auf diese Frage variiert je nachdem, wen man fragt: Für die bayerischen Lokalpatrioten sind es vielleicht die weiten Gauen, die der Weißblaue Himmel, es ist die Gemütlichkeit, das Wir-Gefühl. Für die weniger Patriotischen mag es latentes Spießertum eher treffen, Polizeiwillkür vielleicht auch ein bisschen. Und für alle Nicht-Bayern ist das Bundesland rechtsunten ohnehin meist ein großes Mysterium. Doch ganz egal, von welcher Seite man auf den Freistaat schaut, so hat er doch eins: Eine lebendige Rap-Szene, die sich nicht für ihre Lederhosen schämt, sondern sich nach guter alter Bayern-Tradition ganz groß auf die Weißblaue Fahne geschrieben hat.

Mundart-Rap an sich ist nichts Neues in der Szene – Nordisch by Nature winkt aus der Fischsuppe von 1995. Auch der Schweizer Phenomden sollte vor allem Reggae-Affinen ein Begriff sein, ebenso Trettmann, der seine Karriere noch in breitem Sächsisch begann – Stichwort „Deutsches Patwa“

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In Sachen bayerischer Mundart-Rap ist die Sache dann aber oft noch einen Tick komplizierter. Denn neben dem Dialekt kommt hier oft noch eine ganz spezielle Würzmischung aus Breznsalz und Schnupftabak hinzu. Der Bayern Vibe, die Bayaman Culture, wenn man so will. Und die ist mitnichten immer spießig. Auch in der Krachledernen regiert die Street Credibility.

Doch so vielfältig der Freistaat auch in seiner Kultur und seiner Sprachvielfalt ist, so unterschiedlich sind auch die Rap-Künstler. Natürlich fällt zunächst der Fokus auf die Hauptstadt München. Noch immer dürfte die Stadt, wenn es um Rap geht, in einem Atemzug mit Blumentopf, Feinkostparanoia und Creme Fresh genannt werden. Dass hier auch der Südstaaten-Slang regiert, zeigt beispielsweise der Boazn Kini Harry G (eigentlich eher für unterhaltsame YouTube-Videos bekannt) mit seiner Giasinger Crew.

Ein weiterer Vertreter des Genres findet sich im Dunstkreis von Creme Fresh – Monaco F. Bekannt ist er zusammen mit Doppel D vor allem für reduzierte Beats und einer ordentlichen Portion Oldschool in der Krachledernen. Doch scheint, dass sich das Epizentrum des Bayernraps – passenderweise – abseits der großen Stadt befindet.

Also auf nach Niederbayern, wo „Die dopen Zipflschwinga“ von Dicht & Ergreifend den Bazi-Style partytauglich gemacht haben. Gut, mittlerweile hat es auch die beiden Bajuwaren in den nördlichen Sündenpfuhl namens Berlin verschlagen. Doch den Niederbayern-Style haben sich George Urquell und Lef Dutti auch in Preußen nicht nehmen lassen. Nicht nur, dass das breite Niederbayerisch in ihren Raps eine deutliche Sprache spricht, auch bei der Beat-Auswahl lassen sich die Beiden durch und durch von ihrer Heimat inspirieren. Eine Tuba knallt eben mindestens genauso wie eine Bassgitarre. Wenn es dann noch thematisch typisch zugeht, ist der (Leber)Käs gegessen: Beim Wanderoog geht’s quer durch die Niederbayerischen Käffer, beim Zipflschwinga wird die Regensburger Dult gerockt .

Apropos Regensburg: In der Oberpfalz trifft der Wandersmann auf der Suche nach dem ultimativen Bayern-Bashment unweigerlich auf Bbou, der eigentlich ein Stückchen weiter an der Vils (muss man nicht kennen) seine Homebase hat. Bbou, das ist der bärtige Jesus-Typ mit den Tattoos, der sich Weizn ins Xicht kippt und dabei Kraut raucht. Wo wir bereits bei einer weiteren Grundkonstante des bayerischen Rap neben dem Dialekt sind: Klar, in Bayern raucht man auch Gras. Doch in Bayern trinkt man auch Bier, und zwar massenweise. Die bayerische Bierzelt-Kultur findet sich also auch erstaunlich oft im Kontext des Weißblauen Raps wieder – und das keinesfalls spießig-altbacken. Beispiel gefälligst? Bbou als Bayern-Hafti zeigt’s eich: Bazis wissen, wer da Bbou is!

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Und wer Bbou sagt, muss auch Liquid sagen. Bei seinem Spezl Harold Merl aus Regensburg verfließen die Grenzen der Klischees nun endgültig. „A Necher, aber kei Preiß?“ – das kann nur der Bavarian Barbarian sein. .

Etwas skurril wird es dann erst, wenn sich die beiden kongenialen Oberpfälzer Weltbürger zusammentun und über Blasmusik rappen – so geschehen auf der denkwürdigen EP „Volksmusik 2.0“ aus dem Jahre 2012. Heute ist Liquid noch immer mit Bbou unterwegs, meist jedoch eher mit Maniac von den Demograffics. Letzterer verbindet den bayerischen Straßenslang sowohl sprachlich, als auch kulturell mit seinen Erfahrungen aus Amerika, wo er in North Carolina einen Teil seines Lebens verbracht hat. Und da schließt sich wiederum der Kreis zwischen bajuwarischer Eigenbrötlerei und dem globalen Movement namens Hip-Hop. Musik – und das gilt natürlich vor allem auch für Rap – kennt eben keine Grenzen und macht nicht einmal vor denen des Freistaats Halt.

 

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Bei Mr. Doctor gelernt, bei Large Professor den Abschluss gemacht: Ob als Journalist oder einfach nur so, Flo steht auf diesen Hip Hop Scheiß - vom dreckigen Süden bis hoch zur Hansestadt.

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