BACKSPIN unterwegs: beim Reeperbahnfestival

thumb_DSC04144_1024Menschenmassen auf dem Hamburger Kiez, eigentlich nichts ungewöhnliches. Wenn sich allerdings mehr als 30000 Leute auf einmal auf der Reeperbahn herumtreiben fällt auch dem durchschnittlichen Touristen auf, dass da irgendwas Besonderes los sein muss. Bei dieser Besonderheit handelt es sich in der Regel um das Reeperbahnfestival, das seit nunmehr 10 Jahren im September die bekannteste Straße Hamburgs noch mehr füllt als es ohnehin schon der Fall ist. Das Festival hebt sich allerdings in einem ganz besonderen Punkt von anderen ab, es gibt keine große Bühne, nein, es gibt mehr als 70 kleine Bühnen und dementsprechend auch ziemlich exklusive Konzerte für die Besucher, die mit dem Ticket Zugang zu allen Locations haben; vorausgesetzt sie sind schnell genug, denn nicht nur einmal ploppte am Wochenende auf meinem Handy die Meldung „Einlassestopp bei Künstler XY auf“. Auf den zahlreichen Bühnen bietet das Festival viele Newcomer und Geheimtipps, aber auch den ein oder anderen Star. Wir von BACKSPIN waren natürlich auch unterwegs auf’m Kiez und haben besonders auf die Hip-Hop Präsenz beim zehn-jährigen Jubiläum des Reeperbahnfestivals ein Auge geworfen.

Tag 1

Es ist Mittwoch, eigentlich ein ungewöhnlicher Tag für den Festivalstart, aber wie schon erwähnt, das Reeperbahnfestival hebt sich von so ziemlich allen anderen „konventionellen“ Festivals ab.
Für heute steht noch nicht wirklich viel auf dem Plan, ich mache mich also erst nach Feierabend auf den Weg vom Büro zur Reeperbahn. Angekommen ist auch noch nicht wirklich viel los, es ist nunmal ein früher Mittwochabend. Zuerst geht der Weg zum Pressezelt, den Presseausweis und den Fotopass holen. Danach solle es zu LOT, thumb_DSC02921_1024einem er Musiker aus dem Hause Chimperator Department, dem Schwesterlabel von Chimperator Productions, gehen.
Schon hier zeigt sich ein weiterer wahrscheinlich einzigartiger Punkt des Reeperbahnfestivals. Die unglaublich langen Wege zwischen den einzelnen Locations. LOT spielt in der Sky-Bar des Molotows also genau am anderen Ende der Reeperbahn. Angekommen geht es nach oben, die Bühen heißt ja nicht umsonst „Sky-Bar“. Bereits etwa 50 Leute warten vor der Bühne, LOT unterhält sich neben der Bühne mit einigen Fans. Punkt 20 Uhr geht es dann los, Nach und nach betritt die Band die Bühne, als letzter dann LOT. Er präsentiert dem mittlerweile rappelvollem Molotow sein Debüt-Album „200 Tage“. Für die vier Musiker inklusive Schlagzeug und Keyboard ist die Bühne beinahe zu klein, so findet sich bereits beim zweiten Song eine Monitorbox in der ersten Reihe des Publikums wieder. Doch diese kuschelige Atmosphäre sollte auch an den folgenden Tagen den Charme des Festivals ausmachen.
Nach nur etwa 45 Minuten ist der Auftritt, dann vorbei, der Zeitplan ist bei 400 Auftritten ziemlich eng gesteckt. Für mich soll es heute der einzige Auftritt gewesen sein, es geht also ab in die S-Bahn und nach Hause. Noch ein Punkt, in dem sich das Reeperbahnfestival von der Konkurrenz abhebt, so etwas wie einen Zeltplatz gibt es nämlich nicht, entweder man kommt aus Hamburg oder quartiert sich für die vier Festivaltage in einem nahegelegenen Hotel ein.

Tag 2

Am zweiten Tag, dem Donnerstag, steht der BACKSPIN-Abend an. LGoony, Romano und MC Bomber sollen, präsentiert von BACKSPIN, im Moondoo auf der Bühne stehen. Doch zuerst geht der Weg in die Redaktion, musikalisch geht es beim Reeperbahnfestival nämlich immer erst abends los. Tagsüber ist das Programm von Talkrunden, Diskussionen und Infoveranstaltungen, vornehmlich von und für Leute aus der Musikindustrie, geprägt. Auch hier ist BACKSPIN präsent. In einer Diskussionsrunde zum Thema, wie Musikjournalismus sich im digitalen Zeitalter entwickeln sollte, nimmt Niko als einer der Sprecher platz und diskutierte über die Finanzierung von Printjournalismus und aufwendigen Reportagen in einer Zeit in der das Internet solches durch Gratis-Content erschwert. Im Anschluss geht es direkt zur nächsten Talkrunde. Sookee, Thees Uhlmann, Monchi von Feine Sahne Fischfilet, Andre Rothaug von RockCity Hamburg und Stefan Rath, Manager von Tocotronic sprechen darüber wie wichtig es ist, als Künstler Haltung zu zeigen uns seine Stimme zu nutzen um für Ideale einzustehen. Sookee erklärt im Zuge dessen, das es für nicht in Frage käme auf einem Festival zu spielen auf dem auch eine rechtsradikale Gruppe Platz fände.

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Nach einer kleinen Pause steht der Helga-Award auf der Agenda. Seit drei Jahren wird „Der Helga“ vom Magazin „Festival-Guide“ für die besten Festivals verliehen, wer den Award bekommt entscheidet eine Jury aus Künstlern, in der unter anderem Haftbefehl, Cro oder OK KID sitzen, der Preis für das „Beste Festival“ allerdings ist ein Publikumspreis. In diesem Jahr übernahm erstmals nicht Carsten Schumacher die Moderation, dieser meldete sich zu Beginn via Videobotschaft aus dem Krankenhaus. Seinen Platz übernahm der Sänger Bernd Begemann, der, immer mit einem gehörigen Augenzwinkern, durch die Verleihung führte. Das splash!-Festival, das 2015 nur für den besten Festivalansager, nämlich Roger Reckless, nominiert war, ging leider leer aus, auch sonst gab es für Hip-Hop in dieser Saison nichts zu holen.

Im Anschluss an die Verleihung stand eins meiner persönlichen Highlights des Wochendes an, eine  Preview des Films „Blacktape“ von Sekou Neblett mit ihm, Falk Schacht und Marcus Staiger als Ungleiches Trio in den Hauptrollen. Etwa 25 Minuten des 90-minütigen Films gab es zu sehen, anschließend wurde von den drei Protagonisten über die Entstehung des Projekts gesprochen. Um was genau es sich bei dem Film nun handelt, ob es eine Dokumentation über den Ursprung des deutschen Hip-Hop oder eine geschickt eingefädelte Mockumentary ist will ich an dieser Stelle nicht vorweg nehmen, einen Kinogang ist „Blacktape“ aber allemal wert.
Von da aus ging es dann schnell weiter zu nächsten Filmpremiere, diesmal im „Viva con Agua Block“. Erneut mit Marcus Staiger. Ob da noch eine Karriere im Filmbusiness drin ist?
Die RAPortage #WaterWater der Hamburger Organisation „Viva con Agua de Sankt Pauli“ stellt die Weiterführung der 2013 veröffentlichten Doku „BLUGANDA“ dar. Für #WaterWater reisten Marteria, Maeckes, Paul Ripke und Marcus Staiger nach Kenia um dort Projekte der Organisation zu betreuen und sich für sauberes Trinkwasser für die Bewohner des Landes einzusetzen.

Jetzt ist es endlich soweit. Der BACKSPIN-Abend geht los. Das Moondoo füllt sich, als erstes gehört die Bühne dem Newcomer LGoony, der unter anderem Die Orsons und Casper, der sein aktuelles Tape sogar mit einem seiner seltenen Feature-Parts veredelte, zu seinen Fans zählen kann.

Gemeinsam mit DJ Heroin bietet er den Besuchern die Hits seines „Space Tapes“ und des nur zwei Tage zuvor erschienenen Grape-Tapes, die Zeichen stehen auf Turn-Up. Gut eine Dreiviertelstunde dürfen sich die Fans an den Songs des grade einmal 19-jährigen Talents erfreuen, unteranderem seine Internethits „Millionen Euro“, „Fly Shit“, „Wasser“ oder „Lambo Gallardo“, der allerdings ohne den Kollabopartner Money Boy auskommen muss, haben es in die Setlist geschafft. Dann muss sich das Glo-UpDinero-Gang-Mitglied bereits von der BACKSPIN-Bühne verabschieden.

Nach einer kleinen Umbaupause soll dann Romano den Anschluss machen. Der Köpenicker Künstler lässt sich, allein von seiner Internetpräsenz ausgehend mit Sicherheit als „außergewöhnlich“ beschreiben. Auch wenn das aktuelle Album „Jenseits von Köpenick“ die Top 30 der Charts knapp verpasste, scheint der Berliner eine sehr große Fanbase sein eigen nennen zu können. Nach und nach fülle sich das Moondoo in der Umbaupause immer und immer weiter. Mittlerweile konnte man sich kaum vom Fleck bewegen. Ich war selten so froh, das auf meinem Handy plötzlich die Benachtigung „Einlassstop bei Romano (Moondoo)“ einging, mehr Leute hätten auch wirklich nicht mehr in die Diskothek gepasst. thumb_DSC03356_1024Umso schwieriger gestaltete es sich dann, einigermaßen nah an die Bühne zu kommen, schließlich wollte ich auch ein Foto für diejenigen, die zu spät gekommen sind und sich durch diesen Bericht ein Bild vom Auftritt machen können, erhaschen.
Schließlich war es soweit, der Auftritt Romanos sollte beginnen, ich war wirklich gespannt was mir dieses musikalische Phänomen auf der Bühne bieten könnte. Das Intro zumindest erinnerte mich zuerst sehr an das Festivalintro von Marterias Alter Ego Marsimoto. Nach und nach betrat die Band des Künstlers, begleitet von vereinzelten Stroboblitzen die Bühne, plötzlich blitze es erneut auf, Romano steht bereits auf der Bühne. Den Anfang macht er mit seinem Song „Der schöne General“ und hat sofort das Publikum auf seiner Seite. Im Laufe seiner Bühnenshow nimmt er die zahlreichen Zuschauer mit dem „Sex Train“ in seine Heimat Köpenick mit, zeigt ihnen seine geliebte „Metalkutte“ und wer dann noch nicht mitgeht, bekommt einfach einen liebevollen „Klaps auf’n Po“. Für mich war Romano wohl der überraschendste Aufritt im Rahmen des Festivals, auch wenn ich bis heute nicht wirklich viel mit seiner Musik anfangen kann. Die Bühne dominiert der Berliner, der auch mal einen Ausflug in die Schlagerwelt wagte, mit seiner Person allemal.

Für einen gelungenen Abschluss des BACKSPIN-Abends sorgte schließlich MC Bomber. Zusammen mit MC Shacke aka SchackeOne wurde die Bühne nach allen Regeln der Kunst mit Berliner Rap-Shit auseinander gepflückt. Neben den Hits aus ihrem Kollabo-Projekt „Nordachse“, für das sie auf der Bühne gleich einen zweiten Teil ankündigten, sorgten sie  besonders mit der neuen EP Bombers „Storch oder Affen“ für Stimmung im Moondoo. Wie sie im Anschluss im Gespräch berichteten seien sie selbst allerdings nicht so mit dem Publikum zufrieden gewesen. Sie erwarteten, das sich die Fans in der Crowd auch “auf die Fresse hauen“. Mit ihrer Liveshow können die Beiden, die für ein Revival des 2000er Berliner Boom-Bap stehen, trotzdem zufrieden sein.
So neigte sich auch der zweite Tag dem Ende entgegen. Die erste Hälfte des Festivals war damit bereits vorbei, doch für die nächsten zwei Tage stand noch einiges auf dem Plan.

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Tag 3

Den Freitag des Reeperbahnfestivals werdet ihr bald in großen Teilen auch auf BACKSPIN-TV finden können. Für den dritten Tag standen, wie schon am Vortag, zu Beginn einige Talkrunden auf dem Programm. Den Anfang machte die Diskussion „Kuck auf mein Business – Wie man deutschen Hip-Hop zu Geld macht“ die von Falk moderiert wurde. Zu Gast waren Fritz Krings, Bruder von Carl Crinx, der zurzeit mit MC Rene die Kollaborationen „Renessance“ und „Perpetuum Mobile“ herausgebracht hat. Fritz ist Leiter bei Peripherique Records und damit auch unter anderem für die Veröffentlichung der zuletzt genannten beiden Tonträger seines Bruders verantwortlich. Zu den beiden gesellte sich Kristof Jansen, der Manager des größten unabhängigen Vertriebs in ganz Deutschlang, nämlich Groove Attack. An ihrer Seite sollte außerdem KC Rebell aus dem Banger-Musik-Camp Platz nehmen, dieser sagte allerdings erst am Vorabend ab. Seinen Platz in der Runde nahm Ramin Bozorgzadeh, ehemaliger Leiter von Groove Attack, mittlerweile Director des neuen Universal-Sublabels „Chapter One“, ein.

Gemeinsam sprachen sie im Schmidt Theater darüber, warum gerade Deutsch-Rap in den letzten vier Jahren die Charts derartig dominiert. Auch die ständig diskutierten „Deluxe-Boxen“ die zumeist exklusiv über Amazon vertrieben werden wurden zum Thema des Gesprächs. Zu welchem Ergebnis die vier Experten schließlich kamen könnt ihr bald bei BACKSPIN TV sehen.

thumb_DSC03749_1024Im Anschluss diskutierte Falk weiter. Bei „Fremd im eigenen Land“ wurde darüber gesprochen wie integrationsfördernd oder -hindernd Deutscher Rap ist. Hierzu hatte er sich Chefket und Alpa Gun von Seiten der Rap-Szene sowie Omid Nouripour als Bundestagsmitglied von der Partei Bündnis90/Die Grünen in die Alte Liebe ins neue Clubhaus St. Pauli eingeladen. Letzterer sagte allerdings ebenfalls sehr spontan ab. Doch Falk wäre nicht Falk, wenn er dieses Problem nicht innerhalb von 4 Stunden lösen könnte. Den Platz des Politikers nahm schließlich Christoph Rybarczyk vom Hamburger Abendblatt, der ein Gespräch mit seinem Sohn Louis veröffentlichte, in dem er sich mit den zumeist harten Texte im deutschen Rap auseinander setzt. Im Laufe der Diskussion stellten alle, auch anhand ihres Werdegangs ihre Verbindung zu Deutschrap dar, wie sie zum Diskussionsthema stehen und auch inwiefern auch Musik überhaupt, losgelöst von für Verbindungen zwischen Menschen sorgen kann. Alpa Gun sah einen größeren Integrationhelfer im Sport. Zudem wurde auch über die Vertretbarkeit sexistischer und homophober Raptexte diskutiert, ein Thema über das bereits im BACKSPIN Stammtisch mit Fler, Falk Schacht und Tobi Schlegel gesprochen wurde. Die komplette Diskussion gibt es ebenfalls bald bei BACKSPIN TV zu sehen.

thumb_DSC03759_1024Als nächster Termin war dann der zweite Teil des beliebten Talks zu „Hip-Hop Family Tree“, einem Graphic-Novel von Ed Piskor über die Entstehung der Hip-Hop Kultur an der Ostküste Nordamerikas. In diesem Jahr wurde von Niko und Falk der zweite Band der Buchreihe besprochen, da Letzterer für die Übersetzung ins Deutsche verantwortlich zeichnet. Volume 2 der Buchreihe, die in Amerika bereits drei Bände umfasst, beschäftigt sich unter anderem mit der Ausweitung der Hip-Hop Kultur von der Ost bis an die Westküste und somit der Gründung von N.W.A  oder auch der Entstehung von Rick RubinsDef Jam Records“ beschäftigt. Gespickt wurde das ganze mit Fachwissen Falks, wusstet ihr zum Beispiel, dass das J im Def Jam Logo eigentlich ein abgeschnittenes U ist? Den kompletten Talk mit vielen weiteren coolen Infos und Anekdoten werdet ihr bald ebenfalls bei BACKSPIN TV sehen können.

thumb_DSC03790_1024Nachdem damit auch das letzte Format abgedreht war ging es schon wieder in den Dschungel aus Konzerten. Da es mittlerweile Freitag war mischten sich zudem Touristen und Leute die einfach feiern wollten unter die Festivalbesucher, es war also ziemlich viel los auf der Reeperbahn.
Zuerst ging es zu RDGLDGRN, einer US-Band aus Virginia, die Rock und Hip-Hop im Stile von Linkin Park oder Limp Bizkit miteinander kombinieren und dessen Sänger eine verblüffende Ähnlichkeit zu Schoolboy Q aufweist. Getreu dem Bandnamen trug jeder ausschließlich eine der drei Farben, sie stellten sich sogar als Red, Gold und Green vor.
Dass sie gut in dem sind was sie machen hat auch bereits Pharrell erkannt, der für einige Produktionen auf der Debüt-EP der drei Musiker verantwortlich zeichnet.  Auch beim Hamburger Publikum konnten sie punkten, denn obwohl sie einer der Opening-Acts am Freitag waren füllten sie die Große Freiheit 36 und sorgten für eine grandiose Stimmung unter den vielen Gästen.

thumb_DSC03999_1024Im Anschluss ging es weiter zum wahrscheinlich meist erwarteten Auftritt des gesamten Festivals. Hier zeigte sich der Vorteil des Pressepasses, denn das Ende der Schlange vor den Docks war vom Eingang schon nicht mehr zu sehen. Denn der folgende Teil des Abends stand im Zeichen des Satzes „Hip-Hop braucht kein Mensch, aber Mensch braucht Hip-Hop“. Um 22 Uhr sollten im Rahmen der „Warner Music thumb_DSC04050_1024NightFünf Sterne Deluxe auf der Bühne stehen. Nachdem das Bühnenbild, eine Bar, aufgebaut war, ging das Spektakel schon los. Der Auftritt begann damit, dass zwei Männer, der eine mit einer Putin-, der andere mit einer Obamamaske die Bühne betraten. Als schließlich das gesprochene Intro vorbei war, setzte der Beat ein, Tobi Tobsen und das Bo stürmten auf die Bühne und stiegen ein mit der Frage „Was siehst du?“ die Crowd antwortete „Fünf Sterne!“
In der nächsten Stunde folgten Klassiker wie „Dein Herz schlägt schneller“ „Wir sind im Haus!“ oder ihre Parts des Hamburger Klassikers „Nordisch by Nature“.  Freude auf das für nächstes Jahr angekündigte neue Album kam dabei allemal auf.

Die wahrscheinlich verrückteste Bühne bot allerdings ein Act außerhalb der Rap-Welt. Die Jazz-Punk-Band Bazzookas aus Amsterdam spielte nicht auf einer herkömmlichen Bühne, sie brachten ihre motorisierte Bühne einfach mit und gaben an allen Tagen Konzerte in einem Schulbus. Ja ihr habt richtig gelesen, nicht auf, sondern in einem Schulbus. Zusammen mit acht Musikern inklusive Instrumenten und Schlagzeug bot sich den Zuschauern eine Party sondergleichen.

thumb_DSC04130_1024Etwa zur gleichen Zeit wurde auch auf der anderen Straßenseite gefeiert. Bei der Viva con Agua Blockparty standen OK KID auf der Bühne. Zu hören gab es allerdings keine eigenen Kompositionen, am heutigen Abend war die Band lediglich hinter den Reglern zu finden. Genauer gesagt Raffi der Drummer der Band. Die beiden anderen, Jonas und Moritz, animierten gelegentlich die Leute von der Bühne aus oder unterhielten sich entspannt mit ihren Fans, zwischenzeitlich zog es sie auch auf das anliegende Flachdach. Zum Ende ihres Sets wurden allerdings noch einmal alle drei richtig aktiv. Zur Zugabe fand man sie inmitten der Menge zusammen mit ihren Fans feiern.
Für das anschließende Finale sollte Denyo im Moondoo sorgen. Er sollte als Special Guest der „Panda-Party“ auftreten.
Den Anfang machte allerdings DJ Freez, Host der Panda-Party, der die Besucher des Moondoos gute zwei Stunden mit einem Hip-Hop Mix in Stimmung brachte. Gegen 2 Uhr in der Früh übernahm der „Beginner“ an den Decks. Zu hören bekam man neben Rap-Klassikern und aktuellen Hits auch den ein oder anderen Vers des Hamburgers. So fand der dritte Tag seinen zugegeben späten Ausklang in den frühen Morgenstunden.

Tag 4

Da war er plötzlich schon da, der letzte Tag des Reeperbahnfestivals. Etwas müde ging es für mich wieder auf den Kiez, das heutige Rap-Programm fand zum großen Teil bei der „Viva von Agua Block Party“ statt. Den Anfang machten hier „Thy Lytics“. Die Gruppe um zwei Brüder aus Kanada gehörte zu den vielversprechendsten Newcomern aus Übersee innerhalb des Festival-line-ups. Mit ihrer Show rissen sie schon am späten  Nachmittag die kleine Bühne in einem Innenhof an der Reeperbahn ab, und performten unter anderem vom Flachdach herunter auf dem sich OK KID am Vorabend noch entspannt hatten. Ziemlich beeindruckend, die Jungs sollte man wohl noch auf dem Schirm behalten. Den Anschluss machte Sickless aus Stuttgart. thumb_DSC04456_1024Das Oberhaupt der wirscheißengold-Crew präsentierte sich mit seinem Album „Horus“ ebenfalls bei Viva con Agua. Doch ganz allein war er nicht aus Stuttgart gekommen, mit Jay und Produzent und DJ Drum Quixote hatte er zwei Crew-Kollegen im Gepäck. Sickless, der unter anderem durch seine Teilnahme beim #MOT vom splash!mag von sich Reden gemacht hatte, konnte seine Fans auf den Beats von Hausproduzent Drum Quixote („nur der eine ist von Dexter, sonst macht er alles“) mitziehen und „Stuggi“ gekonnt representen.
Nun stand eins meiner persönlichen Highlights an. Nisse sollte in der Spotify-Lounge im Clubhaus St. Pauli auftreten. Der erste Auftritt mit dem Album „August“, wie er während eben diesem verriet. Zu sehen gab es in den 40 Minuten, die er spielte, einen der fannahsten Auftritte im Rahmen des Festivals. Der Sänger kam schließlich das ein oder andere Mal von der Bühne herunter und performte aus der Crowd weiter. Einen großen Sympathiebonus konnte auch die Band einheimsen, jeder der drei Musiker hatte mindestens 2 Instrumente an oder vor sich um die Songs mit der gleichen Intensität wie auf dem Album präsentieren zu können. Das ganze wurde vom Publikum gebührend belohnt, denn die Spotify-Lounge platze thumb_DSC04498_1024aus allen Nähten. Bei so einem Auftritt konnte sicherlich auch der Veranstalter nicht böse sein, dass Nisse ein wenig überzog und eine ausgedehnte Zugabe spielte.

Im Anschluss waren auf der Viva con Agua Blockparty Kobito von der Berliner Crew Tick Tick Boom auf der Bühne zu sehen. Die beiden Rapper und ihre DJane heizten den immer mehr werdenden Zuschauern gehörig ein und sorgten mit ihrem straighten „Zecken-Rap“ für ordentlich Stimmung vor der Open Air Bühne.
Nach ihnen stand dann mit Megaloh eins der Highlights des Festivals an. Auf der kleinen Bühne zeigte der Moabiter was seine Live-Qualitäten ausmacht. Von seinen „Auf Ewig“ Neuauflagen bekannter Deutschrap Hits über die Songs seines Debüt-Albums „Endlich Unendlich“ bis hin zu seinen Trap-Freetracks des letzten Jahres, der „Live-MC“ spulte einenthumb_DSC04827_1024 großen Teil seines jüngeren Machwerks ab und hatte das Hamburger Publikum dabei auf seiner Seite wie kaum ein anderer Act auf dem Reeperbahnfestival. Und auch Megaloh war nicht alleine gekommen, er holte Chefket, der ihn schon einmal auf Tour begleitet hat, auf die Bühne. Zusammen performten sie ihren Toursong „Live MCs“, danach überließ Megaloh die Bühne Chefket für seinen Song „Rap & Soul“. Plötzlich tauchte auch Megaloh wieder auf, allerdings nicht auf der Bühne, sondern auf dem Flachdach, das sich bereits OK KID und The Lytics zu Nutze gemacht hatten. Der Rest des Konzerts sollte von dort stattfinden. Das freute besonders die zahlreichen Gäste die es nicht mehr in den Viva con Agua Block geschafft hatten und nun auch von draußen einen Blick auf den Rapper werfen konnten. Von oben sorgte Megaloh für eine derartige Stimmung, dass immer mehr und mehr Leute den Weg zu Open Air Bühne fanden und sich auch eine große Crowd um den Viva con Agua Bock bis hin auf die Straßen bildete.
thumb_DSC04960_1024Der Abriss fand schließlich seine Vollendung in Megalohs Hit „Dr. Cooper“ bei der sich die Reeperbahnfestivalbesucher im Kampf um die „lauteste Stadt Deutschlands“ nicht schlecht schlugen.
Mit seiner Auflage des Beginnerhits „Hammerhart
fand auch eine gut gewählte Zugabe den Weg durch
die Boxen, ein definitiv würdiger Abschluss des Festivals.

Um es kurz zu machen, es war ein Festivalerlebnis der anderen Art. Das Reeperbahnfestival ist allein durch seine Struktur und die Organisation eine Einzigartigkeit in der Festivalwelt. Ich habe das bunte Musikprogramm auf dem Kiez auf jeden Fall liebgewonnen und es wird nicht mein letzter Besuch beim „RBF“ gewesen sein. Der Charme der Auftritte im kleinen Rahmen ist einfach toll und verschafft den Besuchern oft Konzerte die man wohl so schnell nicht wieder vergessen wird. 

Deshalb sage ich guten Gewissens: „Bis nächstes Jahr!“

 

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Yannick ist seit August 2015 Teil der BACKSPIN-Redaktion. Er kümmert sich um alles was mit Reviews und Kritik zu tun hat und studiert nebenbei noch Populäre Musik. Für Hip-Hop verzichtet er also auch mal auf seinen Schlaf - 'cause sleep is the cousin of death.

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