MoTrip „Mama“ (Review)

motrip_mama_cover_475Es gibt eine Vielzahl an Rappern, die man entweder hassen oder vergöttern kann. Kontroversen über die Musik an sich oder genutzte Promowerkzeuge gehören damals wie heute nun mal dazu und sind aus unserem Lieblingsgenre kaum noch wegzudenken. MoTrip ist vermutlich einer aus einer Hand voll Künstlern, auf die sich die Rapwelt einigen kann. Zuspruch von gefühlt allen Seiten und eine nahezu endloslange Liste an Featureparts sprechen für sich. Drei Jahre nach dem Debüt „Embryo“ folgt die lang ersehnte „Mama“. Während immer mehr Leute auf den Vlog-Zug aufspringen, betont MoTrip: „Ich bin kein Entertainer. Die Musik soll für sich sprechen.“

Ja, wir alle lieben es, wenn Mo das wahrscheinlich achzigste Wortspiel zum Thema „Mathematik“ zum Besten gibt (als hätte er sein Leben lang nach nichts anderem gesucht). Flows, Reime, Punchlines. Das alles hat MoTrip parat und stellt es erneut auf Songs wie „Trip“ oder „Wie ein Dealer“ eindrucksvoll unter Beweis. Nicht eine Line wirkt hier befremdlich oder in irgendeiner Art und Weise fehl am Platz. Man könnte meinen, dem Aachener gehen seine Texte von der Hand wie keinem anderen.

Doch so sehr die ersten Tracks vor Selbstbewusstsein auch trotzen, beschreibt sich MoTrip selbst in Interviews als zweifelnde Person – auch wenn der Zuhörer der Platte diese Seite nur selten aufblitzen hört. „Manchmal ist der zweite Schritt schwerer als der erste.“ Die Erwartungen an die LP stiegen ins Unermessliche. Seine Mutter verlieh ihm neuen Mut als er der Musik zeitweise den Rücken kehrte. Einer von vielen Gründen, weshalb die LP nun diesen Titel hat.

Neben stark performter Wortakrobatik und Selbstreflexion verleiht MoTrip auf dem Album vor allem seinem Unverständnis und seiner Wut Ausdruck. Zu viele Dinge, die den Rapper beschäftigen. Sei es die Tatsache, dass die Musik selbst an Wert zu verlieren scheint („Heute geht es nur noch darum, ein paar Klicks zu generieren.“) oder das Phänomen „Hype“ („Wer gehypt ist, könnte auch in einem Schuhkarton recorden. Trotzdem würden sie sagen: Es ist ein Supersong geworden.“) Hier widmet er sich auch ernsteren Themen, wirft jedoch zu keiner Zeit mit gefährlichem Halbwissen um sich: „Ein Teil der Menschheit fällt und verkümmert auf den Knien, damit ein Prozent der Welt durch sie das Fünffache verdient.“

Insgesamt fällt das Album im Vergleich zu „Embryo“ sehr viel eingängiger aus, ohne hier auch nur einmal den Gedanken an das Wort poppig zu verlieren. MoTrip weiß seine Stärken klar und deutlich auszuspielen – und das alles auf einem Albumkonzept, das aufgeht. Was kann man ihm also überhaupt vorhalten? Wenn man das wirklich will, dann vielleicht seinen Perfektionismus. Auf der anderen Seite zeichnet ihn dieser aber auch aus. Man möchte ihm seine Zweifel nehmen. Aber vielleicht hilft ihm ja nun der Blick auf eine bis dato mehr als gelungene Diskografie, diese ein wenig beiseite zu legen. Denn weitere drei Jahre möchte man ungern warten.

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Seit seinem Praktikum 2014 neben dem Studium der Medienwissenschaft für die BACKSPIN als Autor tätig, seit 2000 bereits von der Marshall Mathers-LP auf Ewig verdammter Hip-Hop-"Stan".

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