ASD „Blockbasta“ (Review)

asd_blockbasta_cover_475Man hätte es sich denken können. Nicht nur, weil die beiden auf dem mittlerweile zwölf Jahre zurückliegenden ASD-Album „Wer hätte das gedacht?“ erstklassiges Teamwork abgeliefert hatten. Sondern auch, weil Afrob und Samy Deluxe über all die Jahre auf der einen oder anderen Bühne immer wieder mal unter Beweis gestellt haben, wie groß ihr gemeinsamer Nenner ist, wenn es um Rap geht. Da lag – wenn auch ganz schön lang – das zweite Album quasi in der Luft.

Ganze 15 Songs bieten Robbe und Sam auf „Blockbasta“ feil. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Und weil die beiden eben richtige Rapper sind, fahren sie mit Max Herre und Nena gerade einmal zwei Feature-Gäste auf. Für die Beats zeichnen dieses Mal keine amerikanischen Producer wie DR Period, Diamond D, Waajeed oder J Dilla (RIP) verantwortlich. An deren Stelle sind nun Beatschmiede wie Bazzazian, Derek von Krogh, Abaz & X-Plosive oder DJ Desue gerückt. Der einzige, der sich rühmen kann, sowohl auf „Wer hätte das gedacht?“ als auch auf „Blockbasta“ mit einem Beat dabei zu sein, ist DJ Rocky.

Musikalische Abstriche muss man, im Vergleich zum Vorgänger, keine machen. So viel schon mal vorweg. Dabei wiegt das Erbe von „Wer hätte das gedacht?“ durchaus schwer. Findet sich auf dem Album doch zum Beispiel mit jenem vom Schweizer Yvan geschraubten Song „Sneak Preview“ eine der allergrößten Bomben, die hierzulande bisher auf Rap-Shows gezündet wurde. Mit „Legendär / Populär“ aber haben sie eine durchaus würdige Fortsetzung geschaffen. Die Energie, die der Song freisetzt, ist jedenfalls nicht weit entfernt von jener, die sich entfaltet, erklingt „Sneak Preview“.

Und doch ist auf „Blockbasta“ vieles anders. Den einst etwa von Waajeed und Dilla dargebotenen reduzierten Grooves folgen auf dem neuen Album große, geradezu bombastische Beats, die keine Zweifel aufkommen lassen, worum es geht: Rap abfeiern und den Hörer mitreißen, gerne auch mit ein paar instrumentalen Takten extra gen Ende des einen oder anderen Songs. Dem gegenüber steht, dass sich seit 2003 einiges getan hat im hiesigen Rap. Man könnte auch sagen, Afrob und Sam sind schon ein paar Tage länger raus aus der Schule als das Gros derjenigen, die derzeit das Geschehen dominieren. Was genau das bedeutet, offenbart sich hier und da zum Beispiel an einigen Inhalten sowie in den Vergleichen, die gemacht werden. Andererseits: Will man zwei Rappern, deren Debütalben 1999 respektive 2000 erschienen sind, dabei zuhören, wie sie 2015 in puncto Wortwahl und Wortschatz einen auf jung machen?

Hat man das mit sich ausgemacht, kann man „Blockbasta“ ordentlich wirken lassen. Man muss bloß aufpassen, dass es einen nicht umhaut, so groß kommen einige Songs daher. Sei es nun das albumeröffnende „Die Partei“, der gelungene „Tried By“-Verweis „Blockbasta“, das herrlich Reminiszenzen versprühende „Deadline“ oder das in bester „What a Job“-Manier daherkommende „Tortellini Augen“, das für manchen schon so etwas wie der Nachfolger von „Grüne Brille“ ist.

Inhaltlich wird auf „Blockbasta“ vor allem Rap präsentiert. Da mag vieles vielleicht erst mal etwas banal wirken, doch blitzen hier und da immer wieder Zeilen auf, welche die Haltung von Afrob und Samy Deluxe durchscheinen lassen. Und dann gibt es ja auch noch jene Strophen, die etwas tiefer blicken lassen.

Die größten Trümpfe, welche die beiden in ihren Ärmeln haben, stechen denn auch nicht mit um drei Ecken gedachten Vergleichen, unfassbarer Ignoranz, üblen Beleidigungen oder irgendwelchen vermeintlich spektakulären Doubletime-Passagen. Nein. Sie stechen durch dieses großartige Sich Abwechseln am Mic, das das Album nicht nur prägt. Es offenbart auch den Spaß an und die Liebe für Rap, die man haben muss, um so etwas aufzunehmen. Überhaupt die Vocals: Mal gescrewed, mal mit Autotune, mal mit Distortion-Effekt wie aus ‚nem Gitarrenverstärker, mal wie ein Sample eingesetzt, meist aber einfach straight forward spielen Afrob und Samy Deluxe gekonnt ihre Stärken aus, die im eben erwähnten Abwechseln genauso liegen wie in ihren schlichten Stimmfarben. Und ganz nebenbei wird hier mit Nena auch noch ein Featuregast aufgefahren, den man auf so einem Album bis vor kurzem wohl kaum erwartet hätte. Aber sie sieht eben etwas, was man selbst nicht sieht. So wirkt Nena an der Seite von Afrob und Samy Deluxe keineswegs wie ein Fremdkörper. Und doch fällt dieser Song ein klein wenig aus dem Rahmen. Im Vergleich zu den anderen Tracks jedenfalls ist er merklich ruhiger. Aber nach all dem Starkstrom, der zuvor aus den Boxen strömte, tut das der Energie von „Blockbasta“ keinen Abbruch.

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