Johi Mizu – „MDMD“

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Mit Indipendenza-Schützling Joshi Mizu dürfte der fleißige Hörer durchaus so etwas wie einen Hang zu Partys und gewissen Substanzen assoziieren. Zwar wäre es definitiv zu weit gegriffen zu behaupten, ganze LPs wären ausschließlich diesem Thema gewidmet. Nichtsdestotrotz spielt die Feierei laut eigener Aussage keine kleine Rolle in Joshis Leben. Während er auf seinem Streetalbum „ZU!Gabe“ noch auf eine Bandbreite elektronischer Synthies setzte, wurde das Folgealbum „MDMA“, was für „Meine Dimension und mein Alltag“ steht, in ein überwiegend asiatisches Soundgewand gehüllt. Nun folgt „MDMD“ beziehungsweise „Montag, der Morgen danach“. Die Zweideutigkeit ist auch hier nicht von der Hand zu weisen.

 

Wenn wundert es also, dass es auf der neuen LP „Introvenös“ losgeht? Oben erwähntes Gewand wurde mit Ausnahme der Singleauskopplung „Kim“ zurück in den Schrank gehängt. Die Entscheidung scheint die richtige zu sein. Auf Produktionsebene kommen die wie auf Joshis Leib geschneiderten Instrumentals dem Album „ZU!Gabe“ am nächsten. Hierfür zeichnen neben Indipendenza-Hausproduzententeam, den Steroids, Abaz, Gee Futuristic und Joshimixu verantwortlich. Letzterer steuert passender weise den Beat zum Song „Ä?“ bei, in dem auf humorvolle Weise Leute auf die Schippe genommen werden, die Joshi mit anderen Künstlern verwechseln. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Song „Ich bins nicht gewesen“, der wie eine moderne und ironische Version von Samys „Hab gehört“ daherkommt und ebenso für den einen oder anderen Schmunzler sorgt.

 

Die Feierhymne in Form von „Viva las Vegas“ und eine Art metaphorische Ode an den Alkohol („Johnny Skywalker“) sehen dem Rapper ähnlich. Wenigstens auf dem Track „Sorry“, dessen entspannter Beat mit Trompete in der Hook ihn zu einer extrem chiligen gute-Laune-Nummer macht, bekommt man zumindest für einen kurzen Moment den Eindruck, dass sich Joshi über die Schattenseiten der Feierei bewusst ist: „Und nach fünf Liter Wodka hab ich wieder gekotzt, und dass ich sechsmal beim Notarzt war, doch nie bei den Cops.“ Ein weiteres Highlight der LP stellt „Kim“ mit Kumpel und Trailerpark-Mitglied Sudden dar. Dass es funktioniert, sich über Diktatoren lustig zu machen, haben natürlich K.I.Z schon mehrfach bewiesen, dennoch macht der fast schon trashige Song durchaus Lust, ordentlich den Lautstärkepegel in die Höhe zu jagen. Zwischen den Zeilen lesen bzw. hören wäre allerdings ebenso wenig verkehrt. Auch die übrigen Features kommen mit Joka, MoTrip und Raf Camora aus Joshis nahem Umfeld und dürften die Wenigsten überraschen. Zudem geben sich noch BRKN und Karmo Kaputto die Ehre.

 

Der Schritt zurück vom asiasound-durchtränkten Klangbild steht Joshi Mizu gut, wirkten die Produktionen der letzten Platte zwar allesamt gut, doch im Gesamtbild ein wenig monoton. „MDMD“ fällt somit, was die Beats angeht, sehr viel abwechslungsreicher, aber dennoch in sich schlüssig aus. Thematisch bewegt sich Joshi in seinem uns bereits bekannten Gedankenkosmos, in dem er sich wohlfühlt, uns allerdings auch keine großen Überraschungen erwarten. Schwere Kost sieht anders aus. Dennoch knüpft die LP nahtlos an und legt qualitativ eine kleine Schippe auf seinen Vorgänger drauf. Rap- und flowtechnisch musste sich das junge Talent noch nie verstecken. Demnach macht „MDMD“ durchaus Spaß und wird den treuen Indipendenza-Fan in keinster Weise enttäuschen, vielleicht sogar die ein oder andere rauschhafte Stunde versüßen.

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Seit seinem Praktikum 2014 neben dem Studium der Medienwissenschaft für die BACKSPIN als Autor tätig, seit 2000 bereits von der Marshall Mathers-LP auf Ewig verdammter Hip-Hop-"Stan".

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