Gerard – “Neue Welt”

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Vor etwa zwei Jahren veröffentlichte Gerard sein letztes Album „Blausicht“. Eine sehr persönliche Platte, auf der viele autobiografische Geschichten erzählt wurden. Nun erfolgte der Aufbruch in die „Neue Welt“ – Solo-Album Nummero vier. Auf geht’s!

Mit dem Opener „Ein Gedanke“ führt uns Gerard in seine „Neue Welt“ ein und zeigt uns, in welche Richtung es gehen wird. Viele Synthies, dominante Drums, eingängige Hooks. Und vor allem: Aufbruchsstimmung!

Weiter geht es mit „Hallo“. „Ich lauf’ kurz einmal um die Welt, dann steh’ ich in deiner Tür / Sag: Hallo“, heißt es. Eine sehr angenehme Hook und ein leichter Beat sorgen für eine extrem runde Nummer.

Wer im Vorfeld die Videopremieren von Gerards neuem Langspieler verfolgt hat, wird auch an dem Clip zu „Höhe Fallen“ nicht vorbeigekommen sein. Der Grund dafür ist Google „Deep Dream“ – eine Technologie, die Videos einen sehr kunstvollen, psychedelischen Touch verleiht. So spannend das Video auch ist, die Audiospur hat wenig extravagantes.

Generell ist das ein Problem, mit dem der Österreicher zu kämpfen hat. Der Spagat zwischen einem runden Langspieler mit rotem Faden und trotzdem coolen Songs, die auch alleine ihre Daseinsberechtigung haben, ist nicht leicht.

Auf dem Song „Panorama“ bekommt Gerard – wie bereits auf „Blausicht“ – Unterstützung von den Kumpels von OK KID. Sehr starker Up-Tempo-Track, der nicht zuletzt dadurch glänzt, dass die Kölner eine Hook am Start haben, die ihnen besser nicht hätte auf den Leib geschneidert sein können.

Nachdem „Blauchsicht“ ein Album voller Unsicherheit und Selbstzweifeln war, zeigt sich auf dem Song „Hymnen“, dass ein Wandel stattgefunden hat. „Wir sind immer da, wo oben ist.“ Eine Zeile wie diese macht dies sehr deutlich.  Selbstbewusst und vor allem mit Vertrauen in die eigenen Stärken und das eigene Tun. So ist der Gerard 2015.

Weiter geht es mit dem persönlichsten und stärksten Song des Albums: „Licht“. Ein Track, den der 28-Jährige für seinen Großvater geschrieben hat. Mit Textpassagen wie „Hast das Fundament für alles was da kam gebaut“, schafft Gerard es, das, was „Blausicht“ ausgemacht hat, dieses persönliche, ehrliche, wieder aufblitzen zu lassen – mit Erfolg. Richtig starkes Teil!

Es folgen fünf Songs inklusive Features von Maeckes („Gelb“) und LOT („Durch die Nacht“), auf denen das Album leider anfängt, etwas vor sich hinzuplätschern. Wenige Akzente und auch die Features sind nicht herausstechend. Sie passen zu gut, sind zu naheliegend. Selbiges gilt für die Produktionen. Alles sehr gut gemacht und auch die Handschrift von Elektro-Produzent Patrick Pulsinger, der an „Neue Welt“ mitgebastelt hat, ist klar zu erkennen. Jedoch hört sich auch hier Vieles gleich an.

Der letzte Song hingegen ist noch mal richtig stark. „Goldregen“ fängt langsam an, baut sich auf, Drums treiben einen durch den Track und entlassen einen schließlich in seine ganz eigene Interpretation der „Neuen Welt“.

Insgesamt ist „Neue Welt“ ein sehr rundes Album. Es ist stimmig, jedoch zum Teil zu rund. Viele Tracks sind zwar nett anzuhören, haben aber zu selten eine eigene Note.

Das wir uns spätestens seit diesem Gerard-Werk im Pop und nicht mehr im Rap-Kosmos bewegen, ist nicht von der Hand zu weisen und auch nicht schlimm. Der Österreicher ist gut in dem, was er da tut. Er schafft es auf „Neue Welt“, große Bilder zu malen, mit denen jeder etwas anfangen kann, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Das können nicht viele.

 

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Calvin ist seit 2015 teil des Teams, schafft mehr als 20 Klimmzüge am Stück und verzweifelt jedes Wochenende aufs Neue an seinen Handball-Teamkollegen. Wenn er nicht im Dauerlauf das Treppenviertel auf und ab rattert, schreibt er leidenschaftlich gerne Reviews.

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