50 Fragen an: Mobb Deep (aus BACKSPIN #115)

„Wir sind schon eher ein altes Ehepaar“

Mein ambitioniertes Ziel war es, 50 Fragen an niemand Geringeres als Mobb Deep zu stellen. Vor dem Konzert in Hamburg trafen wir uns bacsstage. Die Zeit für das Interview war viel zu knapp bemessen, aber Prodigy und Havoc gefielen die Fragen, sodass sie sich nach der Show die Zeit nahmen, das Interview mit mir zu beenden. Natürlich fühlte ich mich wie ein „Shook One“, der noch lange vom „Halfway Crook“ entfernt ist. Umso erstaunlicher war es für mich, wie klein (bis zu meinem Kinn), aufmerksam, freundlich und gar nicht furchteinflößend P und Hav sind.

01. Könnt ihr mir ein Adjektiv nennen, das den jeweils anderen am besten beschreibt?

Havoc: Fokussiert.

Prodigy: Entschlossen.

02. Euer erster Berührungspunkt mit Hip-Hop?

Prodigy: LL Cool J und Run DMC. Havoc: Kurtis Blow.

03. Ihr habt euch an der New Yorker High School of Art & Design das erste Mal getroffen. Was sind eure ersten Erinnerungen aneinander und wie alt wart ihr da?

Prodigy: Das war intensiv. Havoc hat sich auf dem Schulhof geprügelt. (lacht)

Havoc: Jaja, ich war schon immer ein ganz Cooler. (lacht) Da müssen wir so 15 oder 16 gewesen sein.

04. Was habt ihr damals voneinander gedacht, als ihr euch noch nicht so gut kanntet?

Havoc: P war …, ich suche nach dem richtigen Wort … Er hatte halt sehr viel Schmuck. (lacht) Du kannst dir denken, was er für einer war.

Prodigy: Bei ihm dachte ich nur: Wow! Der hatte es schon immer drauf mit den Frauen …

05. Eure Beziehung: Liebesaffäre oder altes Ehepaar?

Prodigy: Ist das nicht das Gleiche? Havoc: Nein, wir sind schon eher ein altes Ehepaar. (lachen beide laut und lang)

06. Was mochtet ihr an eurem vor- herigen Namen „Poetical Prophets“ nicht?

Prodigy: Ich mochte den Namen, aber er passte einfach nicht so recht zu uns.

Havoc: Der hat uns nicht richtig beschrieben.

07. Wie de niert ihr dann „Mobb Deep“, das besser zu euch passt?

Prodigy: Erbarmungslos.

08. Was bedeutet euch eure Crew, die 12th Street Crew?

Havoc: Das ist unsere Familie. Wir sind zusammen aufgewachsen und waren alle auf demselben Hip-Hop- Film.

09. Prodigy, wie war es für dich, auf dem Soundtrack von „Boyz n the Hood“ gefeaturet zu sein?

Prodigy: Das fühlte sich damals wie ein Lottogewinn an.

10. Havoc, was hat es dir bedeutet, bei Black Moons „U da Man“ dabei zu sein?

Havoc: Ich habe mich extrem cool gefühlt. Black Moon waren damals einfach die Coolsten.

11. Der Rolling Stone hat euch einst als „Kriss Kross’ twisted evil twins“ bezeichnet. Stimmt das?

Havoc: Die haben recht! Die Beschreibung ist gar nicht so unpassend. (lachen beide laut und lang)

12. Warum habt ihr eine zweite Chance nach „Juvenile Hell“ bekommen? Seht ihr das überhaupt als zweite Chance?

Havoc: Doch, doch, das war wirklich eine zweite Chance.

Prodigy: Bevor wir diese zweite Chance bekommen haben, wussten wir schon, dass wir dazu fähig waren, ein besseres Spiel zu spielen. Wir wussten, dass wir noch bessere Musik machen konnten. Das haben wir dann ja auch bewiesen.

13. Könnt ihr ein Wort finden, das euer New York Ende der 80er, Anfang der 90er am besten beschreibt?

Havoc: Grimy.

14. Was ist New York heute?

Prodigy: Heutzutage ist es der Schmelztiegel schlechthin.

15. Was bedeutet euch Heimat?

Prodigy: Das ist und bleibt New York. Dort sind wir geboren und aufge- wachsen … Und wir leben immer noch dort.

16. Wie wichtig ist euch Familie?

Havoc: Ohne deine Familie bist du nichts. Du brauchst die familiäre Unterstützung immer.

17. Was bedeutet euch Loyalität?

Havoc: Das bedeutet alles. Dafür steht auch „Mobb Deep“. Sonst würde es uns nicht mehr geben.

18. Und euer persönliches Voran- kommen?

Prodigy: Das ist das Allerwichtigste. Geld ist dabei zwar eine angenehme Begleiterscheinung, aber das persönliche Vorankommen ist viel wichtiger.

19. Zurück in die goldene Ära der 90er oder im Hier und Jetzt bleiben?

Prodigy: Ich würde im Hier und Jetzt bleiben.

Havoc: Es geht doch immer um Weiterentwicklung.
Prodigy: Man kann nicht mehr zurückgehen. Die 90er sind vorbei, wir haben diese goldene Zeit doch mit- erlebt. Warum sollten wir deswegen zurückgehen wollen?

20. Welchen Song mögt ihr lieber – „Shook Ones Pt. I“ oder „Shook Ones Pt. II“?

Beide: De nitiv „Pt. II“!

21. Havoc, was dachtest du, als du das Herbie-Hancock-Sample für „Shook Ones Pt. II“ gefunden hattest? Hattest du eine Vorahnung, dass die- ser Beat eine große Sache werden könnte?

Havoc: Es hat sich einfach gut zu- sammen mit den anderen Elementen des Beats angehört. Mir war sofort bewusst, dass sich das Ding direkt ins Ohr bohrt.

22. Nun möchte ich euch zu einigen Weggefährten befragen. Zuallererst Q-Tip. Wie groß ist sein Ein uss auf „The Infamous“?

Havoc: Er hatte großen Ein uss auf das Album. Er kam zu uns ins Studio, hat sein Wissen hinsichtlich Beatproduktion und Musikbusiness geteilt. Er war für uns wie ein offenes Buch.

23. Was habt ihr DJ Premier zu ver- danken?

Prodigy: Danke, dass du auf uns auf- gepasst hast!

24. Und Large Professor?
Havoc: An ihn geht ein anderes großes Dankeschön.

25. Und Matty C, eurem einstigen A&R von Loud Records?

Prodigy: Ihm sind wir wohl zu aller- größtem Dank verpflchtet. Er über- nimmt für uns die Vater-Rolle im Mu- sikbusiness.

26. Was habt ihr gedacht, als ihr das erste Mal Nas’ „Illmatic“ gehört habt?

Prodigy: Es war einfach fantastisch.

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