– 2003 – Rap History (aus der BACKSPIN MAG #111)

Das Jahr 2003 bringt einen „Schwarzen Oktober“ im positiven Sinne: Erstmals seit Einführung der Billboard-Charts belegen ausschließlich schwarze Künstler die Top 10. BeyoncésBaby Boy“ (#1) sowie Pharrells „Frontin’“ (#5) ausgenommen und „Where Is The Love“ (#10) von den Black Eyed Peas mitgezählt, sind dies allesamt Rap-Singles. Auf Platz #2 befindet sich mit „Shake Ya Tailfeather“ von P. Diddy, Nelly und Murphy Lee eine Auskopplung aus dem „Bad Boys II“-Soundtrack. Der Newcomer Chingy, ein ehemaliger Weggefährte von Nelly, landet mit „Right Thurr“ (#4) einen Riesenhit. Das dazugehörige Album „Jackpot“, das über Ludacris’ Label Disturbing Tha Peace erscheint, wird seinem Titel gerecht und erreicht in der Folge Doppel-Platin. Der Labelboss selbst ist mit seinem dritten Major-Album „Chicken-n-Beer“ inklusive erstem Nummer-1-Hit „Stand Up“ (#9 in jener Oktoberwoche) nicht minder erfolgreich. Das Crunk-Movement um Lil Jon kommt 2003 im Mainstream an – in dieser historischen Top 10 vertreten durch „Get Low“ (#3) von Lil Jon & The Eastside Boyz und den Ying Yang Twins sowie „Damn“ (#6) von den YoungBloodz und Lil Jon. Und schließlich haben auch zwei New Yorker ihren Anteil am „Schwarzen Oktober“: Fabolous mit „Into You“ (#8) aus seinem zweiten Album „Street Dreams“ und 50 Cent mit „P.I.M.P.“ (#7). Das im Februar veröffentlichte Debütalbum „Get Rich Or Die Tryin’“ mit den Nummer-1-Hits „In Da Club“ und „21 Questions“ macht 50 Cent zum neuen Rap-Superstar. Noch im November folgt das G-Unit-Album „Beg For Mercy“.

Die Diplomats sprechen 2003 mit „Diplomatic Immunity“ vor. Das Doppel-Album wird wie Juelz Santanas Solodebüt „From Me To U“ größtenteils von den Heatmakerz produziert, die mit ihren hochgepitchten Soul-Samples zu gefragten Produzenten avancieren, bevor sie bald darauf wieder in der Versenkung verschwinden. Die Diplomats– Single „Bout It Bout It…Part III“ mit Master P wiederum steht exemplarisch dafür, dass die New Yorker den Down South-Rap nicht länger ignorieren können. Nach enttäuschendem Debütalbum schafft T.I. mit dem Nachfolger „Trap Muzik“ den Durchbruch. Gemeinsam mit Killer Mike, der 2003 sein erstes Album „Monster“ veröffentlicht, ist T.I. zudem auf der Hitsingle „Never Scared“ von Bone Crusher zu hören. Unterdessen bringen OutKast ihr fünftes Werk „Speakerboxxx/The Love Below“ heraus. Das Doppelalbum, das genau genommen zwei Soloalben darstellt, erhält den Grammy für das beste Album des Jahres, während Andre 3000 mit „Hey Ya“ zum Popstar avanciert. Missy Elliotts fünftes Album „This Is Not A Test!“ ist ihre letzte große Zusammenarbeit mit Timbaland. Dieser produziert außerdem Bubba Sparxxx’ zweites Werk „Deliverance“, das sich mittelmäßig verkauft, aber von Kritikern gefeiert wird. David Banner bringt bei Universal gleich zwei Alben („Mississippi: The Album“ und „MTA2: Baptized in Dirty Water“) heraus, mit denen er sich als ernstzunehmender Rapper und Produzent etabliert. Juvenile veröffentlicht sein letztes Cash-Money-Album „Juve The Great“ mit der Hitsingle „Slow Motion“. Der darauf vertretene Soulja Slim wird im November in seiner Heimatstadt New Orleans erschossen.

Aber auch oberhalb der Mason-Dixon-Linie passiert Nennenswertes: Nachdem er sich auf DJ-Clue-Tapes einen Namen gemacht hat, bringt Joe Budden bei Def Jam sein Debütalbum heraus. Die von Just Blaze produzierte Single „Pump It Up“ ist einer der großen Raphits des Jahres. Der bis dato unbekannte Englishman in New York Mark Ronson überrascht mit seinem Album „Here Comes The Fuzz“ inklusive des Hits „Ooh Wee“. Überzeugende Debüts feiern Obie Trice („Cheers“) und Freeway („Philadelphia Freeway“), während Tragedy Khadafi mit „Still Reportin’“ ein starkes Spätwerk gelingt. Gang Starr veröffentlichen ihr letztes Album „The Ownerz“, das, gemessen an den Vorgängern, etwas enttäuschend ausfällt. Außerdem erscheinen Alben von DMX, Keith Murray, Biz Markie, Memphis Bleek, P.M.D., Raekwon und Sheek Louch.

Während Comeback-Singles von Pete Rock & C.L. Smooth („Shine On Me“) und A Tribe Called Quest („ICU Doin’ It“) im Sande verlaufen, führt ein Trio aus North Carolina den Sound der New Yorker Vorbilder fort: Mit ihrem Debütalbum „The Listening“ sorgen Little Brother für eine der positiven Überraschungen des Jahres. Insbesondere 9th Wonder lässt mit seinen soulgetränkten Beats aufhorchen und findet sich einige Monate später auf der Produzentenliste eines der meisterwarteten Platten des Jahres wieder: „The Black Album“ wird nicht das angekündigte letzte, aber eines der besten Alben von Jay-Z. Ein Highlight neben der von Rick Rubin produzierten Single „99 Problems“ ist „PSA“. Das von Just Blaze geflippte Sample hört man freilich bereits einen Monat zuvor auf „Stay Real“ vom dritten und bis heute letzten Black-Moon-Album „Total Eclipse“. „The Black Album“ erscheint auch als Acapella-Version und bringt in der Folge zahlreiche Remix- Alben hervor, das prominenteste unter ihnen „The Grey Album“ von Danger Mouse. Dieser veröffentlicht 2003 gemeinsam mit Jemini, bekannt durch seine 95er-Single „Funk Soul Sensation“, das Album „Ghetto Pop Life“.

Ein Collabo-Album der besonderen Art liefern J Dilla und Madlib gemeinsam als Jaylib ab: Auf „Champion Sound“ rappen sie im Wechsel jeweils auf den Beats des anderen. Madlib produziert außerdem „A Lil’ Light“ von Dudley Perkins und bringt auf Blue Note das Remix-Album „Shades of Blue“ heraus. MF Doom veröffentlicht als Viktor Vaughn und King Geedorah zwei starke Soloalben („Vaudeville Villain“ und „Take Me To Your Leader“) sowie mit den Monsta Island Czars das Album „Escape From Monsta Island!“. Weitere überzeugende Indie-Alben erscheinen von Immortal Technique („Revolutionary Vol.2“), Brother Ali („The Shadows On The Sun“), Aceyalone („Love & Hate“), Last Emperor („Music, Magic, Mythi“) und den Hieroglyphics („Full Circle“).

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