15 Jahre „Stillmatic“

Viele Hip-Hop-Liebhaber sind sich darüber einig. Für sie ist Nas’ Debütalbum „Illmatic“ aus dem Jahr 1994 sein unangefochtener Klassiker. Nicht umsonst hört die 2014 veröffentlichte Dokumentation über den Rapper aus Queens auf den Titel „Time Is Illmatic“. Meine Wenigkeit, zu damaligem Zeitpunkt knappe 3 Jahre alt, ist allerdings ein wenig später auf ihn aufmerksam geworden. „Stillmatic“, dessen Titel deutlich an das Debütalbum des Rappers angelehnt ist, kam 2001 und heute vor exakt 15 Jahren auf den Markt. Die LP war Nasir Jones’ fünfte Soloplatte.

Zu gut erinnere ich mich daran, wie uns der beste Freund meines Bruders, der nur ein paar Häuser weiter wohnte, das Video zu dem Song „Got Urself A Gun“ zeigte. Der Clip, der schon fast wie ein kleiner Kurzfilm beginnt und schließlich damit endet, wie sich Nas am Grab von B.I.G. und Tupac Shakur befindet, gehört noch heute für mich alleine von seiner Atmosphäre her zu den absoluten Klassikern. Die Kulissen, die Perspektiven – Hier stimmt einfach alles. Mal abgesehen davon, dass der Track einfach ein unfassbares Brett ist. Der Chor, wie der Beat einsetzt, wie Nas Flow mit diesem harmoniert,… das war und ist noch heute einfach unfassbar krass. Da muss heute nur einmal kurz „Woke up this morning..“ ertönen und ich bin wieder voll drin.

Ein Track, der im Zuge des Albums nicht unerwähnt bleiben darf, ist mit Sicherheit „Ether“, der das Album nach einem etwa zweiminütigem Intro mit einem gepitchten „Fuck Jay-Z“ (aus 2Pacs Track „Fuck Friendz“) eröffnet. Nach einem jahrelangen subtilen Schlagabtausch mit Hova, der sich über mehrere Alben hinweg erstreckte, schien Mr. Carter mit „Takeover“ für einen Moment den Beef für sich entschieden zu haben, bis schließlich Nas zum ersten Mal seinem Kontrahenten auf Tracklänge antwortete. „Ether“ kann demnach durchaus als Höhepunkt des Beefs angesehen werden und gehört für mich zweifellos unter die besten Disstracks, die ich gehört habe.

Ein weiteres Highlight stellt der Track „One Mic“ dar, welcher als dritte Single ausgekoppelt wurde und dessen Instrumental auf einem Sample von Phil Collins„In The Air Tonight“ basiert. Wie sich der Song auf- und wieder abbaut habe ich so zuvor bei keinem anderen Song zu Hören bekommen und auch heute fallen mir nur die wenigsten Songs ein, denen es gelingt, Emotionen so gut musikalisch zu transportieren. Wer den Song kennt, weiß wovon ich rede. Und wer nicht, der sollte das dringend nachholen.

Doch auch sonst sind auf „Stillmatic“ jede Menge starke Songs zu finden. Hierzu zählen Tracks wie „Smokin“, „You ́re da man“ und „Rule“. Zwar beweist Nas auf der Platte immer wieder, dass er durchaus austeilen kann, doch sind es hier insbesondere seine Geschichten und emotionalen Tracks, mit denen er bis heute zu fesseln vermag. Auch wenn ich einen Großteil seines Schaffens erst retrospektiv für mich entdeckt habe und „Illmatic“ sicherlich ein starkes Album ist, bleibt „Stillmatic“ für mich das eine Nas-Album und für mich ein absolut zeitloser Klassiker.

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Seit seinem Praktikum 2014 neben dem Studium der Medienwissenschaft für die BACKSPIN als Autor tätig, seit 2000 bereits von der Marshall Mathers-LP auf Ewig verdammter Hip-Hop-"Stan".

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