Rückblick: Elf Jahre “Böhse Enkelz” von K.I.Z

Heute füllen sie deutschlandweit Hallen und mittlerweile dürfte „Hurra, die Welt geht unter“ auch an dem letzten Hip-Hop-Laien nicht vorbeigegangen sein. Als ich allerdings das erste Mal auf K.I.Z. gestoßen bin, veröffentlichten Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft gerade einmal ihr zweites Release. „Böhse Enkelz“ erschien vor genau 11 Jahren über das Independent-Label Royal Bunker und noch war es nur schwer abzusehen, wohin es mit der Gruppe eines Tages gehen würde. Im Jahr 2006 war nicht Facebook, sondern MySpace die erste Anlaufstation, um auf neue Künstler aufmerksam zu werden. Doch auch Mund-zu-Mund-Propaganda spielte oft eine entscheidende Rolle. Als bei uns auf dem Schulhof nach und nach die ersten Handys auftauchten, die in der Lage waren MP3- Files abzuspielen (wenn auch in für heutige Verhältnisse eher mäßiger Qualität!), war es die vermutlich mühseligste Aufgabe, mit sich selbst auszumachen, welche 5-8 Songs man denn nun auf sein Handy lud, bevor der Speicher voll war. So war es keine Seltenheit, dass sich in der Schulpause um das Handy mit dem neuesten Song versammelt wurde, bevor man sich anschließend auf Bluetooth-Tauschgeschäfte einigte.

Einer dieser Songs, der bei uns an der Schule in kürzester Zeit seine Runde auf jedes zweite Handy machte, war “Was willst du machen?“ – ein Solotrack von Tarek auf dem Beat von R.Kellys „Ignition“. Der Track thematisierte auf humorvolle und stark überzogende Art eine Reihe von Klischees gegenüber Ausländern. Dank seiner Melodie war er natürlich ein nicht zu vermeidender Ohrwurm und somit gerne auf Parties gespielter Track. Nur wenig später folgte der “Hurensohn”-Remix, ein Song, der Deine- Mutter-Sprüche dermaßen auf die Spitze trieb, dass er in seiner entlarvenden Selbstironie schon wieder wahnsinnig sympathisch wirkte. Auch wenn es vermessen wäre, zum damaligem Zeitpunkt jedem K.I.Z.-Track eine tiefere gesellschaftskritische oder gar politische Botschaft zu unterstellen, fand ich großen Gefallen am Humor von K.I.Z., bei dem sich Tarek, Nico und Maxim selbst in ihren Texten an keiner Stelle zu ernst nahmen – Für mich eine äußerst erfrischende Abwechslung zum sonstigen Deutschrap-Alltag.

Einem Schulfreund sei Dank dauert es letztlich nicht lange, bis ich „Böhse Enkelz“ in seiner vollen Länge zu Ohren bekomme. Während sich die heutige Definition im Hip-Hop stark von der früheren unterscheidet, war die LP noch ein Mixtape im klassischen Stil, auf dem sich abgesehen von einer einzigen Produktion ausgiebig auf den Instrumentals anderer Künstler ausgetobt wurde. Ich mochte das. So verpasste K.I.Z. unter anderem den Songs von DieÄrzte („Intro“), KoolSavas & Azad („Bong Verkippt“), Die Beginner („Riesenglied“) oder Trick Daddy („Los geht’s“) einen individuellen Neuanstrich, wobei die Gruppe hier ihren unverwechselbaren Stil, der bereits den Vorgänger „Das Rapdeutschlandkettensägenmassaker“ ausmachte, konsequent fortführte. Wenn ich nun heute auf ihre Karriere zurückblicke, bin ich erstaunt, wie lange es letztlich dann doch bis zum ganz großen Durchbruch gedauert hat. Während ein Großteil meines Umfeldes damals die vier voreilig als albern abgetan hatte, habe ich seit „Böhse Enkelz“ mit viel Liebe ihre Entwicklung von Release zu Release verfolgt und kann heute nur sagen, dass es nach mir kaum eine andere Rapcrew so sehr verdient hat, bei den ganz Großen mitzuspielen. Aber es braucht eben manchmal alles seine Zeit.

 

K.I.Z – “Böhse Enkelz” 

1. Intro  
2. Freiwild  
3. Hurensohn (Remix)  
4. Wir werden jetzt Stars  
5. Bong verkippt  
6. This way (Remix) feat. Tua
7. Riesenglied  
8. Was willst du machen  
9. Los geht’s
10. Frei sein (Remix)
11. 17 Jahr, blondes Haar feat. Mad Milian
12. Mach sie sagen feat. Kuba, Atek Massimo
13. Wie ein Truthahn
14. Outro

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Seit seinem Praktikum 2014 neben dem Studium der Medienwissenschaft für die BACKSPIN als Autor tätig, seit 2000 bereits von der Marshall Mathers-LP auf Ewig verdammter Hip-Hop-"Stan".
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