10 Thesen mit: Cro (aus BACKSPIN #115)

Einen Aufstieg wie den seinen hatte man im deutschen Rap vorher noch nicht gesehen. Mit seinem zweiten Album „Melodie“ schickt sich Cro nun an, seine Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben. Wir haben zehn Thesen über den Chimperator-Schützling aufgestellt und ihn mit diesen konfrontiert. Ob er uns widersprochen oder zugestimmt hat, das könnt ihr hier nun nachlesen.

These: Ohne Chimperator wäre Cro nicht da, wo er jetzt ist.

Stimmt. Aber das geht Hand in Hand. Hätte ich das Team nicht gehabt, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Hätte das Team mich nicht gehabt, wüsste ich heute nicht, ob Chimperator einen solchen Erfolg hätte. Wir sind einfach ein perfektes Team. Die sind ein bisschen älter, ich bin etwas jünger, aber trotzdem sind wir alle gefühlt gleich alt und Kumpels. Das ist mir wichtig. Auch die Idee, zu einem Major zu gehen, war von Anfang an raus. Alles, was wir gemacht haben, war, mal ein paar Angebote einzuholen, um zu checken, was geht.

These: Cro ist mehr Pop als Rap.

Stimmt nicht! Michael Jackson ist für mich zwar der König, aber in meinem Herzen schlagen trotzdem die Souls of Mischief und Biggie. Ich bin durch und durch ein Rap-Kind. Auf meinem neu- en Album geht es zurück zu meinen Wurzeln, zu meiner Kindheit 1996. Bei „Raop“ war es so, dass ich in die Hitkiste greifen und Dinger rauszaubern musste, die ins Ohr gehen. Dieses Mal war es so, dass ich einfach gemacht habe, worauf ich Bock hatte – und da kamen eher so Rap-Dinger raus.

These: Ohne die Maske wäre Carlo ein anderer Mensch geworden.

Hätte ich die Maske nicht gehabt, könnte das echt sein. Wenn ich ständig und überall erkannt wer- den würde, wäre ich zu Menschen wahrscheinlich nicht so nett, wie ich es jetzt bin. Weißt du, was ich meine? Das war echt gut für meine Charakterbildung, dass ich einfach immer noch der normale Typ war, der die Maske abnimmt und chillt. Ein weiterer Punkt ist, dass mir die Maske vielleicht auch einen Bonus eingebracht hat. Wobei viele auch meinen, dass es genauso gut ohne die Ma ke funktioniert hätte. Die Musik wäre da gewesen – und alles andere wäre auch cool, aber ich glaube, die Maske war schon sehr wichtig.

These: „Melodie“ ist ein „Raop 2“.

Das stimmt nicht. Dass man bei einigen Songs denken kann, die wären für die Mädchen gemacht, das werde ich wohl nicht mehr wegkriegen. Aber meine Musik war schon immer so. Vom ersten Mixtape bis jetzt klingt sie ähnlich. Trotzdem ist es ist nicht „Raop 2“. Es ist anders. Es ist eben „Melodie“. Ich bin zwei Jahre älter als bei „Raop“ und die Beats sind noch ein bisschen cooler.

These: Cro ist zu unpolitisch für seine Stellung in der Gesellschaft.

Das stimmt. Ich habe auch gar keinen Bock, irgendeine Moralapostel-Figur zu sein, die irgend- wem seine Meinung aufdrückt. Ich habe meine Meinung, und ich weiß auch so hier und da Be- scheid über Dinge. Aber ich werde auf jeden Fall nicht anfangen, Lieder über irgendwas zu schreiben und Stellung beziehen. Ich bin eher ein Wegbegleiter. Die Jugend soll machen, was sie will – und ich begleite sie dabei.

These: „#hangster“ hat Deutschrap verändert.

Deutschrap nicht. Aber dafür wurden ein paar Freundschaften geschlossen. Vor allem Psaiko kennt nun jeden. Auf der Party war alles friedlich, alles cool, und das war schon ein Man-wusste- nicht-freue-ich-mich-oder-finde-ich-es-komisch- Moment. Die Bösen und die Schwulen zusammen, das war auf jeden Fall lustig anzuschauen. Ich nde auch den ganzen Quatsch mit „Der kann den nicht leiden“ und Menschen, die irgendwelche bösen Cover machen, voll beschissen. Hört doch auf mit dem Scheiß. Macht doch einfach Frieden. Ich meine, ich häng mit Hafti ab und trink mit ihm Wodka an dem Abend. Ich verstehe nicht, warum man sich streitet – ist doch voll beschissen.

These: Cro wird nie erwachsen.

Wäre ich jetzt 80 und würde die Maske aufsetzen, würde ich genauso aussehen wie heute. Das ist perfekt! Ich werde nie erwachsen! Nein, ich bin in den letzten zwei Jahren echt abgecheckter geworden und bin nicht mehr ganz so verplant. Da- her denke ich, die Themen, die ich aufgreife, sind schon ein bisschen älter. Die müssten eigentlich vor zwei Jahren schon passiert sein. Aber ich bin trotzdem immer noch ein Quatschkopf, der macht, was er will. Dass ich das neue Album wieder zu Hause im Keller produziert habe, liegt daran, dass ich noch keinen neuen Raum habe, in dem ich mich wohlfühle. Es ist ein bisschen so wie beim Pinkeln. Wenn man mir zuschaut, geht’s nicht. Vor allem nicht so auf Knopfdruck. Ich muss ein- fach ungestört sein, ich muss wissen, mich hört niemand und zu Hause ist halt Mum ständig am arbeiten. Ich habe das Haus ganz für mich alleine, ich kann aufdrehen bis zum Anschlag – und das ist richtig gut. Da habe ich alles, was ich momen- tan brauche. Das wird sich schon noch ändern, ich werde wohl raus fürs nächste Ding, mir irgendwo was aufbauen, ’ne neue Heimat.

These: Mit H&M und McDonald’s verkauft Cro seine Seele.


Was soll ich dazu sagen. Ich meine, jeder Mensch mag McDonald’s und der, der McDonald’s nicht mag, der mag Burger King. Ich finde es überhaupt nicht schlimm – ich stehe dazu. Und das mit der H&M-Kollabo war auch für uns sehr hilfreich.

These: Cro ist ein Einzelgänger.

Ein bisschen. Wenn es um Dinge wie Beats geht, dann mache ich das schon selber und lass da niemanden ran, außer jetzt gerade Shuko ein bisschen. Ich kriege eine Million Beats geschickt, und ich habe, glaube ich, keinen davon gepickt, obwohl ich den Rechner voll hatte. Ich mache generell viel selber. Auch die Videos würde ich am liebsten selber machen, aber so was gebe ich dann schon noch ab.

These: Wenn die Maske fällt, geht Carlo in Rente.

Andersrum! Bevor die Maske fällt, geht Carlo in Rente. Sie wird nicht fallen, solange es mich gibt. In nächster Zeit werde ich die Dinge aber schon etwas lässiger angehen. Ich werde die anderen Standbeine weiter ausbauen und vielleicht neben- her Mucke für andere produzieren. Dabei picke ich mir dann die Perlen für mein Album raus, das in zehn Jahren kommt. B

NTERVIEW: NIKO HÜLS FOTO: DENIS IGNATOV

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