Zehn Jahre Die Orsons: Die Geschichte einer Band

Die Zugpferde des Stuttgarter Labels Chimperator werden 10 Jahre alt. Happy Birthday, Orsons! Damals noch zusammen mit Kodimey und Sucuk Ufuk auf „Drrreckig Süden Tour„, spielen sie jetzt ihre zwei „Abschiedskonzerte“ in Berlin und Stuttgart. Seither ist einiges passiert auf Orsons-Island. Künstler haben sich neu erfunden, Moneyboy-Angriffe wurden überlebt und die Liga der außergewöhnlichen Mcees tourte durch Deutschland. Der Name entstand 2008 aus dem Titel des ersten Beats, über den die Jungs gerappt haben. Darf man Tuas Aussage in einem Interview  vor neun Jahren Glauben schenken, hassten sich die Jungs bereits vor der eigentlichen Bandgründung. 

Das erste Album basiert komplett auf einem Kinderbuch. Ein Kinderbuch komprimiert auf einem sehr unbeschwerten und positiven Album. Schöne Hooks und lustige Parts, die die einzelnen Charaktere sehr gut widerspiegeln. Tua war damals schon hart genervt von allem, Maeckes wirkte verkopfter als jedes andere Mitglied, Kaas strotzte nur so vor Liebe und Bartek (derweilen noch Plan B) machte was Bartek am besten kann, lustig sein. Durch diese sehr konzeptlose Herangehensweise entstand ein Album, das jedem Künstler die Freiheit lies, zu produzieren, worauf er derweilen Bock hatte. Das hört man auf jedem der 13 Tracks.
 


In einem Interview von 2008 lässt Bartek verlauten, man könne sich auf viele weitere Alben voller Spaß und Freiheit freuen. Ein Jahr später kam „Die Orsons EP“, die einige Fans das O formen lies und nur kurz darauf das zweite Album „Die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Orsons“. Der beste deutsche Liveact nach Michael Wendler sorgte auch auf dem dritten Release für reichlich Schmunzler und vor allem für jede Menge Konzert-Spaß. Damals wurden die vier Jungs noch von der allseits bekannten Spongebob-Stimme angekündigt, um die Bühne dann als Beatles verkleidet und mit Pappgitarren bewaffnet zu betreten und das Publikum zu bespaßen. Auf dem Album vereinen die vier Jungs aus Stuttgart und Reutlingen alles, was Deutschrap damals auf keinen Fall sein wollte. „Ich mach nur noch was ich mag, ich mach nicht mehr, was ihr sagt.“ Der einzige Leitsatz, den die Orsons kennen. Künstlerische Narrenfreiheit, die zu massig Wortwitz und geballter guten Laune führt. „Sonnig und Belanglos“ heißt einer der Tracks auf dem Album, der Titel beschreibt das Gesamtwerk ganz gut.
2009 war nicht nur das Jahr, in dem das zweite Orsons-Album releast wurde, auch als Solo-Künstler waren zwei der vier Bandmitglieder aktiv. Tua veröffentlichte sein immer noch sehr geschätztes zweites Album „Grau“ und KaasT.A.F.K.A.A.Z. 😀“ mit jeweils individuellem, handgeschriebenem Untertitel auf jeder verkauften CD.

 

Drei Jahre verstrichen, bis das nächste Album „Das Chaos und die Ordnung“ 2012 releast wurde. In der Zwischenzeit veröffentlichte Bartek eines seiner wenigen Solo-Projekte, die „Ill Street Blues„-EP und Maeckes sein erstes Solo-Album „KIDS„. Auf dem dritten Studioalbum wird nochmal das künstlerische Potential jedes einzelnen Mitglieds komplett ausgeschöpft. Die Jungs wirken noch gefestigter in ihrer jeweiligen Rolle. So trauert Kaas seiner Ex-Freundin nach und bleibt für immer in Berlin. Maeckes hat immer noch mit der eigenen Imperfektion zu kämpfen. Bartek fliegt zum Mars und Tua lässt andere Rapper im Mainstream ertrinken. Trotz der immer noch vorhandenen Klischees, die jeder einzelne der Orsons-Members erfüllt, ist zwischen „Das Album“ und „Das Chaos und die Ordnung“ eine riesen Entwicklung der einzelnen Künstler, aber vor allem auch der Band als Gesamtwerk zu erkennen. Das Album ist rund, weist viele verschiedene Soundbilder auf und weiß die Vorzüge eines jeden einzelnen perfekt einzusetzen. So schafft es Bartek auf der Platte an sein gefühlvolles Solo-Projekt anzuknüpfen und auf Tracks wie „Mars“ für melancholische Momente und hervorragende Parts zu sorgen, während Tua fast das komplette Album produzierte. „Horst & Monika“ außen vorgelassen, wirkt jeder Track durchdacht und ergibt ein stimmiges Gesamtbild. 

 

Zuletzt durften wir die Hooligans of Love auf ihrem vierten Studioalbum „What’s goes“ erleben. Inzwischen auch als Deluxe-Box erhältlich, wurde die Platte oftmals als bestes Orsons-Werk betitelt. Mit eingängigen Hooks und pfiffigen Parts sorgen die Schwaben für den ein oder anderen Hit. Dabei lässt sich das Album in einen Teil voller Absurditäten und einen Teil voller ernstzunehmender Tracks teilen. So kann ein kompletter Song vom stillen Örtchen („Hinterlass das Klo bitte so, wie du’s selber vorfinden magst! Soll ich’s jetzt renovieren oder wie, oder wo, oder was, was, was?“) und der nächste von tiefgreifenden Beziehungsproblemen („Wasserburgen“ feat. Mine) handeln. Ein vollkommen neues Maß an Kuriosität stellt „Das Öl“  dar. Ein Track, der inhaltloser nicht sein könnte, aber bei Live-Gigs regelmäßig für Abriss sorgt. 

 

Auf allen vier Alben schaffen es die Orsons, gängigen Rap-Stereotypen den Rücken zu kehren und unkonventionelle Gegenentwürfe zu erschaffen, die sich bis heute nachvollziehen lassen. Inzwischen haben sie es von der Jugenshaus-Bühne zur goldenen Schallplatte geschafft. Wie und ob es nach den zwei Abschiedskonzerten in Berlin und Stuttgart weitergeht, bleibt offen. Aber eine Band die sich bereits vor der eigentlichen Gründung trennen wollte und dennoch seit 10 Jahren besteht, lässt auf ein weiteres Album zumindest hoffen. 

Hier könnt ihr euch Tickets für die „Abschiedskonzerte“ besorgen.

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