Zwischen den Zeilen mit Prezident zu „Handfeste EP“

Der Wuppertaler Whiskeyrapper Prezident stellt am 20. März seine mittlerweile vierte Free-EP „Handfeste EP“ als Gratisdownload über seine Webseite www.whiskeyrap.de zur Verfügung. Damit führt er eine alte Veröffentlichungstradition fort, nachdem er 2013 sein Album „Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte“ premier physisch unter die Leute brachte. Allerdings wird es über Vinyl Digital exklusiv eine limitierte Anzahl an Vinyl-Exemplaren geben.
Die EP dient als kleiner Vorbote für sein noch dieses Jahr erscheinende, viertes Full Length-Album.
Da nutzten wir die Gelegenheit, um ihm eine handvoll Fragen über dessen Entstehung zu stellen.

 

1. Was für eine Idee und Konzept steckt hinter der EP?

Einfach Bock auf Rap ohne Inhalt und Konzept nach einem ja doch recht
anspruchsvollem Album und sehr viel „Blue Chips 2“ hören im Anschluss.
Und bei der Gelegenheit schöön die brachialstumpfen Jefkoe- und
Epicbeats rauskramen, die schon auf das „Kunst“-Album nicht gepasst
hätten und erst recht nicht zum ultrareduzierten Soundentwurf von
„Limbus“ passen werden.

2. Was gibt es zu den Features und Produzenten zu sagen?
Wenn man schon bei Rap ohne Inhalt und Konzept ist,
kann man auch mal all die Kumpels anrufen, die auf einem richtigen Album
vielleicht nicht so gut passen würden. Hat nicht jedes Wunschfeature geklappt
(Lakmann hats nicht so mit eMails), aber der großartige Degenhardt ist drauf
und R.U.F.F.K.I.D.D. bringt Zerstörung aus Fünfacht. Elsta eh immer ne Bank,
Flip hochwillkommen und Kamikazes mal erfrischenderweise im LOX-Tagteambonus.
Und Cuts. Schön viele Cuts.

3. Wie lief die Produktion ab?
Beats gehabt, Rap gemacht. Zwischendurch das Budget eines Kanyealbums
vertelefoniert, damit Onkel Jiffie Spuren vorbeischickt.

4. Was erwartet den Hörer inhaltlich auf „Handfeste EP“?
Suffsprüche und ansonsten gähnende Leere. Außer beim letzten Track vielleicht.
Siehe unten.

5. Eine kleine Randnotiz um die EP?
Die EP ist selber nur ne Randnotiz. Auf „Limbus“ passieren dann wieder ganz andere Dinge.
6. Track für Track:

A1: Handfestes Intro (Cuts v. Jefkoe / prod. v. Jefkoe)

War ursprünglich eins mit dem „EinsNeunzigaufBühnen“-Beat. Also die
Filmsprüche und Cuts waren schon drin und nach einer Minute wurde in den
anderen Beat gewechelt, so hab ich das Ding vom Jiffie bekommen. Aber so
dekadent wollten wir nicht sein, also sind doch zwei Tracks draus
geworden. Irgendwann nachts habe ich realisiert, dass ich gar keine
Ahnung habe, woher die Cutline „Aber kein Problem für mich, was rede
ich, ich trink selbst…“ eigentlich ist. Hat n bißchen gedauert, bis
mir einfiel, dass die aus einem locker zehn Jahre alten Possecut von
Fella, Petrus, Svirl und UNC stammt, der anscheinend noch bei Jefkoe auf
der Festplatte schimmelte. Ganz schön scheisse klinge ich da drauf.

A2: Ausm Funkloch (mit Elsta und Flip Ferocious / prod. v. Epic Infantry)
Ewig alt der Beat, darauf gibt es auch noch einen Track für die
„Menschenfreund“-EP. Bewerft mich mit traurigen Smilies. Wollte darauf
eigentlich son mittelstarken Part abladen, den ich mal auf dem
„Generation Azzlack“-Beat geschrieben und öfters live gebracht habe,
aber dann hat Elsta zu gut vorgelegt und ich musste nachziehen und
notgedrungen ebenfalls den Swag aufdrehen. An der Hook habe ich drei
Tage gesessen; inhaltlose Scheisse fällt mir offenkundig wahnsinnig
schwer. Der Videodreh hingegen war schön locker. Flip hat bei Elstas
Mitbewohner eine Machete hinterm Schrank gefunden und wir haben
getrunken und behinderte Moves gebracht, die unsere Karrieren (hust)
zerstört hätten. Haben wir aber rausgeschnitten.

A3: Oswald Spengler (Cuts von DJ KB / prod. v. Epic Infantry)
Oswald Spengler ist der, von dem das geflügelte Wort vom „Untergang des
Abendlandes“ stammt. So hiess dessen ca. 1500 Seiten langer
universalhistorischer Schinken, den Anfang des 20. Jahrhunderts
angeblich JEDER gelesen hatte. Ich hab etwa 400 Seiten durchgehalten.
Aber es reichte für den Reim „Ich kipp n Ossenkämper / und seh das Ende
kommen wie Oswald Spengler“. Das mag schlau klingen. Ist aber auf dem
Niveau von „I´m ready to die like BIG“ und soll auch gar nicht mehr
sein. Nicht hysterisch werden.

A4: EinNeunzigaufBühnen (Cuts von DJ KB / prod. v. Jefkoe)
Yeah, eine DrunknMasters-Gemeinschaftsproduktion. Hätte noch n bißchen
geiler klingen können, meine ich ja. Das Ding ist, dass Jefkoe seine
Beats mit dem Feingefühl einer Strandhaubitze abmischt und Jay Baez dann
beim Mastering fein säuberlich aufräumt und Frequenzen sortiert. Die
Jefkoevariante war unreleasebar, aber es hätte schon noch ein bißchen
Dreck, Bass und Übersteuerung bleiben können in der finalen Version.
Wasauchimmer, ze machen, trotzdem n gutes Ding, schön aufs Maul und gute
Patterns in den Strophen. Kommt auch noch n No-Budget-Video zu, was ich
mit meinem Videodude Tobi und n paar Kollegen in elf Stunden gedreht und
geschnitten habe.

A5: Barbecuesauce (mit R.U.F.F.K.I.D.D. / Cuts von Jay Baez / prod. v.
Epic Infantry)
Der Beat und mein Part darauf sind schon ewig alt. Es war mir halt immer
klar, dass ich den Track nicht alleine machen will und dementsprechend
einen oder zwei MCs brauche, die neben mir abreißen. Rynerr hatte ich
mal angefragt, vor drei, vier Jahren oder so, aber der wollte nicht. Der
war zu positiv unterwegs, meinte er damals. Private Paul hatte einen
Part geschickt, aber der war wirklich ungeil gerappt. Dann hatte ich mal
Sinuhe und Daez besucht, als die bei den Epics ihr „Pech und
Schwefel“-Album aufgenommen hatten und die angefragt. Sinuhe hat in
einer Stunde einen Part geschrieben, der zwar geil gerappt, aber
inhaltlich n bißchen daneben war. Von Daez kam leider nix. Als sich dann
abgezeichnet hat, dass das Ding perfekt auf die EP passen würde, habe
ich mal die 58-Connection aktiviert und Ruff und Jinx angehaun. Jinx
musste dann letzlich passen, aber Ruff hat noch kurz vor Release
abgeliefert. Seinen Einstieg fand ich erst etwas schief, aber mit dem
EQten Intro passte alles perfekt. Die Haftiline in der Hook war meine
Idee, Jay Baez hat den kongenialen Prodigycut rausgekramt und den Sack zugemacht.

A6: Bonusstufe (mit Elsta, Degenhardt & Kamikazes / prod. v. Epic Infantry)
Schöner Epicbeat, den sich die Kamikazes irgendwann mal optioniert
hatten vor zwei Jahren oder so. Aber ich dachte, dass die da von sich
aus eh nix drauf machen und fand die Idee, darauf son Posseding zu
starten, ganz geil. Als Elsta mal bei mir für das kommende
Kamikazes-Album recordet hat, habe ich ihn gefragt, ob er für das Ding
ne Strophe hat. Und er hatte eine. Also machte ich mich an meinen
Sechzehner und damit das Ding nicht zu lang wird, teilen sich die
Kamikazes ihren 16er, Jada-und-Styles-määsisch. Sollten die Brüdis öfter
machen. Eigentlich hätte ich gerne noch den mittlerweile nach Berlin
gezogenen Daez auf dem Ding gehabt, aber der mochte am Ende doch nicht.
Schade, aber ich bin trotzdem Fan. Anstelle von Daez habe ich dann den
phantastischen Dege angehauen, der nun die abgedrehteste Strophe von allen hat.

A7: Mount Average (prod. v. Organge Field)
Ich glaube, an demselben Abend, an dem Elsta für das Kamikazesalbum und
meine EP recordet hat, war J. Field mit dabei und streute Beats. „Mount
Average“ habe ich über Nacht geschrieben und am nächsten Mittag
aufgenommen. Der Track fällt ein bißchen aus dem Rahmen; auf dieser EP
bin ich mal wie all die 08/15-Rapper, die am Ende ihrer inhaltslosen EPs
noch was Deep-Melancholisches platzieren. Es gibt ein paar Weisheiten zu
meinem Lieblingsthema Narration und Selbstdarstellung, mit spöttischen
Randbemerkungen zu dieser Spezies von
Weisse-Scheisse-Yeah-kuck-ma-ich-war-in-der-Klapse-Fans in der zweiten
Strophe. Der hätte eigentlich auch aufs Album gekonnt. Props an dieser
Stelle nochmal an Jay Baez, der den Beat erst so richtig dick gemacht
hat. Sehr gute Arbeit bei der Nummer.

B1: Special Effects (mit NMZS / prod. v. Bojanglez)
Als Bonustracks noch dieses Ding mit NMZS. Sollte ursprünglich mit Bobby
Fletcher sein, aber der ist wie so oft nicht aus dem Arsch gekommen. Es
war eine sehr gute Idee, den mal als Support Act zu buchen, als ich ne
Veranstaltung mit Morlockk und Hiob organisiert habe. Als Bobby dann
einfach nicht aufgetaucht ist, hat mir das geholfen, mit sehr vielen
gemeinsam begonnenen Songs abzuschließen oder sie alleine
fertigzustellen. Zum Beispiel „Sechs Kammern“ und eben dieser Track
hier. Ich und Jakob konnten uns allerdings nicht einigen, wo die Eins
ist, bzw. wie man cool auf dem Beat rappt. Ich glaube, er hatte mehr
Recht mit seiner Meinung zur Eins, aber ich rappe trotzdem besser.
Außerdem habe ich über die fünf Jahre, die der Beat auf meiner
Festplatte schimmelte, realisieren müssen, wie ausgeluscht das Sample
mittlerweile ist. Wasauchimmer. War trotzdem spaßig, auch, weil all die
Rapper, mit denen ich sonst zusammenarbeite, unendlich langsam
schreiben und ich diese Tagteamscheisse sonst nie so durchziehen konnte
wie mit Jakob. Liebenswerter Typ. Allä.

Erzähl Digger, erzähl

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