Kuchenmann: „Mir wurde erst während des laufenden Prozesses klar, dass ich hier gerade an meinem Debutalbum arbeite.“

ZDZ Kuchenmann

Was für viele klingt wie ein überambitionierter Bäckerlehrling ist für andere schon länger ein Geheimtipp aus dem Süden Deutschlands: Kuchenmann bringt euch  den Sound. den so viele Menschen von damals vermissen, nur in frischer, cooler, besser. Manchmal laidback, manchmal energetisch berappt der Nürnberger Instrumentals, die direkt aus dem Herzen der Staaten stammen könnten. Am 30.06 erschien sein Debütalbum „1000 Stunden Phunk: Aus dem Süden mit Liebe“, womit er seinen „offiziellen“ Einstieg in die Szene markiert. Wem der Albumtitel noch nicht so leicht von den Lippen geht sollte sich definitiv unser Interview mit ihm anschauen, wo er über seine Musik, die Crew und alles andere redet. Hier, bei BACKSPIN im neuesten Zwischen den Zeilen – Interview.

ZDZ Kuchenmann


Wie kam der Titel zustande, welche Bedeutung hat er?

Der Titel 1000 Stunden Phunk: Aus dem Süden mit Liebe repräsentiert die beiden Hälften des Albums, die soundmäßig düstere erste (1000 Stunden Phunk) und die offenere und thematisch persönlichere zweite Seite (Aus dem Süden mit Liebe).

Was ist die Grundaussage der Platte, welchen roten Faden verfolgt das Album?

Das Überwinden von Schwierigkeiten. Das hoch halten einer optimistisch positiven Einstellung ist die Grundaussage der Platte. Von Momenten der dunklen Nacht geht es im Verlauf des Album zu einem neuen Morgen.

Welche Themen werden auf dem Album behandelt, wovon erzählst du konkret?

Kleine Geschichten, große Zusammenhänge…Älter werden, persönliche Weiterentwicklung, Kritik wird an vielen Stellen geübt genauso wie Liebe verteilt wird. ich bin kein allzugroßer Fan davon, Tracks einem Thema unterzuordnen. Ich lasse viel von der Atmosphäre und von den Beats erzählen. Dinge werden in den Kontext gebracht und wieder herausgerissen.

Wer zeigt sich das für das Cover verantwortlich? Wie ist die Idee dazu entstanden? Welche Bedeutung hat es?

Das Cover besteht aus einem Foto das mich zeigt (s/o Lobo), gelegt auf einem Bild, das ich gemalt habe. Für die grafische Feinjustirung zeigte sich Lukas Wintermute verantwortlich, der schon die Cover vom „Smilingstreet Tape Vol 1“ und der „Honululu EP“gestaltete. Ich fand das Cover passend, es ist ein Schnappschuss von mir, spontan und ungekünstelt an einem Ort an dem ich anzutreffen bin seitdem ich ca. 8 bin. Das hatte definitiv etwas persönliches, genau so wie das von mir gemalte Hintergrundbild und den Schriftzug des Albumtitels.

Wer war für die Produktion des Albums verantwortlich? Wer hat welche Rolle gespielt? Wieso hast du dich genau für diesen/ diese Produzenten entschieden?

Neben mir selbst waren folgende Produzenten beteiligt, zu erst:Lobophunk, Robanzee, Beatinyo, Emrou, Vertiqua. Das sind die Leute mit denen ich seit Jahren zusammen Musik mach und die ich definitv auf meinem Album haben wollte. Mit Lobophunk habe ich große Teile des Albums geplant, unsere Zusammenarbeit war die engste. Zudem noch KFelk, Tony Oldschool und Jimmy aus Miami, die einen sehr funkigen Sound miteingebracht haben. Praxis Simpel und Snaer haben auch wertvolle Beiträge geliefert. Ich bin sehr froh darüber so viele talentierte Produzenten in meinem Umfeld zu haben.


Wie viel Zeit hat die Produktion in Anspruch genommen? Inwiefern wirkt sich die Arbeitsweise auf den Produktionsprozess aus?

Mir wurde erst während des laufenden Prozesses klar, dass ich hier gerade an meinem Debutalbum arbeite. Zuvor hatte ich einige EPs veröffentlicht und dachte, ich mach gerade eine weitere. Das war vor ca. 2 Jahren. Irgendwann hatten LoboPhunk und ich ein paar Songskizzen und wir begannen einen Kurzfilm dazu zu drehen. Ich hatte dann das Gefühl dass das Projekt größer wurde als ich geplant hatte und entschied, es in ein Album umzuwandeln – oder es zumindest zu versuchen 

Wessen Meinung ist dir während eines Albumprozesses wichtig und wieso?

Schwer zu sagen, das haben nicht allzuviele Leute zu hören bekommen. Generell habe ich schon genug Selbstbewusstsein, da erstmal auf (fast) keinen zu hören haha…wenn jetzt meine engsten Leute angefangen hätten, das Teil zu zerreißen hätte ich mir natürlich meine Gedanken gemacht aber das ist nicht passiert.

Auf welchem Label wird die Platte releast und wieso?

Heart Working Class. Weil sie mir Vertrauen ausgesprochen haben und ich das Gefühl hatte, es mit fähigen Leute zu tun zu haben.

Gab es Schwierigkeiten im Produktionsprozess und wenn ja, welche? Welche Ursachen lagen diesen zugrunde?

Eigentlich nicht, außer gewöhnliche Troubles damit, so ein Teil zu finishen und der damit verbunde Organisationsaufwand. Und gewisse Zweifel an den eigenen Fähigkeiten wenn mal was nicht so klappt wie man sich das vorstellt. Aber die gehen wieder weg. Kleine Durchhänger, nichts dramatisches.

Existiert ein Song, der besonders viel Arbeit gebraucht hat und wenn ja, wieso konkret?

Das Outro „North Bergen“ und „Jeder Tag“ mit Fleur Earth, würde ich sagen. „North Bergen“ setzt sich zusammen aus zwei Gesangsbeiträgen aus Freiburg (s/o Ms. Liz) und eben North Bergen, New Jersey (s/o HookMasters) und einem Rap Part von Henry Quester, ein extrem doper Künstler, ebenfalls aus North Bergen. Zudem gibt es 3 Beat Changes, der erste Teil wurde von Vertiqua komplett live und ohne Samples in meinem Wohnzimmer eingespielt, der zweite Teil stammt von mir und Lobophunk. Das alles zu arrangieren und zu mixen war natürlich mehr aufwand, als ein Track auf dem nur ich rappe. Den Track mit Fleur Earth zu mischen hat auch ziemlich lange gedauert, das lag aber wohl eher am Ehrgeiz des Produzenten haha…

Gibt es eine spannende/ witzige Anekdote, die du rund um den Produktionsprozess zum besten geben kannst?

 Als Lobophunk und ich den Beat zu Luca Brasis Solosong „Gierig“ gemacht haben, war schon ziemlich dope…s/o an beide.

Welcher ist dein persönlicher Lieblingssong auf der Platte und was macht ihn zu diesem?

Voll schwer zu sagen, aber ich denke dass „Jeder Tag“ das Rennen macht. Fleurs Part provozierte das eine oder andere Mal Gänsehaut bei mir. Ich mag den Beat von Beatinyo, meinen Part und ihren Part, der im Prinzip nochmal ein eigener Track von der Länger her ist, sehr. Mit ihr einen Track zu machen hat mich sehr gefreut. Sie ist eine außergewöhnliche Künstlerin.


Welche ist die beste Line auf der Platte?

Lass tun was noch nicht kennt/ und zusammenführt, nicht trennt.“ von Fleur Earth

Was hebt das Album aus der Masse an HipHop-Releases hervor?

Schwer darüber zu reden inwiefern sich das von anderen Alben abhebt. Ich mach den Sound den ich persönlich gerne mag und versuch dabei so einzigartig wie möglich zu klingen. Ob sich das von irgendwas abhebt müssen die Leute entscheiden, die sich das Album anhören.

Welche Ideen hat dir diese Platte für zukünftige Releases geliefert? Welche Wünsche hast du jetzt für anstehende Releases?

Ich versuche weiter an meinem Soundentwurf zu feilen und mit Musikern zusammen zu arbeiten von denen ich das Gefühl habe, dass sie einen ähnlichen Ansatz verfolgen wie ich, bei was auch immer. Ich mach fast ständig Musik und es kommt immer etwas neues dabei herum. Find ich auch selbst aufregend so.

Warum sollten Fans genau dieses Album unbedingt kaufen? Womit kann die Platte überzeugen?

Da möchte ich keinen reinreden, das kann jeder für sich entscheiden. Ich hoffe, dass es sich viele Leute genau anhören

Was wird den Hörer an der Platte überraschen? Womit rechnet man zunächst nicht?

Wäre nicht cool, das jetzt zu sagen, dann wüssten das ja alle hehe. Aber irgendwann im Album versuch ich zu singen und kanns dann sogar. Ein bisschen.

Wie geht es nach Release für dich weiter? Welche Projekte sind geplant

Ich mach weiter Musik, hab viele Dinge im Kopf rumschwirren diesbezüglich. In den vergangenen Monaten habe ich auch den einen oder anderen dopen Produzenten kennengelernt, da könnte was kommen. Früher als man vielleicht denkt.

Wirst du mit dem Album auf Tour gehen? Ab wann? Mit wem? Was wird einen auf Tour erwarten?

Erstmal ist keine Tour damit geplant, aber ich werde definitiv hier und da Auftritte spielen, vorerst am 1. Juli in Magdeburg und am 13. Juli in Innsbruck.

Tracklist konkret :

Country Phunk (Akt 1):
Intro, Vocal Sample, viele Drums, dann wieder nicht, change, boom, Kenny G für’n Kofferraum – Country Phunk. Produziert von mir und Lobophunk in einer Sommernacht.

Synapsen:
Blaulicht, 808, Robanzee hat den Beat gemacht. Gibt Video am Releasetag. 1000 Stunden Phunk (feat. Vuka & Laca): Tief im Süden, im Dschungel, Kush in den Socken, Vuka und Laca, Südstadt Nbg. Beat von Lobophunk.

Gierig feat Luca Brasi:
Solosong meines Rap Partners, zwischendrin Tag Team Action, dann vorbei, Worte schweigen, Scratches von DJ Beat Joe kratzen über den schnarchenden Kolibri, der sein Nest in den bröckelnden Putz des Gewobau Wohnblocks schlug. Beat von mir und Lobophunk (schon wieder)

„Wastelands“:
Screwtapes pumpen im Auto. Beat von Praxis Simpel.

„Beef“:
Idee war eigentlich von Mos Def. Das ist meine Version. Olivia mit dem Spoken Word. Beat von Emrou, musikalische Untermalung des Spoken Word

„Teil von mir“.
Missy & Timbo 1997. Beep Beep Vrooommm. Beat von Enaka

„Nelly“.
Ein Pflaster im Gesicht. Produziert von Jimmy. Der Jam (Akt 2) Der Jam aus dem Süden mit Liebe. Background Gesang von Olivia. Beat von KFelk.

„Wolkenloch“.
Quick Jam, Background Vocals von Olivia, Beat von Snaer.

„Diamanten“ feat. Physical Graffiti.
Song mit meiner Schwester aus New Jersey, Video gibts auch dazu. Aufgenommen von Franky in North Bergen. Beat von Vertiqua.

„Hektisch“
Halber RnB Joint mit Olivia. Produziert von KFelk.

„Jeder Tag“ feat. Fleur Earth
Wie gesagt, Fleur Earth ist eine tolle Künstlerin. Stream of Conscious Type of Lyrics von mir die viele meiner Eindrücke zur damligen Zeit behandelten und eine Hommage an jeden neuen Tag von ihr. Beat von Beatinyo.

„Wasser“ feat. Naru
Kurzgeschichten mit Homie Naru aus Dortmund. Sehr talentierter Rapper. Plitsch Platsch. Beat von Enaka.

„North Bergen“ feat Ms Liz, HookMasters und Henry Quester
Vieles kommt zusammen auf diesem Track. So viel dass ich darüber nicht weiter reden möchte, würde sonst vielleicht sogar zu viel werden. S/o Sessions@thePM. Produziert von Vertiqua, Lobophunk und mir.

 

Kuchenmann in den Sozialen Netzwerken:

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Intelligent, Gutaussehend, Bescheiden.

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