Ständig werden neue Bücher über die Befindlichkeit einer Generation geschrieben. Da gab es „Generation X“, „Generation Golf“ und vorkurzem erschien „Wir haben keine Angst“. Alles drei Bücher, die die Möglichkeiten, Gegebenheiten und Chancenauswertungen einer jeweiligen Generation vor den Augen der werten Leser auszubreiten. Dies sind nur drei Beispiele, aber es gibt bestimmt noch eine Menge anderer Meisterwerkemehr, die sich dieser Thematik annehmen. Es ist ja auch in keiner Weise verwerflich sich mit den jeweiligen Generationen zu einembestimmten Zeitpunkt ihrer Existenz auseinanderzusetzen. Dumm nur, dass auch diese Generationeneine Entwicklung durchlaufen, denen zwar immer noch die Objekte der Begierde der jeweiligen Zeit als Identifikation angedichtet werden, ähnlich dem angeblich ständig nach Spreewaldgurken lechzenden Ossi, odervermisst hier etwa irgendjemand Telefone mit Wählscheibe? Heute ist jede Generation Golf oder X schonlängst überholt. Die Twens von damals fahren mittlerweile abgefahrene Gefährte wie Familienkutschenoder E-Rollies – oder mit der Bahn. Auch sind die ständig allen erdenklichen Möglichkeiten bezüglich ihrer Zukunftswahl Betroffenen irgendwann in einer ihr Leben bestimmenden Situation gefangen und werden auch dort weiter machen, ob es ihnen nun gefällt oder nicht. Aber darüber Bücherschreiben und erfolgreich werden? Verdammt, ich hätte ein Buch über die Generation Graffiti schreiben und damit reichwerden sollen. Nur, wo fängt diese Generation an und wo hört sie auf? Am Anfang ist jeder empört, oder bekommt es nur beiläufig mit, dass etwas in seiner Generation schief läuft, da kommen einem solche Bücher immer wieder recht und man identifiziert sich mit einer großen Gruppe Menschen, und das obwohl doch das Individuum heutzutage das A und O ist. Irgendwie sind wir alle dann doch Herdentiere. Ja, auch wir Sprüher, denn sonst würden wir doch nicht immer nach Leuten suchen, mit denen wir zusammen starksein können und eine Crew gründen. Da lobe ich mir im Gegenzug allerdings die, die sich mit stolzgeschwellter Brust „One Man Army“ auf die selbige tätowieren lassen könnten. Zwar bin ich auch in meiner Karriere des Öfteren in einer Crew gewesen oder bin es immer noch, aber dennoch fühle ich mich eher als Einzelgänger. Nie würde ich meinen Namen für den einer Crew komplett hergeben. Ja, ja, nennt mich ruhig einen abgewrackten Egofucker, aber ich finde mich selber immer noch am geilsten. Ha! Welcher Generation könnte man eigentlich das Etikett „Generation Graffiti“ anhängen? Den Typen aus den Siebzigern in den USA? Nein, denn dann würde ich ja meckern, und das tue ich ja eh schon viel zu oft. Meiner Generation, die, die in den Achtzigern in Europa angefangen haben, alles nur Erdenkliche zu bemalen? Nein, oder doch? Immerhin habe ich Deutschland noch ohne Graffiti im Gedächtnis. Den Sprühern von heute? Irgendwie auch nicht, auch wenn sie sich eine Welt ohne Writing gar nicht mehr vorstellen können. Leider haben diese nämlich herzlich wenig zur Entwicklung des Ganzen beigetragen, sondern nur kopiert, was es schon gab und das dann ein wenig  modifiziert. So wie ich eigentlich auch. Und irgendwie sträube ich mich davor, mit Ersteren und Letzteren in einen Topf geschmissen zu werden. Genau aus dem am Ende genannten Grund würde ich mal sagen, dass Graffiti nicht zu einer Generation gehört, sondern Generationen-übergreifendist. Hach, wie herrlich, wir sind alle gleich und können von nun an händchenhaltend in den Sonnenuntergang hüpfen und dabei an Gänseblümchen schnuppern, das Ganze am besten noch nackt im Einklang mit der Natur. Auf eine ziemlich beklemmende Art und Weisebeschleicht mich jedoch das Gefühl, dass wir dann den Alt-Achtundsechzigern ihre Idealeweg nehmen würden. Ich bleibe dann doch lieber in der Großstadt und bombe alles, was mir in den Weg kommt!

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

The following two tabs change content below.