Rap History – 1998 (#106)

Nachdem Bad Boy Records im Vorjahr die Charts dominierte, sorgt Puff Daddy 1998 eher mit seinem Unternehmertum abseits der Musik für Schlagzeilen. Das Debüt von The Lox ist das einzige Rapalbum auf Bad Boy und bleibt hinter den Erwartungen zurück. Dennoch ist Hip-Hop ist nun endgültig im Mainstream angekommen, die Charterfolge reißen nicht ab. Outkast erhalten für ihr drittes Album „Aquemini“ die begehrte 5-Mics-Wertung vom The Source Magazin. Jay-Z veröffentlicht mit „Vol. 2 … Hard Knock Life“ seine dritte LP und erfährt dank der Erfolgssingle „Hard Knock Life“ erstmals über Genregrenzen hinaus große Beachtung. Lauryn Hill liefert das großartige Werk „The Miseducation Of Lauryn Hill“ ab, wofür sie im Folgejahr 5 Grammys abräumt. Die Beastie Boys melden sich mit „Hello Nasty“ zurück, und der Def Squad um Erick Sermon, Redman und Keith Murray stürmt mit „El Nino“ die Charts. Außerdem erscheinen Alben von M.O.P., Method Man, Busta Rhymes und Redman. 1998 ist zudem das Jahr der Debütalben zukünftiger Rapgrößen. Allen voran DMX, sein Erstlingswerk „It’s Dark And Hell Is Hot“ erscheint im Sommer und steigt auf Platz 1 der Charts ein – ebenso wie das Nachfolgealbum „Flesh Of My Flesh, Blood Of My Blood“, das bereits im November folgt. Big Pun bringt sein Debüt „Capital Punishment“ heraus, das als erstes Rapalbum eines Latino- Rappers mit Platin ausgezeichnet wird. Auch Cam’ron debütiert, der große Durchbruch gelingt aber erst Jahre später. Während Partner Capone im Gefängnis weilt, startet Noreaga seine Solokarriere. Das Album „N.O.R.E.“ enthält mit „Super- Thug“ einen der ersten großen Hits der Neptunes. Mit Swizz Beatz macht ein weiterer zukünftiger Star-Produzent erstmals von sich reden. Neben der DMX-Single „Ruff Ryders Anthem“ sorgt er für die New Yorker Club-Hymnen „Banned From TV“ von Noreaga und „Money, Cash, Hoes“ von Jay-Z. Ein Song, der auf keiner Rap-Party fehlt, ist die bereits im Dezember des Vorjahres erschienene Single „Deja Vu“ von Lord Tariq & Peter Gunz. Das nun veröffentlichte Album „Make It Reign“ erweist sich aber als eher enttäuschennd.Dies gilt auch für das Debütalbum von Canibus. Der nach Battle mit LL Cool J sowie überzeugenden Freestyles und Gastauftritten hochgehandelte MC bleibt mit „Can-I-Bus“ hinter den Erwartungen zurück. An der Westküste verliert Death Row seinen letzten großen Star. Snoop Dogg streicht das Doggy aus seinem Namen und wechselt zu Master Ps No Limit Records. Das Label befindet sich auf dem Höhepunkt seines Erfolgs und bringt 1998 über 20 Alben heraus, darunter Master Ps „MP Da Last Don“, das ebenso wie Snoops Album „Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told“ auf Platz 1 der Charts einsteigt. In Deutschland, wo die Beginner mit „Bambule“ den Deutschrap-Boom der nächsten Jahre einläuten, blicken die meisten Rapfans eher kopfschüttelnd auf den Erfolg von No Limit. Das Label mit seinen kitschigen „Pen & Pixel“-Covern wird für viele zum Symbol für den Ausverkauf der Kultur. So manifestiert sich eine Trennung der Hörerschaft, die sich bereits in den Vorjahren angekündigt hatte. Während die einen die großen Hits abfeiern, wenden sich die anderen entfremdet vom Mainstream ab und bescheren stattdessen aufstrebenden Independent-Labels wie Rawkus, ABB und Stones Throw hohe Verkaufszahlen.Diese Indie-Szene hat ihre eigenen Hits: „Work The Angles“ von den Dilated Peoples, Afu-Ras „Whirlwind Thru Cities“, die Missin‘ Linx-Single „M.I.A.“ oder Shabaam Sahdeeqs „Sound Clash“. Stones Throw veröffentlicht mit dem starken „Time Waits For No Man“ von Rasco sein erstes Rapalbum. Auf der Rawkus- Compilation „Lyricist Lounge Vol.1“ versammelt sich das Who-Is-Who der Underground-MCs. Der ausgemachte Star unter ihnen ist Mos Def. Zusammen mit Talib Kweli bringt er das „Black Star“-Album heraus, das mit seinen Conscious-Raps von vielen Fans als willkommener Gegenentwurf zum Mainstream-Hip-Hop angenommen wird und das Duo als Erbe der Native-Tongue-Bewegung etabliert. A Tribe Called Quest geben unterdessen nach ihrem letzten und für viele enttäuschenden Album „The Love Movement“ die Trennung bekannt. Auch Altbekannte begeben sich auf Indie-Pfade. Big L. meldet sich mit der in Eigenregie veröffentlichten „Ebonics“-12- Inch eindrucksvoll zurück, und die D.I.T.C.-Kollegen Show & A.G. begeistern mit ihrer „Full Scale EP“. An der Westküste bringt Aceyalone das starke „A Book Of Human Language“ heraus und die Hieroglyphics veröffentlichen auf ihrem Label das Album „3rd Eye Vision“, dessen Single „You Never Knew“ sich großer Beliebtheit erfreut. Unterdessen lässt ein bis dato nur im Süden der USA beachtetes Label aus New Orleans aufhorchen: Cash Money Records einigt sich mit Universal auf einen beispiellosen 30-Millionen-Dollar-Vertriebsdeal. Im Anschluss erscheint das Juvenile-Album „400 Degreez“ mit den Hit-Singles „Ha“ und „Back That Azz Up“. Während sich Hip-Hop zunehmend für bisher lokal beschränkte
Phänomene öffnet, entstehen woanders neue Subgenres: Anti-Pop-Consortium, Dälek und die späteren Anticon-Künstler Sole, Sixtoo und Buck65 arbeiten von der Masse unbemerkt an neuen Soundentwürfen. Die Turntablism-
Bewegung feiert wegweisende Alben von Q-Bert („Wave Twisters“) und DJ Faust („Man Or Myth?“). Das Genre
wird immer facettenreicher, einen gemeinsamen Nenner zu finden, immer schwieriger. Eine Veröffentlichung, auf die sich dennoch alle Rapfans einigen können, ist das fünfte Gang- Starr-Album „Moment Of Truth“. Guru und DJ Premier zeigen sich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und liefern das wohl beste Album des Jahres ab.

Erzähl Digger, erzähl

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