Pascal Kerouche: „Am Ende sehen die Fotos immer genauso aus wie ich mich in dem Moment fühle.“

Zwei Null Eins Sieben

Der Fotograf deiner Lieblingrapper“ klingt nach Klischee Nummer Eins bei einer Einleitung, wie dieser. Und trotzdem kommt man irgendwie nicht drumherum. Hier eine Liste der Rapper und Stars aufzuführen, die Pascal Kerouche schon vor der Linse hatte, macht ähnlich wenig Sinn. Am Ende bleibt vor allem zu sagen, dass der Fotograf nach seinem erfolgreichen Coming-of-Age Fotoband „Snapshot Stories“ nun einen weiteren Bildband im Köcher hat. „Zwei Null Eins Sieben“ wird dieser heißen und, wie der Titel eben nicht sagt, Fotografien aus den vergangenen drei Jahren enthalten. Quer über den Globus und quer durch die Raplandschaft erzählt Pascal Kerouche die Geschichten zu seinen Bildern. Sehr offen und entspannt ehrlich gab sich Pascal mit uns eine Hohe Fünf zum neuen Fotobuch, welches im Dezember erscheint und aktuell via Crowdfunding versucht die Druckkosten zu finanzieren. 

Snapchat Stories hatte ja einen recht klaren roten Faden. Nun bringst du Aufnahmen von unterschiedlichsten Rappen wie Estikay, Ufo361, die 187 Straßenbande und wahrscheinlich ja auch Chefboss mit Bildern aus Jamaika, Philippinen und den Staaten zusammen. Wie funktioniert hier der große Zusammenhang?

Der große Zusammenhang bin ich und wie ich die Dinge sehe, solange das irgendwie Sinn ergibt. So richtig Gedanken habe ich mir dazu noch nicht gemacht, aber Bildlich wird es ja irgendwie eine Sprache sprechen und vielleicht kann ich ja auch mehr parallelen zwischen zum Beispiel Estikay und 187 aufbauen als man sie auf ersten Blick erahnt. Das Gesamtwerk wird sicher eine gewisse Grundstimmung haben und dadurch wird irgendwie das Gefühl eines roten Faden entstehen. Hoffe ich zumindest.

Hast du die Fotos für „Zwei Null Eins Sieben“ nach einer bestimmten, zusammenhängenden Ästhetik ausgewählt oder geht es nur um die Geschichten beziehungsweise die einzelnen Bilder?

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch gar nicht soweit bin. Ich habe schon ein paar Bilder im Kopf die ich unbedingt zeigen möchte, andere Sachen muss ich nochmal durchgehen und schauen was es überhaupt so gibt. Ich glaube aber schon das die Ästhetik allgemein bei mir zusammenhängt, egal ob ich Chefboss fotografiere, Bonez oder ein Jungen im Ghetto von Jamaika, irgendwie erkennt man ja dass es von mir ist. Im Endeffekt wird es stimmungsabhängig sein, wie ich mich in dem Moment fühle, wenn ich mich hinsetze und genau die Auswahl mache.

Verrätst du den Trick, wie du dich auf fast alle Konzerten oder Festivals auch bis in den Backstage schleichen kannst?

Ich mach es eigentlich oft relativ offensichtlich und laber die Leute meist dicht mit irgendwelchem Kram und gehe dann einfach rein. Klappt bei den meisten Fällen. Man muss den Leuten das Gefühl geben man gehört dazu und ab geht’s. Ich hab meist auch noch irgendeine gute Ausrede parat und dann läuft das. Ich wollte mal beim Splash auf die Bühne bei einem Act bei dem es auf keinen Fall geht. Ich bin zu dem Typen hin und meinte direkt: „Also, folgende Situation …“ darauf hat er mich unterbrochen und meinte das wir diese Diskussion seit drei Jahren führen und ich soll einfach durchgehen. Fand ich ganz witzig.

 

@bonez187erz und der Rest der 187 Bande ist auch im Buch vertreten 👍🏽 pre-order Link in der Bio! 🙌🏽

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Hast du einen Song, ein Album oder eine kurze Playlist, die das Buch begleitet oder inspiriert hat? Gibt es teilweise auch Songs, die dich zu einem Shooting mit einem völlig anderen Künstler inspirieren?

Da das Buch über einen längeren Zeitraum entsteht, ich glaube die ersten Bilder sind 2014 entstanden wechselt das natürlich ständig aber aktuell denke ich es wird von der Stimmung her eine Mischung aus „Ohne mein Team“ (grade wenn ich an das Material von der Estikay Tour denken muss), EstikaysDrecksau“ und TrettmannsGrauer Beton“.

Musik allgemein spielt eine riesen Rolle in meiner Arbeit und in dem, was ich mache. Daher ist sie ein ständiger Begleiter. Ich finde es einfach faszinierend, wie krass sie mich beeinflussen kann von der Stimmung her. Wenn ich zum Beispiel ein Werbeshooting habe könnte ich auf keinen Fall „Grauer Beton“ hören. Dann würde das komplett in die Hose gehen. Da muss dann eher sowas wie „Slide“ von Frank Ocean oder so her. Auf andere Musiker bezieht sich das natürlich auch, am Ende sehen die Fotos immer genauso aus wie ich mich in dem Moment fühle.

Dich scheinen vor allem die Geschichten vom unteren Rand der Gesellschaft zu interessieren, wenn sich zum Beispiel die Fotoserie mit dem Crack rauchenden Mann anschaut. Willst du diesen Leuten mit deinen Fotos einen Ausdruck verleihen?

Ich kann mich einfach mehr mit dem Teil der Gesellschaft identifizieren. Identifizieren ist vielleicht das falsche Wort, weil ich natürlich kein Crack rauche oder mit Waffe durch die Strasse laufe, auch wenn ich lauter Waffen und Kids aus der Hood fotografiert habe. Aber ich fühle mich in deren Umgebung wohler, einfach weil es meist echter ist und nicht so oberflächlich. Ich war letzt auf einem Geburtstag in einer Bar und dann meint ein Typ zu mir, dass ich doch immer um die Welt fliege und Leute wie Aubameyang, Usain Bolt und Neymar fotografiert hab und dennoch irgendwie ganz normal in ner Bar chille und manch anderer würde sich dabei doch voll was einbilden und so. Es gibt bestimmt so Leute, aber was soll ich machen? Ich bin das halt nicht. Auch diese ganze Snoop Dogg Geschichte, natürlich werde ich oft drauf angesprochen und gefragt aber eigentlich ist mir das alles mega unangenehm.

Ich habe emotional viel mehr davon Menschen auf einer Müllhalde, auf der sie auf den Philippinen leben zu fotografieren, als irgendein mega bezahlten Werbejob oder ein halbnacktes Mädel in einem Hotelzimmer. Nicht das ich mir sowas nicht gerne anschaue aber mir gibt es einfach viel mehr. Ich möchte Geschichten erzählen mit meinen Bildern, und das kann ich dort wo ich mich am wohlsten und sichersten fühle am besten.

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Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt seinen Charakter ganz gut.

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