Das SPOT Festival ist bereits seit 1994 ein Treffpunkt für die dänische Musikszene. Als ein Mix aus Business-Treffpunkt und Club-Festival bietet sich hier die Chance, Newcomer aller Musikrichtungen auf ihren ersten Schritten in die große Welt zu begleiten. Dabei gibt es immer die eine oder andere Perle zu entdecken. Unser Head of BACKSPIN machte sich dieses Jahr auf und stellt in dieser Serie ein paar dieser Upcoming-Artists vor: Die neue Hip-Hop-Generation von Dänemark.

Athletic Progression – das ist ein Produzententrio aus Dänemark, welches krass vom Musiker und Produzenten J. Dilla aus Detroit inspiriert wurde. Ihr großes Ziel: Ein Deal bei Stone Throw Records, wo unter anderem Anderson Paak und Knxwledge gesignt sind. Und womit wollen die drei ihr Ziel erreichen? Mit vielen Live-Instrumenten und klassischem Hip-Hop. Im Gespräch mit Niko BACKSPIN spricht die Crew über ihre Musik, Dänisch/Englisch und natürlich auch über die dänische Szene im Allgemeinen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen…

athletic progression

Bitte stellt euch unseren Deutschen Fans erst einmal vor.

Jonathan: Ich bin Jonathan Ludwigsson und bin der Drummer von Athletic Progression.

Justo: Ich bin Justo Gambula und bin der Bassist von Athletic Progression.

Erzählt mir etwas über die Geschichte eurer Crew.

Im Herbst 2013 haben wir einen Pianisten kennengerlernt, mit dem wir angefangen haben, Musik zu machen.  Wir beide waren schon immer leidenschaftliche Musiker und haben irgendwann gemerkt, dass wir beide J.Dilla cool finden und ein Instrument spielen. Die logische Konsequenz für uns war dann, einen Drummer zu finden.  Dann hatten wir für ein knappes Jahr einen Drummer, aber es hat dann irgendwie nicht wirklich hingehauen. Später lernte unser Pianist ,Jonas Cook, Jonathan kennen, der damals noch in einer anderen Band gespielt hat. Jonas hat ihn dann zu uns zum jammen eingeladen und die Chemie hat direkt gestimmt. Nun machen wir seit Herbst 2015 gemeinsam Musik.

Könnt ihr eure Musik  für Menschen beschreiben, die euch noch nicht auf dem Schirm haben?

Wir sind alle krass von J. Dilla inspiriert. Ebenfalls mögen wir es, instrumentale Musik mit einem samplelastigen Hip-Hop Sound zu vermischen. Auch Leute wie Robert Glasper inspirieren uns. Die spielen  alle richtig organische Musik und trotzdem haben sie einen echten und ausproduzierten Hip-Hop Sound. In etwa wie eine Jazz-Band mit Hip-Hop-Vibe. Flying Lotus hat uns auch sehr inspiriert mit seinem atmosphärischen Synthesizer-Sound. Und wie eine Kombination aus all jenen Musikern mit unserer eigenen Note klingen wir.

Seid ihr national erfolgreich mit eurem Typ von Musik ?

Als wir mit Musik angefangen haben, war Erfolg nicht die Motivation. Wir hatten lediglich den gleichen Musikgeschmack und wollten eben jene Musik auch machen. Der dänische  Hip-Hop Musikmarkt  ist wirklich winzig,  aber ich glaube, dass wir mit unserer Musik Hip-Hop interessanter machen. Wir versuchen einen organischen Sound mit Klavieren, Schlagzeugen und Gitarren zu erzeugen, der trotzdem noch seinen Hip-Hop Touch behält. Wir kombinieren die verschiedenen Sounds miteinander und das macht uns am Ende aus. Auf Auftritten spielen wir auch immer live.

Was haltet ihr von der dänischen Hip-Hop Szene im Allgemeinen?

Ich höre eigentlich keinen dänischen Hip-Hop. Ich stehe da mehr auf den L.A. Sound. Das klingt mehr nach dem, was ich auch selbst machen will. Dänemark ist meiner Meinung nach zurzeit sehr auf den Trap- und Autotune-Zug aufgesprungen. Die Amis und Engländer erfinden etwas Neues und dann wird es vom Rest der Welt adaptiert. Leider kopieren viele Künstler auch einfach nur ganz stur und versuchen das Ding gar nicht erst weiter zu entwickeln. Kopieren ist halt nicht unser Anspruch.  Wir hören dann lieber Mucke aus seinem Ursprungsort. Künstler wie Chance the Rapper oder Isaiah Rashad mit ihren Gospel Einflüssen funktionieren und machen Hip-Hop auch einfach besser.

Liegt das an der Sprache?

Wenn du als dänischer MC in deiner Muttersprache rappst, dann wird der Markt logischerweise viel kleiner, weil dich weniger Menschen verstehen. Aber es gibt genauso auch dänische Rapper die auf Englisch rappen, aber eher so ein „dänisches“ Englisch. Es klingt immer noch dänisch – „the danish way“ mäßig. Wir haben auch mal eine komplett englische EP aufgenommen um auch über die Grenzen hinaus Menschen zu erreichen. Wir wollen nicht zwanghaft eine rein dänische Fanbase, aber das geht halt eben mit der Sprache, in der wir Musik machen, einher.

Wie groß war Hip-Hop hier früher? Gab es Rapper, die richtige Poppräsenz genießen konnten?  Gibt es Möglichkeiten für Hip-Hop in Dänemark?

Rapper mit dem Status von Popsängern gibt es hier nicht. Die ganzen Rapper hier sind aufgrund des kleinen Marktes nicht so populär. In den 90ern und 2000ern hatten wir Marwan, L.O.C. und Clemens, aber das ist schon lange Geschichte. Heute ist es vermehrt eine Pop-Industrie. Die größten Hiphop-Künstler  zurzeit  hier sind Nik & Jay, die sind auch erfolgreich. Erinnern ein wenig an die dänische Version der „Black Eyed Peas“.

Welche Künstler findet ihr sonst noch cool?

Berlin Zoo auf jeden Fall, das ist ein Produzententrio die unserer Meinung nach alles richtig machen. Natürlich sollten wir noch unseren alten Freund HansSolo nicht unerwähnt lassen. Mit dem arbeiten wir auch schon lange zusammen.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Unser großer Traum ist ein Deal bei Stone Throw Records, wo unter anderem Anderson Paak und Knxwledge gesignt sind.  Wir lieben die Mucke von Stone Throw. Zurzeit haben wir eine EP, die gerade rauskommt und probieren auf dem SPOT Festival  jetzt auch wieder neue Dinge aus. Der nächste Schritt wäre dann, das alles nochmal aufzunehmen. Wie arbeiten gerade auch mit einem Rapper aus Michigan zusammen, da haben wir letztens auch etwas aufgenommen. Wir haben noch viel Mucke, die wir nur noch droppen müssten.

 

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