Niko unterwegs auf dem SPOT Festival: Teil Vier mit Alvarado

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Das SPOT Festival ist bereits seit 1994 ein Treffpunkt für die dänische Musikszene. Als ein Mix aus Business-Treffpunkt und Club-Festival bietet sich hier die Chance, Newcomer aller Musikrichtungen auf ihren ersten Schritten in die große Welt zu begleiten. Dabei gibt es immer die eine oder andere Perle zu entdecken. Unser Head of BACKSPIN machte sich dieses Jahr auf und stellt in dieser Serie ein paar dieser Upcoming-Artists vor: Die neue Hip-Hop-Generation von Dänemark.

Die Rapperin Alvarado war zu Gast beim SPOT Festival und traf sich mit Niko BACKSPIN um über Frauen im Rap und ihre Anfänge in der Musik zu sprechen. Sie möchte mit Stereotypen des Raps brechen. Geboren ist sie in El Salvador und lebte bis zum zehnten Lebensjahr in den USA. Anfangs war sie als Drum n Bass MC bekannt und trat auch auf dem Roskilde Festival auf. 2016 veröffentlichte sie ihre erste Single „Pressure“ und ihre erste EP „Venusian“ im klassischen Rap Stil. Worüber die beiden noch gesprochen haben, erfahrt ihr hier. 

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Stell dich den Lesern bitte einmal vor.

Mein Name ist Karla, mein Künstlername ist Alvarado, ich stamme aus Kopenhagen und spiele hier heute um 19 Uhr und bin schon extrem aufgeregt. Ich bin gespannt, was mir dieses Festival geben kann. Das SPOT ist ein wirklich wichtiges Event für die dänische Musikkultur.

Was war der Grund, warum du mit Musik angefangen hast?

Ich bin in den USA aufgewachsen und somit war Englisch meine Muttersprache, obwohl ich in Südamerika geboren wurde. Inmitten dieser ganzen Entertainment- und Medienkultur der USA wurde ich groß und schaute MTV und eigentlich auch alles andere, was so im TV lief. Von Rap in den Medien bekam ich das erste Mal  im Alter von 13 oder 14 Jahren mit,  da kannte ich die Musik aber schon seit einigen Jahren und war schon komplett im Rapfilm drin. Ich las mir allgemein jegliche Lyrics von verschiedenen Genres durch, nur um zu gucken, von was die Leute da so reden. Als ich das mit Rap tat, realisierte ich, dass es komplett anders war als bei anderen Musikrichtungen. Ich verliebte mich in den Style und fing an, selbst zu schreiben. Mir gefiel einfach das kreative Arbeiten. Ich habe mir selbst das Rappen beigebracht und obwohl ich das alles nur so aus Spaß machte, bekamen es dann die ersten Leute mit und das brachte mir viel Selbstbewusstsein und Zuversicht, weil die Resonanz gut war. Als ich dann nach Dänemark gezogen bin, fragten mich die Leute, was ich mit dieser Musik in Dänemark wolle.

Du bist wirklich interessiert an der Kultur und Geschichte von Hip-Hop im Allgemeinen. Ebenfalls versuchst du als Frau in der Szene Fuß zu fassen, obwohl es wirklich nicht leicht ist, sich als Frau im Rap zu etablieren. In einer Presseinfo habe ich gelesen, dass du die Stereotypen des Raps brechen möchtest.

Als ich das gesagt habe, war ich wirklich hungrig. Ich wollte eher den Aktivisten spielen, weil ich so hungrig und aufgeregt wegen meinem ersten Projekt war . Heute habe ich meine innere Balance gefunden. Ich versuche mich nicht so auf mein Geschlecht zu versteifen. Ich möchte einfach mehr im Einklang mit der Person sein, die ich war, als ich mit Musik angefangen habe. Ich sehe mein Geschlecht im Game jetzt nicht als Schwäche oder Problem an. Ich versuche einfach, meine Mentalität beizubehalten und hoffe, dass ich damit andere Menschen inspirieren kann. Ich möchte gar nicht als weiblicher MC oder so betitelt werden, ich will am liebsten einfach nur Rapper sein.

Das macht Hip-Hop und seine Kultur ja auch eigentlich aus. Alle sind an Bord. Wie würdest du Leuten deine Musik beschreiben, die dich nicht kennen?

Ich glaube, was an mir besonders ist, ist meine Geschichte. Ich bekam schon öfters mit, wie Menschen auf meine Geschichte reagiert haben. Ich bin in Südamerika geboren, verbrachte meine Kindheit und Jugend aber zum Großteil in Kalifornien und dann bin ich mit meinen Eltern nach Dänemark gezogen. Als wir ankamen, bin ich kurz darauf wieder in die Staaten, bevor ich dann wieder nach Dänemark gekommen bin. Das besondere bei mir ist halt, dass ich mittlerweile in Dänemark lebe, aber eben auch in dem Land groß geworden bin, wo Hip-Hop herkommt. Ich liebe Wortspiele und die Grundlagen des Hip-Hops. Alles, was Menschen an Rap und Hip-Hop lieben, das kann ich dem Publikum auch bieten: Lyrics, der Vibe, Storytelling. Ich glaube, das Alles bringt mich auch von den ganzen Stereotypen weg. Dazu habe ich als Frau nochmal eine andere Perspektive auf die Dinge. Ich will aber auch, dass mich Männer und Frauen feiern.  Mein Rap ist nicht nur für Frauen bestimmt.

Hast du Vorbilder oder Menschen, die dich beeinflusst oder gar inspiriert haben?

Als Kind und Jugendliche hörte ich jegliche Art von Musik. Meine Mutter spielte alles ab von House bis  zu spanischem Rock. Also lernte ich schnell viele verschiedene Stile kennen. Im Rapbereich hörte ich sehr viel Eastcoast-Zeug. Mein großer Traum war es, nach New York zu kommen. Bis heute habe ich es aber noch nicht geschafft. Künstler wie Mobb Deep, Nas oder Bone Thugs-N-Harmony sind meine Favoriten. Damals wusste ich aber gar nicht, dass die alle von der Eastcoast stammen, das finde ich im Nachhinein eigentlich ziemlich lustig. Aber wenn ich mir einen einzigen Namen aussuchen müsste, dann wäre das 2Pac. Das klingt zwar etwas klischeebehaftet, aber wegen seinem Storytelling muss ich ihn einfach erwähnen. Ich hörte seine Musik und es war so, als würde ich ein Buch lesen. Krass fand ich aber auch einige Female MCs wie zum Beispiel Foxy Brown oder Lil Kim. Die hatten so eine gnadenlose „Fick-Dich-Attitüde“, die ich so krass fand.

Was sind deine Pläne und Ziele für deine Karriere?

Ich will reisen und  meine eigenen Shows haben. Von dem ganzen Musikding finde ich Liveauftritte am schönsten. Mein Ziel ist einfach, das Ding am laufen zu lassen und an so vielen Orten wie möglich zu spielen, zu expandieren und nach und nach Mehr zu erschaffen. Ich nehme aber auch alles  wie es kommt und setze mir keine konkreten Ziele, wo ich am Ende enttäuscht werden könnte, weil es eventuell doch nicht geklappt hat. Einfach weitermachen und gucken, wie weit ich komme! Zurzeit arbeite ich auch an einigen Songs, aber ein richtiges Projekt ist das zurzeit eigentlich nicht. Ich habe aber echt viele Tracks und die werde ich natürlich auch veröffentlichen. Meine EP, die ich letztes Jahr released habe, war auf jeden Fall das Beste, was mir in meiner Karriere bis dahin passiert ist.

Aus Businesssicht, was ist besser? Singles oder Alben?

In der heutigen vernetzten Gesellschaft würde ich eher zu Singles tendieren, aber ein Album ist halt mehr so wie ein Buch, also auch ein Stück, was einen richtigen Künstler ausmacht. Jeder ist aufmerksam dabei, wenn ein Album rauskommt. Ich weiß aber nicht, was am Ende besser ist, denn beides funktioniert ja auf seine eigene Art und Weise. Ein Album ist ein Traum jedes Künstlers, weil es einfach ein großes Werk ist.

Leben, Life, Hayat.

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