Kuso Gvki ist tot, lang lebe Kuso Gvki!

Kuso Gvki

Promo-Stunts sind ja immer so eine Sache. Häufig belanglos und eher peinlich, manchmal dafür auch umso genialer und einfach nur kreativ. Selten driftet sowas allerdings auch mal in eine sehr komische Richtung, wie aktuell bei Jung-Producer Kuso Gvki. Mit gerade einmal 16 Jahren veröffentlichte der Düsseldorfer mit japanischem Elternhaus seine selbstbetitelte Debüt-EP und erntete mit einem Fingerschnippen den Status des Produzenten-Wunderkindes. Nach einem kurzen, aber intensiven Festival-Sommer, inklusive Splash! Premiere und Feature in der Juice stand zum Herbst hin ein neues Projekt in den Startlöchern: Die „Lean, Hoes & Autotune“ EP in Kollaboration mit dem ebenfalls noch am Anfang seines Schaffens stehenden MC Young Person. Die erste Single sorgte allerdings für gemischtes Feedback. Nicht etwa die Beats wurden kritisiert, eher der kryptisch dadaistische Auftritt am Mic stellte den Knackpunkt dar. Nichtsdestotrotz zog Kuso Gvki ob des schlechten Feedbacks Anfang September die Reisleine und verkündete via Instagram sein Ausscheiden aus dem öffentlichen Musikkosmos. Rest in Peace Kuso Gvki

Aber warte, die angekündigte EP mit Young Person wird schon noch erscheinen. Im Laufe des heutigen Tages soll sie als letztes Überbleibsel der Kunstfigur Kuso Gvki, wie die über der hohen See verstreute Asche eines Toten, über den digitalen Äther rieseln. Als finale Grabbeigabe kommt noch ein Video zu dem Titel „God“ hinzu. Passenderweise wird hierdrin nun Kuso Gvki zu Grabe getragen. Anstatt in der tiefe der Erde zu versinken rafft sich der Maskierte jedoch wieder auf und macht es wie Sido anno 2005. Natürlich wird der Nachwuchs-Produzent nicht von hier auf gleich von der Bildfläche verschwinden und wegen einer leichten Brise Kritik einfach einknicken. Es wird weitergehen. Kuso Gvki steht wieder auf. 

Aber lassen wir den jungen Produzenten doch einfach selbst zu Wort kommen, wir haben uns nämlich mit ihm zum Auferstehungs-High-Five getroffen und kurz über Kritik und social media gequatscht. 

Wie hast du die Reaktionen auf deinen „Rückzug“ wahrgenommen? 

Es ist natürlich etwas sehr schönes so viel Zuspruch und Unterstützung zu erfahren, aber es hat sich auch falsch angefühlt. Ich will ja niemanden verarschen, gerade die Leute nicht, die mich unterstützen. Das sollte eigentlich nur eine sarkastische Antwort auf den Hate gegen Young Person sein. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so ernst genommen wird, aber als es dann einmal draußen war, musste ich das dann irgendwie auch durchziehen. 

Wie gehst du allgemein mit Kritik um, die über social media reinkommt?

Es wäre gelogen zu sagen, dass mir das egal ist. Man macht das ja nicht nur für sich, sondern auch um andere Menschen zu erreichen. Aber die meisten Leute feiern meine Sachen ja auch. Wenn da ein paar Hater dabei sind, ist mir das egal. Konstruktive Kritik ist natürlich was anderes. Das finde ich krass, wenn sich jemand, der dich nicht kennt, sich die Zeit nimmt dir differenziertes Feedback zu geben. Respekt. 

Wessen Kritik nimmst du dir wirklich zu herzen?

Es gibt ein paar Leute aus meinem engeren Umkreis. Allgemein können Meinungen sehr unterschiedlich ausfallen. Ich nehme es mir immer zu Herzen wenn mehrere Leute das gleiche Feedback geben. 

Es wird ja aktuell sehr viel über Hassprediger oder Trolls im Internet gesprochen. Was hälst du von der Debatte an sich und wie schätzt du die generelle Stimmung in den sozialen Medien ein? 

Also wenn es was banales ist, finde ich das nicht schlimm. Wie wenn jetzt jemand unter ein Rin-Video schreibt, dass Autotune voll kacke ist und die Stieber Twins viel besser waren und Leute sich aufregen, finde ich das lustig. Aber wenn das rassistisch oder sexistisch oder beleidigend wird, nur um Leute zu triggern, ist ziemlich unnötig. Ich glaube viele Leute halten ihre Emotionen im Real-Life zurück und benutzten das Internet dann als Ventil um mal richtig Dampf abzulassen. Da tun sich manchmal schon Abgründe auf. Ziemlich scary, 

Glaubst du, dass auch dieser sehr direkte Meinungsaustausch über das Internet uns in diese sehr populistische Zeit geführt hat?

Das ist ja gerade kein Meinungsaustausch. Da tun Leute ihre Meinung kund. Ist denen doch egal, was jemand anderes dazu sagt. Stell dir mal vor jemand regt sich über Flüchtlinge auf und jemand anderes geht darauf ein und stimmt die Person um und die ist dann so “Hey so hab ich das gar nicht gesehen aber stimmt, du hast recht, Rassismus und Grenzen sind voll scheisse”. Also ich habe sowas noch nie gesehen. Ich seh da wenig Austausch sondern meistens einen ziemlich engen Konsens. Informationen sind übertrieben viele da, aber die Leute picken sich das raus, was am besten in ihr Weltbild passt und bestärken sich dann gegenseitig in ihrer Meinung. 

Hier bekommt ihr euch die EP zu gratis Download!
Hier gibt es unser Producer Spotlight mit Kuso Gvki. 
Hier findet ihr Kuso Gvki auf Instagram.
Hier kommt ihr zu Yung Persons Facebook-Auftritt. 
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Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt seinen Charakter ganz gut.

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