Rick James
Die Musikwelt trauert um Rick James. In der Nacht vom 6. auf den 7. August verstarb der mit einem Grammy ausgezeichnete Bassist und Songwriter in seinem Haus in Los Angeles. BACKSPIN wirft einen kleinen Blick auf das Schaffen des „Superfreak“. Geboren wurde Rick James am 1. Februar 1948 als James Johnson Jr. in Buffalo, New York. Er wuchs auf bei seiner Mutter, einem Dienstmädchen, das sich nebenher auch um die Buchhaltung der italienischen Mafia gekümmert haben soll. Viel mehr ist über seine Kindheit nicht bekannt. In den 1960er Jahren wollte er offenbar raus aus Buffalo und schrieb sich bei der US Navy ein. Noch während der Ausbildung – der Vietnamkrieg hatte gerade begonnen – beging Johnson Fahnenflucht und setzte sich nach Toronto ab. Dort taucht sein Name denn auch zum ersten Mal in Verbindung mit Musik auf. 1965 gründete er zusammen mit Neil Young, Bruce Palmer und Goldy McJohn die Rockband Mynah Birds und konnte einen Vertrag bei Motown ergattern, auch wenn es bei dem legendären Label unter diesem Namen nie zu einer Veröffentlichung kam. Als James nämlich in die USA zurückkehrte, inhaftierte die Navy den Fahnenflüchtigen, was zur Auflösung der Gruppe führte. Neil Young und Bruce Palmer fanden sich später in der Formation Buffalo Springfield wieder, Goldy McJohn gründete die Band Steppenwolf. Aus der Haft entlassen, hatte James Johnson Jr. dann erst mal genug von den USA und siedelte nach England über, vorerst. Dort gründete er die Funkband „Main Line“ und nahm mit ihr erneut ein Demo auf. Wieder wurde man in Detroit hellhörig, was der schräge Vogel aus Buffalo da zustande brachte. Motown war inzwischen finanziell angeschlagen und auf der Suche nach einem neuen Zugpferd. Und so nahm man James Johnson Jr. alias Rick James erneut unter Vertrag, dieses Mal allerdings als Solokünstler und Songwriter. Aus Sicht der Detroiter war dieser Schritt sicherlich gewagt, doch er sollte sich auszahlen: 1978 schlug „You And I“, die erste Single von Rick James auf Motown, prompt in den R&B Charts ein und schaffte außerdem den Sprung in die Billboard-Top-40-Singlecharts. Noch im selben Jahr schob James „Mary Jane“, eine Ode an Marihuana, nach und landete mit ihr gleich den nächsten Hit. Zumindest, was die Verkäufe anbelangte, denn ob des Textes verzichteten viele Radiosender seinerzeit darauf, das Stück zu spielen. An dem Song selbst vergriffen sich über die letzten beiden Jahrzehnte diverse Rap-Produzenten und machten daraus ihre eigenen Hits wie etwa „On The Mic“ (DJ Honda feat. The Beatnuts), selbst Jennifer Lopez ließ den Song für ihr „I’m Real“ neu interpretieren. Das dazugehörige Album „Come Get It“ erlangte darüber hinaus schnell Goldstatus und brachte – mit dem für Rick James typischen Straßenjargon, seiner Freizügigkeit und seinem recht eigenen Stil, dem „Punk Funk“ – das vom Erfolgskurs abgekommene Label Motown wieder zurück ins alte Fahrwasser. So ermöglichte ihm sein Label nun auch, sich eine eigene Crew, die Stone City Band, zuzulegen, die ihn auf der Bühne und im Studio begleitete. Weiter engagierte er die Mary Jane Girls als Backgroundsängerinnen und verschaffte ihnen einen eigenen Deal mit Motown. James’ zweites Album „Bustin’ Out Of L Seven“ (1979) konnte allerdings nicht an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen, lediglich die Single „Bustin’ Out“ wurde ein Hit. In der darauf folgenden Zeit arbeitete James auch zusammen mit den Temptations, die gerade zu Motown zurückgekehrt waren und deren Sänger Melvin Franklin sein Onkel war. Und auch er selbst veröffentlichte noch im selben Jahr ein weiteres Album: „Fire It Up“, das von Kritikern seinerzeit als „unter seinen Möglichkeiten“ abgetan wurde. Aus dem Titelsong bastelte sich rund zwanzig Jahre später übrigens Busta Rhymes sein „Fire It Up“. 1980 erschienen dann gleich zwei weitere Alben von Rick James, die, wenn man heute über seine Musik spricht, gerne vergessen werden: „3 Times In Love“ und „Garden Of Love“ hießen sie, und gerade Letzteres sollte man nicht außer Acht lassen, wurde es doch wie sein Debütalbum mit Gold ausgezeichnet und enthält zudem einige gute Songs. 1981 kehrte Rick James dann mit einem neuen Smasher zurück. So kletterte „Give It To Me Baby“ bis an die Spitze der R&B-Charts und verschaffte dem dazugehörigen Album „Street Songs“ dreifachen Platinstatus. Ebenfalls auf der LP enthalten ist sein posthum wohl bekanntestes Stück: „Superfreak“, an dem sich später MC Hammer für „U Can’t Touch This“ vergriff. Rückblickend betrachtet ist „Street Songs“ das erfolgreichste Album, das James je veröffentlichte, Kritiker schrieben damals denn auch, er hätte mit dieser LP seinen Zenit erreicht. So bekam Rick James 1990, als Urheber von Hammer’s Hitsingle, denn auch seinen einzigen Grammy überreicht. Auf der Tour zu „Street Songs“ nahm er, neben seiner Weggefährtin Teena Marie, übrigens den Newcomer Prince als Vorgruppe mit und stellte ihn so einem Millionenpublikum vor. James spielte zu dieser Zeit meist vor über 50 000 Zuschauern und soll für einen Auftritt Gagen um die 500 000 Dollar verlangt haben. 1983, James hatte im Vorjahr mit „Throwin’ Down“ sein nunmehr siebtes Album veröffentlicht, trat er auch als Produzent und Songschreiber der Mary Jane Girls in Erscheinung. So findet sich auf dem ersten Album der Girls, die die gleiche Soul-Glow-Frisur trugen wie ihr Meister, denn auch ein weiterer Hit von James, der bis heute auf alle Black-Music-Fans große Anziehungskraft ausübt: „All Night Long“, von unzähligen Sängerinnen und Sängern gecovert und oft gesampelt. Vom Verfahren des Sampelns hielt James zunächst allerdings recht wenig. Erst als ihm klar wurde, wie viel Geld er damit verdienen könnte, begann er, es offiziell zu genehmigen, allerdings zu harten Konditionen. Mit MC Hammer wurde damals etwa ausgehandelt, dass 80 Prozent der Tantiemen seines Stücks an James gingen. Überhaupt war der Mann aus Buffalo inzwischen sehr auf seinen Lohn fixiert, da er einen extravaganten Lebensstil führte, dessen Kosten gedeckt sein wollten. In Boulevard-Blättern war seinerzeit oft von Drogenexzessen, Orgien und anderen Dingen zu lesen, die man vorher in erster Linie mit Rockstars in Verbindung gebracht hatte. Aber Rick James, der Punk-Funk-Künstler, wollte offenbar gleichziehen mit den Headbangern. 1985 und ein Album später veröffentlichte James die LP „Glow“, auf der sich mit „Moonchild“ erneut ein Song befand, an dem verschiedene Hip-Hop-Produzenten ihre Freude hatten. So sampelte etwa Diamond D den Track für sein „Cream N Sunshine“, und Mary J Blige ließ sich aus „Moonchild“ ihr „Love Is All We Need“ schustern. 1986, James’ Diskografie umfasste inzwischen zehn Alben, kam es letzten Endes zum Streit zwischen den Detroitern und James. Das Label weigerte sich, ein weiteres Album der Mary Jane Girls zu veröffentlichen, und war zudem nicht sonderlich erfreut über James’ musikalische Seitensprünge – der nämlich hatte mittlerweile als Songwriter auch für andere Künstler wie Smokie Robinson und gar Eddie Murphy gearbeitet. Infolgedessen löste man den Vertrag auf, und James unterschrieb bei Reprise, einer Division von Warner Brothers, einen neuen Kontrakt. Und so erschien 1988 sein elftes Album „Wonderful“ bei Reprise. Auf der LP befand sich etwa das Stück „Loosy’s Rap“, eine Kollaboration mit Roxanne Shanté, die James erneut an die Spitzen der Charts katapultierte. Doch irgendwie war inzwischen die Luft raus. Durch seine wilden Exzesse, die immer wieder von den Medien aufgegriffen wurden, und durch seine extreme Selbstinszenierung war James immer mehr zur Karikatur seiner selbst mutiert, zumal auch seine Kokainsucht ihr Übriges tat; Gerüchten zufolge soll er weit über 20 000 Dollar im Monat für den Stoff ausgegeben haben, wobei zu beachten ist, dass der Kokainpreis in den USA deutlich unter dem in Europa liegt. Letzten Endes wurden Rick James und eine Weggefährtin 1991 inhaftiert und wegen zweifacher Vergewaltigung und Misshandlung angeklagt. Es hieß damals, man hätte versucht, zwei Frauen zur Teilnahme an einer von James’ Orgien zu zwingen. Nachdem er sich acht Monate in einer Entziehungsklinik von seiner Sucht befreit hatte, verurteilte man ihn schließlich zu fünf Jahren und vier Monaten Gefängnis. Als James 1996 entlassen wurde, begab er sich, geläutert und voller Tatendrang, sofort wieder ins Studio und nahm das 1997 erschienene Album „Urban Rapsody“ auf, das von Kritikern viel gelobt wurde. Der Erfolg der späten siebziger und frühen achtziger Jahre aber blieb aus. 1998 soll er während eines Auftritts gar einen Schlaganfall erlitten haben. Seit der Jahrtausendwende soll James außerdem an seiner Biografie „Memoirs Of A Super Freak“ gearbeitet haben, die bis heute jedoch nicht erschienen ist. Und auch an einem neuen Album arbeitete der Punk-Funker, für das bereits eine Kollaboration mit Outkast’s André 3000 eingespielt war. In der Nacht vom 6. auf den 7. August dieses Jahres starb Rick James in seinem Haus in Los Angeles. Er hinterlässt drei Kinder, darunter die „angehende Rapperin“ Ty. Diskografie (Alben) 1978 „Come Get It!“ (Motown) 1979 „Bustin’ Out Of L Seven“ (Motown) 1979 „Fire It Up“ (Gordy/Motown) 1980 „3 Times In Love“ (Motown) 1980 „Garden Of Love“ (Motown) 1981 „Street Songs“ (Motown) 1982 „Throwin’ Down“ (Gordy/Motown) 1983 „Cold Blooded“ (Motown) 1985 „Glow“ (Gordy/Motown) 1986 „The Flag“ (Motown) 1988 „Wonderful“ (Reprise) 1989 „Kickin’“ (WEA [UK]) 1997 „Urban Rapsody“ (Private I)







