Slowy & 12Vince: „Ich mag die komprimierte Energie kleiner Clubs, wo der Schweiß von der Decke tropft“

Slowy & 12Vince

Wenn sich ab dem 20. September die deutsche und internationale Musik-Industrie in Hamburg zum mittlerweile traditionellen Reeperbahn Festival auf dem Kiez trifft, darf BACKSPIN natürlich nicht fehlen. Am Festival-Freitag werden wir vier illustre Acts aus den weiten Deutschraps auf die Bühne des Moondoo präsentieren. Nach Opener DiscoCtlr steppen Slowy & 12Vince ans Mic. Direkt das Intro ihres im März erschienenen Album „Undercover Blues“ zeigt wo es hingehen wird: „Ich will nichts auf Tracks versprechen, was ich Live nicht halten kann.“ Und das Album verspricht eine reichliche Menge an Boom-Bap-Beats verziert mit den messerscharfen Flows von Slowy. In Teil Zwei unseres Zirkels der Hohen Fünfen haben wir mit den Hamburger Originalen über Festivals, Club-Gigs und Reviews gesprochen. Am 22. September finden sich Slowy & 12Vince dann auf dem BACKSPIN Abend wieder. 

Slowy & 12Vince

Wie steht ihr zu Festivals generell? Spielt ihr lieber Open Air oder doch in einem kleineren Club?

Kommt ganz auf das Event und das Publikum an. Ich mag an Open Airs die frische Luft und das Gefühl, draussen zu sein und wenn das Publikum Bock hat, funktioniert unsere Live-Show auch Open-Air sehr gut und macht viel Spaß auf der Bühne. Grundsätzlich mag ich aber eher die komprimierte Energie kleiner Clubs mit den reflektierenden Wänden, wo der Schweiß von der Decke tropft und die Leute näher zusammen sind und wo man als Künstler nicht einen riesigen Graben zum Publikum hat.

Das Reeperbahn Festival ist ja grundsätzlich ein etwas unkonventionelles Musik-Festival, zumindest wenn man sich die Entwicklung größerer, deutscher Musikfestivals in den letzten Jahren anschaut. Das Publikum besteht viel eher auch aus Kritikern, als ausschließlich aus Fans. Gehst du mit dem Auftritt anders um, bereitest du dich besonders vor?

Nein. Wir bereiten uns grundsätzlich wenig bis gar nicht auf Shows speziell vor, sondern machen, wenn wir irgendwo angefragt werden, dort einfach unser Ding. Wenn sich ein Medienvertreter oder Booker dort ein Bild von uns machen will, dann wird ihn dort das gleiche erwarten, wie wenn er in einer anderen Stadt auf ein Konzert von uns geht. Mal davon abgesehen, dass die Energie unserer Show über die Set-Länge auch immer eine Reflektion der Energie des Publikums darstellt. Wenn die Leute positiv auf uns reagieren und mitmachen und durchdrehen, drehen wir auch durch. Wenn das Publikum lieber auf Stühlen sitzt und verhalten ist, mach ich mich ungern zum Hampelmann und spring vor denen rum, dann wird unsere Show auch eher zu einem Jazz-Konzert und einem Vortrag unserer Musik.

Es geht bei einem Auftritt auf dem Reeperbahn Festival ja meist eher um einen Showcase als um einen einfachen Auftritt. Bist du da nervöser als vor einer normalen Show? Rechnet ihr euch im Gegenzug eventuell auch Chancen aus um ein anderes Publikum zu erschließen?

Nein, um so etwas mach ich mir wenig Gedanken ehrlich gesagt. Wir sind keine Stars oder professionellen Musiker und bereiten uns auch nicht als solche auf eine professionelle Show vor oder verstellen uns auf der Bühne. Wir gehen auf die Bühne und spielen unsere Musik auf großen wie auf kleinen Bühnen gleich und machen dabei Fehler und sind menschlich. Das hat unsere Auftritte bisher laut dem Feedback, welches wir bekommen haben, scheinbar immer natürlich und sympathisch rübergebracht und wenn sich unsere Leidenschaft für die Musik auf die Menschen vor der Bühne überträgt, ist das effektiver für die Stimmung, als wenn die Nebelmaschine zum richtigen Zeitpunkt einsetzt oder die Lichtshow perfekt abgestimmt ist. Insofern ist „Show“ vielleicht gar nicht das richtige Wort. Wir ziehen keine Show ab auf der Bühne, sondern zeigen einfach, wer wir sind und was wir für Musik machen.

 Slowy & 12VinceFoto: Kai Bernstein

Bei einem BACKSPIN-Panel im Rahmen des Reeperbahn Festival wird es um den Umgang von Künstlern mit Rezensionen und Kritikern gehen. Wie stehst du zu dieser Thematik? Gab es schon mal eine Plattenkritik, die dich verletzt oder getroffen hat? Hast du schonmal auf eine Plattenkritik reagiert?

Reagiert sicherlich, ich habe Kritiken, denen man angemerkt hat, dass sich der Kritiker ernsthaft mit der Thematik befasst hat, auch gern geteilt. Oder im Falle, dass sich nicht vorbereitet wurde, auch einfach nur amüsiert weiterverbreitet. Grundsätzlich ist das Aufnehmen von Kritik bei mir immer eine Frage des Respekts vor der kritisierenden Person. Ich nehme mir Kritik von Freunden oder geschätzten Musikerkollegen deutlich mehr zu Herzen als die eines Internetkommentators, den ich nicht kenne oder der eines Praktikanten, der für die Rezession unserer Platte vielleicht weniger Zeit als die Albumlänge hat, da er noch zehn weitere am Tag schreiben muss. Wir haben mit Kritik aber bisher fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Da wir sowieso noch fast ausschließlich im Bereich Liebhabermusik einzuordnen sind, besteht unser Publikum auch fast nur aus Leuten, die uns wertschätzen und die Leute, die für Medien über uns schreiben, machen das in der Regel auch aus persönlichem Antrieb und fragen uns dafür an. Wir haben uns nie irgendwo angebiedert oder nach Interviews gefragt oder versucht, auf Plattformen stattzufinden, die unsere Musik bekannter machen, aber vor deren Arbeit wir ansonsten keinen Respekt haben.

Für euch als Hamburger: Was macht Hamburg besonders?

Das Gefühl, hier zu Hause zu sein.

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Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt seinen Charakter ganz gut.

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