Hohe 5 mit Tobias Wünn vom Streetlove Magazin: „Graffiti war und ist also auch gar nicht auf die Hip Hop Medien angewiesen“

Das Streetlove Magazin steht, in Zeiten der sinkenden Popularität von Printmedien, für einen konstanten Bestandteil des Hip-Hop Journalismus, in Form einer Re­vue. Seit der ersten Ausgabe des Magazins, sind nun elf Jahre vergangen, in denen sich der Fokus stetig weiter entwickelt hat. Das Hauptaugenmerk wurde auf Graffiti, und in der neusten Ausgabe, noch spezifischer, auf Stylewriting gelegt. Das Streetlove Magazin befasst sich jedoch nicht nur mit Graffiti sondern auch mit den anderen Elementen des Hip-Hops. So erschien beispielsweise in der neusten Ausgabe ein Interview mit DJ Skeme Richards und dem Rapper Marz. Wir sprachen mit Verleger Tobias Wünn über seine Idee zu dem Magazin und die spezifische Ausrichtung dessen.

Wie ist die Idee für das Magazin entstanden?

Die Idee war ursprünglich, ein Magazin herauszubringen, welches ich selbst gerne lesen würde, das die traditionellen Werte der Hip Hop Kultur in den Fokus stellt und sich mit allen Elementen der Kultur beschäftigt. Zudem sind die Printmedien auch schon lange stark rückläufig und es spielt sich alles mehr im Internet ab. Das hat zwar Vorteile, ist aber sehr unübersichtlich und man muss sich zum Teil erst mal recht viel Müll reinziehen, bis man findet, wonach man sucht. Mit Streetlove möchte ich sozusagen nur die beste Qualität herausfiltern und bündeln.

Streetlove

Was hat sich seit der ersten Ausgabe des Heftes, im Jahr 2011 verändert? Macht sich die sinkende Popularität von Printmagazinen bemerkbar?

Was die sinkende Popularität der Printmedien angeht hat sich seit der ersten Ausgabe nicht wirklich viel verändert. Als ich 2011 mit der ersten Ausgabe rauskam, war das Interesse an Printmedien schon so stark rückläufig, dass mir so gut wie jeder davon abgeraten hat, im Zeitalter des Internets ein Printmagazin herauszubringen. Natürlich war mir das auch bewusst, aber ich konnte mich einfach nicht mit dem Internet als Medium anfreunden und wollte es trotzdem probieren. Und heute kann ich trotz allem schon an Ausgabe #06 planen.

Was bedeutet Hip Hop und vor allem Graffiti für dich persönlich?

Graffiti hat schon im Kindesalter eine sehr große Faszination auf mich ausgeübt, so dass ich selbst auch recht früh anfing zu sprühen. Später fiel mir dann mal in einem Stuttgarter Plattenladen der Alte Schule Sampler in die Hände, auf den ich nur wegen des Covers von MODE2 aufmerksam wurde. Durch diese Platte wurde mir dann erstmals der Zusammenhang von Graffiti und der Hip Hop Kultur bewusst. Da ich schon vorher Rap hörte fühlte ich mich dann als Writer in der Hip Hop Kultur sofort zuhause und kann mich auch heute noch mit den Werten der Hip Hop Kultur sehr gut identifizieren. Hip Hop hat einen großen Einfluss darauf gehabt, wie sich mein Leben bis heute entwickelt hat und das wird wahrscheinlich auch so bleiben. Dies sind übrigens auch die Werte, die ich jetzt mit dem Streetlove Magazin erhalten und weitergeben möchte.

Streetlove

Es scheint als legst du den Fokus des Magazins besonders auf Graffiti. Wie lässt sich dies begründen?

Das ist richtig. Das liegt sicherlich daran, dass ich selbst Writer bin und sich das eben auch im Magazin widerspiegelt. 

Findest du, dass die Graffiti-Kultur in den letzten Jahren, im Hip Hop unterrepräsentiert war?

Es kommt drauf an, wie die Frage gemeint ist. Wenn die Präsenz in der Hip Hop Kultur selbst gemeint ist, dann ist Graffiti mit Sicherheit das präsenteste aller Elemente. Du siehst Graffiti überall, zu jeder Zeit, ob du willst oder nicht. Viele Bboys tragen Shirts oder Caps mit Graffiti Pieces drauf, Rapper lassen sich Plattencovers von Writern gestalten oder wählen Graffiti Wände als Kulisse für ihre Musikvideos. Auf Jams wird auch immer gesprüht, Graffiti ist also innerhalb und außerhalb der Hip Hop Kultur allgegenwärtig. Wenn du aber die Präsenz von Graffiti in den Hip Hop Medien meinst, wurde Graffiti für mein Empfinden schon immer etwas unterrepräsentiert und das wird sogar immer weniger. Vor allem die in den letzten Jahren entstandenen Video- oder Online Hip Hop Magazine setzten sich ja fast ausschließlich nur noch mit Rap auseinander, was ich sehr schade finde. Graffiti hatte aber auch schon immer seine ganz eigene Medienwelt, es gab und gibt unzählig viele verschiedene Graffiti Magazine und -DVDs. Graffiti war und ist also auch gar nicht auf die Hip Hop Medien angewiesen, um Beachtung zu genießen und im Zeitalter von Instagram schon gar nicht. Aber ich möchte versuchen, mit dem Streetlove Magazin eine Brücke zu schlagen um die Elemente wieder mehr miteinander zu verbinden.

Falls ihr die neue Ausgabe des Streetlove Magazins noch nicht besitzt, könnt ihr diese hier bestellen.

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