Es ist bald Juli 2017 und Flüchtlings- und Einwanderungsthematiken sind nach wie vor omnipräsent in den deutschen Medien. Flüchtlinge hier, Einwanderer da – schnell vergisst man als Konsument, dass hinter diesen Begrifflichkeiten auch einfach ganz normale Menschen stecken. Hyperbole, welches den meisten Rapfans wohl durch ihr Format „Disslike“ bekannt sein wird, versucht mit dem Format „Germania“ seit über einem halben Jahr diese Begriffe aufzubrechen und zeigt stattdessen lieber die Menschen dahinter. Unter anderem hat ihr Format bereits mit Capital Bra, AK Ausserkontrolle und zuletzt auch mit Nimo zusammenarbeiten können. Wir sprachen mit Hyperbole Gründer Bastian Asdonk über „Germania“ und die Einwanderungsthematik.

Das Team von „Germania“

 

Welche Idee steckt hinter eurem Format „Germania?

Wir wollten die Geschichte von Menschen erzählen, die nicht in Deutschland geboren sind. Diese Geschichten sind zwar Einzelschicksale, aber sie sind natürlich auch stellvertretend für die Erfahrung, die viele Einwanderer oder Kinder von Einwanderern in diesem Land gemacht haben.Es wird viel in Talkshows oder politischen Diskussionen über diese Menschen gesprochen, aber trotzdem wissen viele Deutsche wenig darüber, wie die Einwanderer aus verschiedenen Ländern eigentlich leben und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Das meiste ist immer noch durch Vorurteile bestimmt.

Welchen Grund hat es, dass ihr soviel mit Rappern dreht?

Seit es Hyperbole gibt, war Rap immer wichtig. Wir machen Disslike mittlerweile seit über zwei Jahren und versuchen Rapper auch immer wieder in unseren politischen Formaten zu platzieren. Zum einen, weil wir damit Leute erreichen, die durch die normalen politischen Medien wie Fernsehen oder Zeitungen nicht erreicht werden. Und auch weil viele Rapper stellvertretend für andere Einwanderer oder Kinder von Einwanderern sind. Rap als Musikform hat sich ja aus der Geschichte afrikanischer Sklaven entwickelt und erzählt deshalb ja auch immer von kultureller Identität in der Fremde. Und Rapper kennen sich meistens mit Storytelling aus. Die wissen eben, wie man eine gute Geschichte erzählt.

Welche Rapper findet ihr noch interessant, mit denen ihr euch eine Folge sehr gut vorstellen könntet?

Eigentlich alle. Wobei es natürlich ganz besonders interessant ist, wenn Straßenrapper erzählen. Der Gegensatz zwischen ihrem Image und einem reflektierten Umgang mit ihrer Geschichte ist bei den Jungs am Größten. Und deshalb funktioniert es so gut.

„In Deutschland ist es ja schwierig über Einwanderung zu reden.“

Was erhofft ihr euch durch Germania?

Im besten Fall etwas mehr Verständnis für die verschiedenen Arten zu leben. In Deutschland ist es ja schwierig über Einwanderung zu reden. Ganz oft gibt es nur die beiden Extreme: Alle sollen kommen oder alle sollen wegbleiben. Beides ist keine realistische und positive Vision für das Land, in dem wir alle leben. Jeder fünfte Mensch in Deutschland hat ausländische Wurzeln. Und diese Tatsache sollte man zur Kenntnis nehmen und sich mit diesen Menschen beschäftigen. Wenn wir das nicht tun, ist es für alle schlecht.

Ihr seid für den Grimme Online Award 2017 in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ nominiert. Bedeutet euch diese Nominierung etwas?

Klar, das freut uns total. Wir versuchen mit anspruchsvollen Formaten viele Leute zu erreichen und das ist natürlich schwieriger, als Gaming Videos oder Make-Up Tutorials zu drehen. Um so cooler, dass die Leute aus der Grimme-Jury das Format nominiert haben.

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