Rapkreation: „Wir wollen die Leute mit Ideen, freshen Konzepten und Qualität überzeugen.“

Rapkreation machen ihrem Namen mal wieder alle Ehre und verweben griffige Ansagen mit klaren und fortschrittlichen Sounds. Dabei ergänzt die dynamische Entourage, die sie im Rücken haben, ihre Attitüde ganz logisch: Keine Vision ist zu utopisch und kein Rooftop ist zu hoch. Im Berliner Untergrund sind sie vor einigen Monaten mit ihrem Track „Lauf“ längst angekommen. Durch die kurz darauf erschienene EP „RK.EP.NR.01“ haben sie sich auch in Restdeutschland Aufmerksamkeit beschaffen. Erst kürzlich ist die erste Videoauskopplung zu „Ich und Er“ erschienen. Wir haben die beiden gebeten, sich den BACKSPIN-Lesern vorzustellen. 

 

I know our roots…

Wir sind zwei Jungs aus Berlin-Kreuzberg, die tatsächlich da aufgewachsen sind. Wir kennen uns seitdem wir klein sind, sind in einem Kiez groß geworden und wohnen sogar in derselben Straße. Kotti, Görli oder Schlesi sind wir jederzeit anzutreffen. Angefangen hat alles mit Freestylen. Wir haben viel draußen gehangen und überall gefreestylt, wo man gerade zusammen war, also auch auf Homeparties oder bei Freunden zuhause. Mit oder ohne Beat, vollkommen egal. Wir waren allerdings nie die besten Freestyler und wollen uns auch nicht daran messen. Es war einfach der Anfang. 
Über eine Bekannte haben wir dann die Information erhalten, dass es staatliche Unterstützung für Jugendliche im Bereich Musik gibt. Wir dachten im ersten Moment, dass wir Geld bekommen würden, um uns ein eigenes Studio einrichten zu können. Wir haben wirklich von einem Luxusstudio mit allem Drum und Dran geträumt. In Wirklichkeit hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht mal jemanden, der uns aufgenommen hat. Und wir hatten auch so überhaupt keine Ahnung von irgendwelchen Abläufen. Wir wollten einfach nur „professionell“ Musik machen. Irgendwann war klar, dass wir kein Geld bekommen würden. Also wirklich komplette Fehlanzeige. Wir waren wohl noch ein bisschen jung und naiv.
Wir wurden dann in die Schlesische Str. 27 geschickt. Dort konnten wir immer montags, ohne was zu bezahlen in eine Einrichtung, in der Miguel, (jemand, der seine Sozialstunden abarbeiten musste; Grüße gehen raus!) uns aufnahm und uns dahingehend einiges erklärte. Wir waren damals noch gar kein Duo. Wir waren sieben bis acht Jungs, die einfach Spaß daran hatten zusammen Musik zu machen. Mit der Zeit sind dann einige abgesprungen und haben uns dann nur noch supportet. In den nächsten Jahren haben wir dann immer mehr Leute kennengelernt. In Kreuzberg ist das auch nicht schwer. Jeder kennt immer jemanden. Inzwischen sind nur noch wir als Duo und unser Manager, der von Anfang an dabei war, übriggeblieben.

You know our steez…

Hier würde jetzt wahrscheinlich jeder andere Rapper sagen, dass ihn Tupac oder Biggie am meisten inspiriert hat. Und auch wir haben die gehört und auch sehr gefeiert. Generell haben wir viel Rap aus Amerika gepumpt. Aber auch Deutschrap und französischer Rap kamen bei uns nicht zu kurz. Früher haben wir beide oft darüber diskutiert, ob denn nun Samy oder Savas auf nationaler Ebene der bessere Rapper ist. Bis heute sind wir uns nicht einig.
Aber abgesehen davon, dass wir viel Rap gehört haben, waren wir schon immer für jegliche Genres offen. So haben wir immer grad das gehört, was Freunde in die Gruppe gebracht haben. Da war von brasilianischer Musik bis hin zu irgendwelchen afrikanischen Klängen, so gut wie alles dabei.
Unsere Musik wurde aber natürlich nicht nur durch irgendwelche Musikgenres oder Künstler beeinflusst. Wie man in unseren Texten hört, spielen unsere Gegend, unsere Leute, der Lifestyle, einfach alles was wir so tagtäglich erleben, eine große Rolle.

That’s our motherf****** name…

Wir werden oft nach unserem Namen gefragt. Und ehrlich gesagt gibt es dazu auch keine spektakuläre Story. Der Name ist irgendwann aufgekommen und wir haben den dann einfach genommen. Statt den Namen ständig zu wechseln, haben wir uns jetzt darauf festgelegt. Der Name steht auch nicht nur für uns als Duo allein, sondern vielmehr für ein Projekt, das wir gemeinsam gestartet haben. Im Endeffekt ist der Name so gut wie die Künstler.

Turn our music on…

…Punkt.


 
You see the difference…

Abgesehen davon, dass es deutschlandweit kein freshes Duo gibt, das wirklich ausschließlich als Duo released, liegt der größte Unterschied wahrscheinlich in der Art und Weise wie unserer Gesamtprodukt entsteht. Alles was von uns veröffentlicht wird, kommt aus unseren eigenen Reihen. Das war auch schon immer so. Die Jungs von uns, diezum Beispiel am Anfang graphische Aufgaben übernommen haben, machen das auch heute noch, nur dass das Ganze über die Jahre ein komplett neues Level angenommen hat. Die Beats kommen auch schon immer von Freunden. Unsere Gruppe macht es aus, dass wir für jede Aufgabe immer jemanden haben, der diese übernehmen kann und mit Qualität ausfüllt. Überall sind talentierte und kreative Leute in unseren Reihen zu finden.
Die Rapper, die heutzutage bekannt werden, sind meistens irgendwelche Internethypes, die dann kaum was draufhaben. Wir wiederum haben schon viel Erfahrungen sammeln können, uns wirklich alles selber beigebracht, bekommen maximalen Support aus der Hood und spielen viel Live. Wir veranstalten eigene Konzerte, die sehr gut besucht sind und haben auch sonst viele Auftritte, ohne dass wir groß überregional bekannt sind. Bei uns wächst alles gesund. Wir wollen durch Qualität überzeugen und nicht auf irgendeinen Zug aufspringen. Wir machen einfach unser Ding.

Our brand new album/mixtape…

Kurzfristig steht kein Album oder Mixtape an. Der Plan ist momentan eine dreitteilige EP-Reihe an den Start zu bringen, wovon der erste Teil, die „RK.EP.NR.01“, bereits veröffentlicht wurde. Die EP kann man sich auf Apple Music, Spotify oder anderen Streamingportalen anhören. Auf Itunes steht sie zum Download bereit.
Den Song „Ich und Er“ vom ersten Teil, haben wir jetzt vor wenigen Tagen mit einem Video ausgekoppelt. Er beschreibt unsere Freundschaft zueinander und gibt den Zuschauern einen guten Einblick wie wir so drauf sind. In dem Video sind nur unsere Leute zu sehen und das wird sich auch in Zukunft so durch unseren visuellen Output ziehen. Im Endeffekt machen wir die Musik in erster Linie für unsere Freunde und die supporten uns im Gegenzug, wo sie nur können.
Für die nächsten Teile in der EP-Reihe sind auf jeden Fall neue Sounds zu erwarten und es werden neue Elemente einfließen. Der Style wird aber an sich gleichbleiben und wir werden wie gewohnt als Duo auftreten. Also hört am besten rein. Ihr könnt gespannt sein.

Look into the future…

Vor allem wollen wir aus den Mitteln, die wir haben, immer das Beste machen was möglich ist. Einfach aus Minimalem Maximales. Und auch, wenn wir noch nicht das riesen Budget haben, wollen wir mit Ideen, freshen Konzepten und Qualität die Leute von uns überzeugen. Guckt euch die Videos an, besucht unsere Konzerte. Dann wisst ihr schon was wir meinen.Darüber hinaus wollen wir weiterhin live abreißen, so bald wie möglich eine eigene Tour spielen und unseren Bekanntheitsgrad außerhalb Berlins vergrößern. Wir wollen uns kontinuierlich steigern und nicht in unserer Entwicklung stagnieren. Es gibt kein konkretes Ziel, wo wir in fünf oder zehn Jahren stehen wollen. Das einzige was uns jetzt schon klar ist, ist dass wir kontinuierlich Musik machen wollen, die neuen Sachen realeasen und viel Live spielen wollen. Für die Zukunft haben wir noch viele Ideen, die wir umsetzen wollen. Dafür sitzen wir bereits an neuen Projekten. Momentan feilen wir am zweiten Teil der EP-Reihe und entwickeln neue Videokonzepte. Wir machen einfach Step-by-Step und schauen, wo die Reise hinführt. In fünf oder zehn Jahren können wir uns dann gerne nochmal zusammensetzen.

The following two tabs change content below.
Vom Soziologen*innen-Debattiertisch in Tübingen direkt in die BACKSPIN-Redaktion in Hamburg.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.