Im vergangenen Jahr feierte das Untergrund-Indie-Label Hirntot Records seinen zehnten Geburtstag. Das Geschenk für die Fans gab es pünktlich dazu: Der Labelsampler „HT100“ erschien und stellte gleichzeitig das 100. Release aus dem Hause Hirntot dar.
Dennoch gab es bis dato eine Sache, auf die die Fans verzichten mussten: Live Auftritte. Wer über die Jahre die Hoffnung bereits verloren hatte, wurde dann doch zum Ende des Jahres 2015 überrascht: Mit der „Nie daran geglaubt“-Tour ziehen Blokkmonsta, Rako, Schwartz und Manager Nils Davis das erste gemeinsam durch’s Land und bringen ihre Kunst auf die Bühne. Anlässlich dieser besonder
en Tour haben wir uns im Berliner Hirntot Studio verabredet und uns mit Blokkmonsta, Rako, Schwartz und Nils Davis über Lampenfieber, Fannähe und Aschenbecher unterhalten.

Im April habt ihr den 10. Geburtstag von Hirntot Records gefeiert. Die erste Frage, die sich jetzt natürlich stellt, ist, wieso erst jetzt eure erste Tour stattfindet.

Blokkmonsta: Ich bin der Grund. Wie bekannt ist, habe ich unheimlich Lampenfieber. Natürlich gab es auch noch andere Gründe. Damals hatte ich eine Freundin, die gegen eine Tour war, weil sie nicht wollte, dass da so viele Frauen hinkommen. Da will man Kompromisse finden und wenn man eh Lampenfieber hat, kommt das ganz gelegen. Dann kam irgendwann Nils (Labelmanager, Anm. d. Vf.) und meinte, es gibt kein Lampenfieber mehr und ich muss tun, was er sagt. Ich bin Hirntot-Label-Inhaber, er macht das Management – dann habe ich ihm einfach die volle Kontrolle überlassen. Ich meinte, wenn er alles allein auf die Beine stellt und ich nur noch erscheinen muss, bin ich dabei. Alles andere hätte noch mehr meinen Kopf gefickt.


Rako, Schwartz – Habt ihr in den letzten Jahren nicht mal versucht, Blokk zu überzeugen?

Rako: Alter … Ich versuche seit fünf oder sechs Jahren, ihn zu überreden! Ich war so unheimlich glücklich, dass es jetzt endlich mal überhaupt in Erwägung gezogen wurde und dann auch funktioniert hat. Früher war ich ständig unterwegs. Mittlerweile mache ich seit zwölf Jahren Musik. 2003 hat meine Zeit bei Bassboxxx angefangen und da sind wir schon ohne Ende unterwegs gewesen. Dann kam ich zu Hirntot und auf einmal war das vorbei, weil keiner mitgezogen hat.

Wie fiel eure Reaktion aus, als feststand, dass die erste Tour jetzt tatsächlich zustande kommt?

Schwartz: Ein paar Auftritte hatten wir ja vorher schon und die machen total Spaß. Was nun aber dazu kam, war das ganze Drumherum. Wenn man niemanden hat, der auf das alles Bock hat, klappt das nicht. Als Nils meinte, es sei alles in trockenen Tüchern, habe ich mich sehr gefreut.

Rako: Das ist auch keine einmalige Sache wie ein Festival-Gig, sondern eigene Shows, die wir auf die Beine gestellt haben. Die Organisation und Koordination lag komplett bei uns.

Was war die größte Herausforderung?

Blokkmonsta: Sich selbst zu überreden, die alten Texte zu lernen. Wenn Zeit war und ich hätte lernen können, habe ich lieber Serien geguckt oder mich mit Freunden getroffen, weil ich sonst nur gearbeitet und kaum geschlafen habe. Außerdem waren die Songs, die wir performt haben, teilweise acht Jahre alt. Damals hat man noch ganz anders geschrieben und andere Worte benutzt. Das war für mich so eine große Überwindung.

Rako: Es war auch schwer, gemeinsam einen Workflow zu finden und alles so auszuarbeiten, dass es auf der Bühne klappt. Das hat auch nichts damit zu tun, dass Blokkmonsta fast keine Erfahrung hat und ich ein paar Mal mit Schwartz unterwegs gewesen bin. Das gemeinsame Arbeiten, was die Liveperformance betrifft, war das erste Mal für uns. Das ist ja auch ganz anders als wenn man gemeinsam an einem Album arbeitet.

Schwartz: Mir fällt gerade ein, was während der Tour meine größte Herausforderung war: Während der vier Dates nicht auf die Schnauze zu fallen. Ich habe durch die Sonnenbrille kaum etwas gesehen und manchmal waren die Bühnen wirklich dunkel. Dazu steht man noch zu dritt auf der Bühne und hat Angst, direkt den nächsten aus Versehen zu treffen, wenn man sich bewegt.

Blokkmonsta: Die nächste Frage war dann ja, schafft man es, zwei Stunden diese Hitze auszuhalten.

Du hast es ja auch besonders schwer, die komplette Show mit Sturmmaske auszuhalten.

Blokkmonsta: Vor der Tour haben wir das ganze Programm in den Studios von Noisey durchgeprobt. Da habe ich die Proben schon mit Pullover, Jacke und Sturmmaske durchgezogen, um zu sehen, ob ich die Hitze aushalte. Da war es schon unerträglich. Bei der Show ist das ja aber noch einmal etwas ganz anderes: In Berlin waren zum Beispiel 600 Leute, alle schwitzen und eskalieren, die Hitze staut sich und kann nach oben nicht entweichen, die Spotlights sind auf uns gerichtet, die auch noch Wärme abgeben. Dazu hampeln wir auch noch maskiert auf der Bühne rum. Beim letzten Track konnte ich durch die Maske kaum noch atmen.

Rako: Nach der Show haben sich alle in den Arm genommen, nur Blokk haben alle die Hand gegeben (alle lachen). Zwischenzeitlich hat mir das auch wirklich leid getan.
Blokkmonsta: Schwartz war aber auch krass, der hat trotz der Hitze komplett mit Bomberjacke durchgezogen.

Schwartz: Ich fand das okay und habe tatsächlich erst beim Ausziehen nach der Show gemerkt, wie heiß es dann doch war. Zuhause liegen noch drei Shirts von der Tour, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob die Waschmaschine die noch retten kann (lacht).

Wie lang hat’s denn nun gedauert von der ersten Idee bis zum ersten Tourstopp?

Nils: 11 Jahre (lacht). Nein, insgesamt hat es ungefähr ein halbes bis Dreivierteljahr gedauert. Nachdem wir innerhalb von zwei Tagen beschlossen haben, dass wir auf Tour gehen, haben wir uns die richtige Booking Agentur gesucht – Benjamin Berthold von PBS Entertainment war das. Danach wurde alles innerhalb von zwei, drei Wochen auf die Beine gestellt.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.