Elena: „Ein bisschen wie ‚A Day In The Life‘ von den Beatles als Album“

Mit ihrem Mixtape „Shit vergangener Tage“, das am 17. November erschienen ist, versucht Elena vor allem zu Provozieren. Dabei räumt sie liebevoll und voller Intellekt Frauenklischees aus dem Weg und erschafft ganz nebenbei eine Art neues Genre gemischt aus Jazz, Soul und Rap. Seit Anfang Oktober kann man ihr Video zu „Wut im Bauch“ sehen, ein emanzipatorischer Song in dem sich die Schwester von David Garrett am Ende auch mit der Frage beschäftigt, inwiefern feministischer Anspruch und eine in den Medien unangenehm ausgeschlachtete Affäre ihres Bruders in Einklang zu bringen sind.
Wir haben Elena gebeten, sich vorzustellen. 

This is where I’m from…

Ich komme aus Aachen, bin aber auch Halbamerikanerin. Ein Nerd in der Schule, später deswegen beliebt. Ich wurde aber auch hart ignoriert, ausgelacht, gedisst. Für einige Jahre das Mädchen mit dem Rollrucksack. Meine Vorliebe für derberes Essen und vor allem Reibekuchen kommt sicherlich von meiner Herkunft, genauso wie Angewohnheit, andere Städte als „geographisch suboptimal“ zu beschreiben. Aachen ist definitiv Nabel Europas, zwei Stunden nach A’dam, dreieinhalb nach Paris, vier nach London…nicht schlecht, oder? Hab viel die Schulen und Klassen gewechselt. Die letzte Schule war aber meine und ich häufig in love. Was ich geliebt habe? Die English Drama Group dort Theatergruppe, iPod hören, Bigbandproben, auf dem Schulhof dem Schwarm hinterherseufzen, Durstlöschertetras. Wobei, ich hab einmal bei einer Französischklausur gefudelt und kam ziemlich ins Schleudern. That’s how close I got.

I know my roots…

Als ich klein war: Klavier spielen, klassisch, Kleidchen, Wettbewerbe. Ich mochte es, bisschen Prinzessin sein, Schnittchen. Chopin, Mozart, Debussy, schwitzige, eiskalte Hände, alles immer auf maximale Anspannung. Als Teenager: Demos mit meinem ersten Freund in seinem kleinen Homestudio, Jazzkonzerte, Viva auf Dauerschleife, Tower of Power, Ugly Duckling,Deodato, Funkadelic, Sessions, auf denen gejazzt oder Blumentopf gerappt wurde. Mochte immer eine Mischung aus (jemand hat das gestern treffend formuliert: Gynasial-)Hiphop/Funk, Pop, Bossa und Jazz.

You know my steez…

Alles von skandinavischem Jazz über Charlotte Gainsburg, Emiliana Torrini, Lianne le Havas, Metronomy, Steely Dan, Beck, Kendrick Lamar, Selah Sue, Macy Gray, Jamie Cullum, also das sind Alben, die ich immer wieder höre, wie auch einige Klassiker (Revolver, Pet Sounds, Innervisions, …). Im deutschsprachigen Bereich finde ich Flo Mega ganz groß, Sophie Hunger, Bilderbuch, Laing, hab früher auch viel Freundeskreis und Dendemann gehört. Das fließt auch alles irgendwie in meine Musik ein. Genauso wie klassische Musik und meine heimliche Vorliebe für schmierige Doo-Wop 50s/60s Songs. Mad Men ist definitiv mit verantwortlich dafür.

That’s my motherf****** name…

Keine besondere Geschichte hinter. Außer, dass man lange Zeit bei amazon nur die Pferdebücher „Elena – ein Leben für die Pferde“ fand. Daher heißt es bei „Schwester von“: ein Name wie ein Pferdebuch.

Turn my music on…/Yo see the difference…

Irgendwie R’n’B/Soul, aber nicht nur. Irgendwie Hiphop, aber auch nicht wirklich. Eher Deutschhiphopfusion. Spoken Word ist überall drin. Jazz. Pop. Du darfst einmal durch mein Leben gehen, ein bisschen wie „A Day In The Life“ von den Beatles als Album. Ich hab alles ausgepackt. Es ist wütend. Es ist ein bisschen Weltuntergangsmelacholie und Nihilismus, aber auch lustig und albern. Und das Album besteht so gut wie nur aus One- oder Two-Takes. Es klingt live, ist eigentlich auch live. Aber ich habe keine Band gehabt. Ich war fast nur alleine, viel nachts am Rechner, habe Dinge ausprobiert, was gewagt. Ich hatte auch Angst vorm Scheitern, habe aber durchgezogen.

My brand new album/mixtape…

Habe ich damit auch schon beschrieben. Es heißt „Shit vergangener Tage/Mixtape“. Mixtape vor allem im Sinne von Kassettenmixtape, jeder Song wie von einem anderen Interpreten, vielschichtig und bisschen gaga.

I know what I want…

Einfach langsam mehr Publikum. Ich bin mittlerweile eine echte Onewomenband mit Synths, Bass und Drumsloops und spiele demnächst eine kleine Tour. Zitat eines Veranstalters, drei Tage her: „Ich wusste eine zeitlang nicht, ob ich es gut oder scheiße finden sollte, aber so etwas habe ich definitiv noch nie gehört und es ist verdammt krass“. Visionen von einem Duett mit Maurice oder Marten. Versuche groß zu träumen, und gleichzeitig nie zu viel zu erwarten. Es ist fast unmöglich, aber das ist auch eine fliegende Hummel.

Look into the future…

Sich stetig wandeln und Dinge ausprobieren. Sicher bald auch ein englisches Projekt. Ich will einfach weiter Musik machen, gerne wieder auch mal als Keyboarderin für andere, sowieso als Songwriterin, als Studiosängerin. Als Dozentin. Dinge lernen und weiter schreiben, gegebenenfalls Produzieren/Arrangieren. Meine Neugier ist verdammt groß. Hätte auch richtig Lust auf ein paar Wochen Studio im Ausland, wenn sich da eine Gelegenheit ergibt, egal ob für mich oder andere Künstler. Pamela, you know, I’ll see you in Nashville!
 

Vom Soziologen*innen-Debattiertisch in Tübingen direkt in die BACKSPIN-Redaktion in Hamburg.

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